Reisetipps Capri

Ausflüge & Touren Capri

Zur Westküste und zu den Napoleonischen Forts

Weg von den oft frequentierten Wanderwegen! Zurück in die Zeit der Napoleonischen Kriege (1806-08) führt diese Wanderung inmitten einer romantisch zerklüfteten Landschaft. Von Anacapri bis zu den Festungsruinen über der Steilküste trifft man kaum eine Menschenseele. Wegen des anspruchsvollen Geländes und ca. 270 m Höhenunterschied müssen Sie für die 6,5 km lange, lohnende Strecke ungefähr 4 Stunden einkalkulieren.

Los geht's von der kleinen Piazza Caprile am Rand des pittoresken ältesten Wohnviertels Le Boffe, wo die Buslinie Capri-Anacapri ihre Endstation hat. Der kleine Abstecher über den Vico Caprile (links bei Hausnummer 15 abbiegen) bringt Sie zur Nr. 5 in der schmalen Via Ceselle, der Villa Il Rosaio (Rosengarten). Edwin Cerio, der weltgewandte Bürgermeister, hatte sich dieses Refugium im Capri-Stil bauen lassen. Viele Musiker und Schriftsteller waren hier zu Gast, von Claude Debussy und Ottorino Resphigi bis zu Graham Greene und Hugh Walpole. Zurück an der Piazza Caprile führt an der Südseite des Platzes eine Treppe dicht an der Casa Caprile vorbei. Hier war bis 1927 die Ferienresidenz der schwedischen Königin Viktoria. Nun sind Sie schon in der Via Vecchia Faro. In einer schattigen Talmulde und durch Olivenhaine kommen Sie zu einer Wegstrecke, die stimmungsvoll noch die holprige, unregelmäßige alte Pflasterung bewahrt hat. Sie führt bis zur Via Mesola, und diesen Weg schlagen Sie nach rechts ein. Bald beginnt er merkbar abwärts zu führen und schrumpft zu einem bescheidenen, unbequemen Pfad zusammen, der streckenweise nur mühsam zu begehen ist. Hier haben Sie die Grenze des landwirtschaftlich genutzten Gebiets erreicht. Der Pfad, der allerdings überall gut erkennbar ist, führt in die mediterrane Macchia.

Der Weg erreicht die Küste bei der Punta Campetiello, wo noch die Ruinen des gleichnamigen Forts stehen. Unterhalb der Festungsreste öffnet sich ein kleines Tal zur Latino-Bucht hin; hier gibt es weitere Überbleibsel des Schutzmauerwerks. Viel half es seinen Erbauern, den Engländern, allerdings nicht, als es hart auf hart ging: 1808 landeten die französischen Truppen von Napoleons Schwager Murat aus Neapel unweit der Befestigungsanlagen und bezwangen sie bald. Für die heutigen Besucher gibt es hingegen eine schöne Aussicht in Richtung Ischia.

Nach dem Panoramagenuss steigen Sie am gegenüberliegenden Südhang des kleinen Tals hoch und erreichen einen Pfad, der sich am Rand der Macchia steil nach oben windet. Er führt zur Fahrstraße, wenn man ihm in Richtung Torre di Materita folgt. Diesen Wehrturm - im 14. Jh. von Capris Kartäusermönchen zum Schutz gegen die sarazenischen Piraten errichtet - erwarb der schwedische Arzt Axel Munthe zu Beginn des 20. Jhs. Er ließ ihn umbauen und lebte dann zwischen 1910 und 1943 lange Zeit in dem Bau. In diesen Mauern entstand auch „Das Buch von San Michele“. Verirren können sich Wanderer dank dieser massiven Turmvilla nicht. Sie ist vor dem Hintergrund des sie umrahmenden Steineichenwaldes stets gut sichtbar.

Kurz bevor der Pfad in die Fahrstraße einmündet, kommen Sie zur Ruine der alten Kapelle San Cataldo und dann, an der Straße, zur gleichnamigen Zisterne. Der Materita-Turm beherrscht von oben die Szene. Kapelle und Zisterne gehörten den Kartäusermönchen von Capri, die ihr Vieh zum Tränken an diesen Brunnen trieben. Der Torre di Materita ist auch heute in Privatbesitz und deshalb nicht zu besichtigen.

