Reisetipps Brüssel

Sehenswertes Brüssel 1000 Jahre Geschichte, 1000 Facetten

Jugendstil und Mittelalter, enge Gassen und angesagte Plätze, Bruegel, Magritte und Comics

Die Gegensätze, die Brüssel so lebendig machen, finden sich auch im Stadtbild wider und in den vielen Museen, die vor Kostbarkeiten überquellen.

Dort kommen nicht nur Bewundererer von Bosch, Bruegel, Rubens, Van Dyck oder Magritte auf ihre Kosten, sondern auch Fans antiker Schätze und moderner Kunst, Geschichtsinteressierte und selbstverständlich Comicfreunde. Montags allerdings nur eingeschränkt, denn dann sind die meisten Museen geschlossen. Zu verdanken ist diese fast unüberschaubare Ansammlung an Kunstschätzen zum einen dem Reichtum der Stadt, zu dem sie nicht zuletzt wegen ihrer günstigen Lage an der Schnittstelle wichtiger Handelsstraßen kam, zum anderen dem Umstand, dass die Stadtoberen von jeher Kunst und Kultur ein starkes Interesse entgegenbrachten: Angefangen beim Patriziat des späten 10. Jhs. über die Herzöge von Burgund und Kaiser Karl V. bis zu Karl-Alexander von Lothringen, der die besten Künstler an seinem Hof beschäftigte. Im 19. Jh. lockte eine neue, liberale Elite von Großindustriellen und Bankiers die Avantgarde Europas. So entstand hier 1893 der Jugendstil, der nahtlos in Art déco und Surrealismus überging. 1958, im Jahr der ersten Weltausstellung nach dem Zweiten Weltkrieg, ließ sich ganz Europa nieder - die damalige EWG - und löste einen bis heute anhaltenden Bauboom aus.

Bourse

Mitte des 19. Jhs. beschlossen die Stadtväter, die Altstadt zu modernisieren. Nach Pariser Vorbild entstanden zwischen Nord- und Südbahnhof Grands Boulevards. Die neue Börse war ein wichtiger Blickfang. Friese und Skulpturen des Prachtbaus symbolisieren Belgien und seine Wirtschaftszweige. Die Gruppen Afrika und Asien an den Ecken der Westseite stammen von Auguste Rodin. Heute schätzen junge Leute die Freitreppe zum Sonnen und Plaudern. | Place de la Bourse | Metro: Bourse

Centre Belge de la Bande Dessinée

Tim und Struppi, Lucky Luke oder die Schlümpfe: Alle Helden tauchen im Belgischen Comic-Zentrum auf. Die ständige Sammlung schildert chronologisch deren Entwicklung, wechselnde Ausstellungen gehen auf Klassiker und Avantgardisten des Genres ein. Schwierig für Kids: die Sprechblasen auf Französisch und Niederländisch. Den prächtigen Rahmen mit Glasböden schuf der Jugendstilmeister Victor Horta 1903-06 für eine Stoffgroßhandlung. Größte Fachbibliothek der Welt (ca. 40000 Bände), guter Buch- und Souvenirladen, nette Brasserie. | Di-So 10-18 Uhr | Eintritt 7,50 Euro | Rue des Sables 20 | www.cbbd.be | Metro: 1A/B: Gare Centrale

Fondation Jacques Brel

Die Welt des berühmten Chansonniers, der aus Brüssel stammte, hautnah um einen Konzertabend aufgebaut. Riesiges Archiv. | Di-Sa 10.30 bis 18 Uhr | Eintritt 5 Euro | Place de la Vieille | Halle aux Blés 11 | www.jacquesbrel.be | Metro 1A/B: Gare Centrale

Galeries Saint-Hubert

Über das „hässliche Gesicht des Kapitalismus“ schimpfte Karl Marx während der Bauarbeiten. Musste doch ein Arbeiterviertel dem Tempel des Konsums und Vergnügens weichen. Die herrliche, neoklassizistische Einkaufspassage mit aufwendigem Glasdach beherbergt Luxusläden, Restaurants, Kinos und Theater - und darüber Appartements. Im Théâtre Royal des Galeries bemalte René Magritte die Decke. Im und vorm Mokafé treffen sich Tänzer, Schauspielerinnen, Sänger und die beau monde. | Rue des Bouchers | Metro 1A/B: Gare Centrale

Grand' Place

Seit alters her pulsiert hier das Leben der Stadt. Einheimische, Zugezogene, Besucher, Hochzeitspaare und Staatsgäste mischen sich auf dem Pflaster des „schönsten Theaters der Welt“ (Jean Cocteau). Die Gaststätten mit ihren Terrassen bilden seine Logen. Junge Leute genießen die Treppen zur Maison du Roi. Von dort aus offenbart sich die elegante Pracht des Rathauses (Hôtel de Ville | Di-Mi 14.30-16, So 10-12 Uhr | Eintritt 3 Euro). Wie durch ein Wunder überstand dieses Symbol der bürgerlichen Macht als einer der wenigen Bauten die Bombardierung Brüssels durch Ludwig XIV. im Jahr 1695. Der 91 m hohe, von Michael, dem Schutzheiligen der Stadt, gekrönte Turm gliedert die mit Skulpturen übersäte, spätgotische Fassade asymmetrisch. Die zerstörte frühere Tuchhalle an der südwestlichen Ecke des Innenhofes wurde 1706 in strengem Barock neu erbaut. Hier schaltet und waltet der Bürgermeister. An der anderen Ecke tagt der Stadtrat in einem fürstlichen Saal. Die selbstbewussten Bürger schmückten ihn, gleich Kaiser und Papst, mit kostbaren Tapisserien und einem Deckengemälde, das Brüssel und Brabant verherrlicht. Zwischen Ratssaal und Cabinet des Bürgermeisters liegen verschwenderisch ausstaffierte Empfangs- und Sitzungsräume.

Die Handwerkerzünfte, neben den Patriziern tragende Säulen der Brüsseler Gesellschaft, bauten ihre stattlichen Häuser an der Grand' Place nach 1695 im Rekordtempo wieder auf - und viel schöner als zuvor. Alle tragen besondere Namen. Den Platz dominiert die einheitliche, harmonische Fassade des sogenannten Hauses der Herzöge von Brabant. Die Ecke zur schmalen Rue au Beurre beherrscht der König von Spanien mit seiner schicken Kuppel - einst Sitz der Bäckerzunft. Im L'Arbre d'Or (Goldenen Baum) laden heute noch die Brauer zum Umtrunk ein (Nr. 10). Im Restaurant Le Cygne (Der Schwan) nebenan müssen die begehrten Tische mit Aussicht lange im Voraus reserviert werden. Wer noch auf der Suche nach seiner großen Liebe ist, streichelt über den Bronzearm von Ritter Everard 't Serclaes - angeblich erscheint sie binnen einen Jahres. | Metro: Bourse

Ilot sacré

Die Gässchen und Stege um die Rue des Bouchers und Rue des Dominicains waren noch in den 1950er-Jahren für ihre Varietétheater und Gaststätten mit Livemusik (Caf'Conc') bekannt. Jacques Brel, Georges Moustaki und Toots Thielemans debütierten dort. Heute verdrängt in diesem sogenannten heiligen Viertel ein Restaurant mit verlockenden Auslagen das andere. In vielen werden Touristen beschwatzt und abgezockt. Eine solide Adresse: Aux Armes de Bruxelles (Rue des Bouchers 13), wo unter anderen Brüsseler Prominenten Brels Witwe ihren Stammplatz hat. | Metro: De Brouckère

Maison du Roi

Das Historische Museum der Stadt beherbergt in prächtigen Räumen zahllose Kostbarkeiten. Im Erdgeschoss sind feinste Brüsseler Luxusgüter wie geschnitzte und bemalte Altäre, Tapisserien, Porzellan und Silber ausgestellt. Der erste Stock führt in die Geschichte der mächtigen Metropole ein. Modelle, Pläne, Gemälde, Stiche und Dokumente illustrieren Brüssels Entwicklungsstadien. Bemerkenswert: die Abbildungen der prächtigen Hofburg, die 1731 abbrannte. | Di-So 10-17 Uhr | Eintritt 3 Euro | Grand' Place | www.brucity.be | Metro: Bourse

Manneken Pis

Um den unbekümmert pinkelnden Knirps ranken sich zahlreiche Legenden. Auf jeden Fall bringt die meisterliche Barockbronze die berühmt-berüchtigte Aufmüpfigkeit und Spottsucht der Brüsseler zum Ausdruck. Genau deshalb wurde Manneken Pis auch schon mehrfach entführt. Bewunderer schenkten ihm dagegen Kostüme. Das Maison du Roi stellt die schönsten im obersten Stock aus. | Ecke Rue du Chêne/Rue de l'Etuve | Metro: Bourse