Die in den 60er-Jahren anstelle eines alten Pfades gebaute Straße führt Sie nun zum Leuchtturm an der Südwestspitze der Insel (Punta Carena). Bergab windet sie sich weiter (ca. 1 km) durch das fruchtbare Land, zwischen Kiefernwäldern und prächtigen Panoramastellen. Bevor Sie jedoch einer Kurve in Südostrichtung folgen, verpassen Sie nicht die Gelegenheit zu einem Abstecher gen Westen, und zwar zur Punta del Pino. Am Ende der Landzunge steht hier eine weitere Fortruine der Engländer, unterhalb der Straße, etwa 400 m von ihr entfernt. Sie sind nun inmitten der schönsten, abgeschiedensten und wildesten Landschaft der Westküste. Die Halbinsel liegt zwischen zwei Buchten: Cala di Mezzo im Norden und Cala del Tombosiello im Süden. Die Letztere ist fjordartig eng und tief. Zum Meer hin schützte ein bogenförmiges, dickes Mauerwerk die weiter hinten liegenden Militärunterkünfte vor feindlichem Beschuss.

Wieder zurück auf der neuen Fahrstraße, müssen Sie nur darauf achten, den Anschluss zur weiterführenden alten Faro-Straße mit ihrer noch erhaltenen ursprünglichen Pflasterung nicht zu verpassen: Es ist die Vorstufe einer steilen Treppe, rechter Hand, die dahin führt. Es lohnt sich, diesen Weg zu wählen, denn er bringt Sie direkt zur Badeanstalt in einer romantischen Felsenbucht. Die neue Fahrstraße endet hingegen an der Esplanade des Leuchtturms von Punta Carena. Der Turm schaut aus beherrschender Position auf die Badebucht herab. Er ist mehr als hundert Jahre alt. Durch seine Größe und Leuchtkraft ist er der zweitstärkste faro Italiens, nach jenem von Genua. Von der Esplanade können Sie mit dem Bus nach Anacapri zurückfahren. Die Abfahrt erfolgt in kurzen Abständen.

Anacapri, Damecuta und die Festung Orrico

Diese Wegstrecke ist wahrhaft kontrastreich: Sie schlendern erst durch das historische Zentrum Anacapris. Dann bringt Sie die Wanderung näher zur Natur und zur römischen Geschichte und schließlich zur Ruine des 1808 heftig umkämpften Orrico-Forts an der Westküste. Gesamtlänge: ca. 4,5 km. Dauer: etwa 4 Stunden.

Der Ausgangspunkt ist die Piazza Vittoria (von hier aus steigt der Sessellift zum Monte Solaro hoch). Die Via Giuseppe Orlandi führt an der Casa Rossa vorbei. Das Rote Haus wurde gegen Ende des 19. Jhs. um einen aragonischen Wehrturm herum errichtet. Ebenfalls rechter Hand erreichen Sie die Via San Nicola. Diese führt zur Besichtigung der Kirche San Michele. Dann biegen Sie links in die Via Finestrale ein: Der hundertjährige Eukalyptusriese zeigt, wo in einem großen Garten die Casa Orlandi liegt (auch Haus der Äbtissin - Casa della Badessa - genannt). Dem Abgeordneten Giuseppe Orlandi ist der Ausbau der Fahrstraße zwischen Capri und Anacapri zu verdanken, die seit 1877 beide Orte miteinander verbindet. Schlecht hauste er nicht im umgebauten ehemaligen Heim der Karmeliterinnen. Dieselbe Gasse führt Sie zu einer weiteren Sehenswürdigkeit: der Pfarrkirche Santa Sofia. Von hier aus kann es kreuz und quer gehen im Wirrwarr der pittoresken Gässlein des alten Stadtviertels Le Boffe.

Via Boffe und Via Vigna bringen Sie dann aus der Stadt heraus, gen Westen, allmählich in eine hübsche, ländliche Gegend. Nutzgärten, Landhäuser, Villen folgen aufeinander, bis die leicht abfallende Via La Fabbrica Sie in die Nähe des Hubschrauberlandeplatzes auf der Hochebene von Damecuta bringt. Am Ende der Via A. Maiuri - nach dem berühmten Archäologen benannt, der im 20. Jh. die Ausgrabungen leitete - stoßen Sie dann auf die Überreste einer kaiserlichen römischen Villa, der Villa Damecuta. Tiberius wusste schon, wo und wie er bauen soll. Hier handelt es sich um ein Pendant zur Villa Jovis, auf einem steil abfallenden Felsplateau an der Nordwestspitze der Insel. In beide Richtungen ist die Aussicht atemberaubend. Die Engländer und Franzosen verwendeten Ende des 18. Jhs. zur Errichtung ihrer Befestigungen leider reichlich Baumaterial aus den Ruinen dieses Gebäudes. Daran erinnern die wenigen noch übrig gebliebenen Reste des Forts von Orrico mit einem Hauch von Nostalgie. Entlang der Felskante erkennt man gut den freigelegten Grundriss eines halbkreisförmigen Belvedere und der dahinter liegenden Aufenthaltsräume. Von hier führt die Ruine einer Loggia fast bis zu dem auch vom Meer aus sichtbaren Wehrturm von Damecuta aus weit späterer Zeit. Zu dem Fort von Orrico gelangten die angreifenden Franzosen 1808 vom Meer über eine in den Felsen gehauene Treppe.

Aus Damecuta kommen Sie leichter dorthin, indem Sie vom Parkplatz an der nahe gelegenen Fahrstraße den Pfad aus gestampfter Erde westwärts einschlagen. Dieser führt hinunter auf die Ebene von Orrico, eine beliebte Gegend für Spaziergänger. Am Rand der Felsenküste erreichen Sie dann die Fortruine. Zurück auf der Fahrstraße können Sie für den Rückweg den Bus der Linie nehmen, die die Esplanade über der Blauen Grotte mit Anacapri verbindet.

Geruhsame Wanderung zum Parco Astarita

Noch kennen nur wenige Besucher Capris den schönen Parco Astarita (tgl. 10-18 Uhr, Eintritt frei), diese Ende 1997 der Öffentlichkeit zugänglich gemachte Perle der Natur in 2-3 km Entfernung von Capris Ortskern. Dauer des Spaziergangs: ca. 1,5 Stunden.

Via Longano und Via Supramonte führen von der Piazzetta ostwärts zur La Croce genannten Kreuzung. Hier mündet auch die Via Croce, wenn man den Weg über die Via Fuorlovado genommen hat. In beiden Fällen folgen Sie etwas ansteigenden, gewundenen Gassen, überwölbt von Bögen oder Überführungen, gesäumt von kleinen Läden und von Restaurants: ein Stück Alt-Capri.

Bei der erwähnten Kreuzung müssen Sie etwas aufpassen, um den richtigen Weg einzuschlagen. Rechts führt nämlich die Via Matromania abwärts in Richtung Arco Naturale. Sie aber biegen links in die ansteigende Via Tiberio ein und kommen bald an der kleinen Kapelle San Michele vorbei. Sie können dann nach etwa 200 m geradeaus rechts in die schattige Via Moneta einbiegen, die wiederum zur Via Tiberio führt. Traditionsreiche Privatvillen liegen in schönen Gärten, dann wieder Bauernhöfe in den Weingärten, zwischen Olivenbäumen, Kakteen, Glyzinien.

Wo die Via Tiberio - nach der Bar Jovis und einigen Stufen bergauf - in den Viale Amedeo Maiuri übergeht, in Richtung Villa Jovis, liegt nun rechter Hand der lang gestreckte Park, eigentlich ein Pinienhain, der Villa Astarita. Gepflegte Spazierwege und Aussichtsterrassen, schattige Bänke, Blumenrabatten laden hier zum Luftholen ein. Zum Meer hin fällt die Felswand steil hinunter. Das Panorama ist überwältigend und abwechslungsreich. Von Sorrent bis Amalfi sieht man die Festlandküste. Von der Villa Malaparte bis zu den Faraglioni schwebt der Blick in Richtung Süden. Die reiche Sammlung römischer Antiquitäten, die der neapolitanische Kunstsammler Mario Astarita einst für Garten und Villa zusammengetragen hatte, wurde leider nach seinem Tod in alle Winde verstreut.

Wer sogar drei Fliegen mit einer Klappe schlagen will, biege auf dem Rückweg, unten bei der Gabelung von der Via Tiberio in die Via Lo Capo, rechts ab und folge - mit der Karte in der Hand - dem Weg in Richtung Pastena. Dieser endet bei der Villa Lysis (Villa Fersen), die für Jugendstilfreunde einen Besuch wert ist (ein Umweg von zwanzig Minuten). Dieselbe Via Lo Capo, wieder bergabwärts, führt Sie in maximal einer halben Stunde weiter über die Via Fuorlovado zurück in den Ortskern.