Place des Martyrs

Unter dem Patria-Denkmal ruhen die Gebeine Brüsseler Bürger, die 1830 die holländischen Besatzer verjagten. Etwas weiter setzte Henry van de Velde ihrem Anführer, Louis-Frédéric de Mérode, ein Jugendstildenkmal. Der von klassizistischen Gebäuden gesäumte alte Platz ist ein Martyrium der Denkmalschützer. Haus um Haus müssen sie um den Erhalt kämpfen - zumindest der Fassaden, hinter denen dann seelenlose Zweckräume entstehen. | Metro: De Brouckère

Place Sainte Catherine

Ein gemütlicher, farbiger Markt vor der düsteren neogotischen Kirche von Joseph Poelaert. Hier beginnt die Welt der Fischhändler und -restaurants. | Metro 1A/B: Sainte-Catherine

Place Saint-Géry

Rasant wechseln die Eigentümer rund um die alte Markthalle. Junge Leute von Film und Fernsehen, Mode und Werbung, Design und Popmusik verdrängen Ur-Brüsseler und Zuwanderer. Der letzte Schrei - hier paradiert er. Blasiert ist das Mappa Mundo, radikal schick das Le Roi des Belges gegenüber, alternativer angehaucht ist dagegen die Zebra Bar. | Metro: Bourse

Saint-Jean-Baptiste au Béguinage

Die Kirche des früheren Beginenhofs gehört zu den schönsten Barockbauten Belgiens mit ihrer prächtig gegliederten Fassade, üppig geschnitzter Kanzel und Beichtstühlen, wertvollen Gemälden. | Place du Béguinage | Metro 1A/B: Sainte-Catherine

Saint-Nicolas au Marché

Wie Puppenhäuser kleben Geschäfte und Wohnungen an der seltsam schiefen Kirche. Saint-Nicolas au Marché ist ein schönes Beispiel für das alte Brüssel, in dem Grund und Boden auch schon teuer waren. Und die Kirche lag mitten im geschäftigsten Viertel. Die Händler stifteten 1695 den Wiederaufbau im barocken Stil samt vergoldetem Schmiedeeisengitter vor dem Chor und Rubens-Gemälde. Heute stören allerdings aufdringliche Bettler den Kunstgenuss. | Rue au Beurre 1 | Metro: Bourse

Théâtre Royal de la Monnaie

Brüssels ältester Musentempel entstand 1695 an der Stelle der alten Münzprägeanstalt - daher der Name. Den neubarocken Prachtbau gestaltete der Architekt des Justizpalastes, Joseph Poelaert, nach einem Brand. 1985 bekam er postmoderne Proberäume aufgesetzt. Drinnen lohnt sich ein Blick ins Foyer und in den Salon Royal. Sie wurden von den modernen Künstlern Daniel Buren, Sam Francis, Sol Le Witt und Giulio Paolini verziert. Doch am wichtigsten sind natürlich die Aufführungen, die zur Weltspitze zählen. | Sa 12 Uhr Gratisführungen | Tel. 022291372 | Place de la Monnaie | Metro: De Brouckère

Cathédrale Saint Michel

Prächtig restauriert ragt die Kathedrale am Hang auf. Außen gotisch mit typischen Brabanter Spitzenschnörkeln um Portale, Fenster und Zinnen. Im Inneren fallen zahlreiche Elemente aus Renaissance und Barock auf. Die meisten Buntglasfenster haben die Kriege überdauert. Über dem Portal ein „Jüngstes Gericht“ von Frans De Vriendt. Im Querschiff Kaiser Karl V. und seine Gemahlin Isabella von Portugal (Nordseite) und die Schwester des Kaisers Maria mit ihrem Gemahl König Ludwig II. von Ungarn (Südseite). In der nördlichen Seitenkapelle, wo die Statthalter Albrecht und Isabella von Habsburg und Prinz Karl-Alexander von Lothringen unter einer schlichten Platte ruhen, glänzt der Kathedralschatz.

Hinter dem Chor verdient der Renaissance-Altar aus Alabaster mehr als einen flüchtigen Blick, ebenso wie die Kanzel. Die barocke Darstellung der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies und der Legende vom Weinstock bildet einen Höhepunkt Brüsseler Holzschnitzerei. Unter dem Schiff befinden sich Überbleibsel einer viel älteren romanischen Kirche, unter dem Chor die Gräber der Herzöge von Brabant. Nicht nur sehens-, sondern auch hörenswert ist die monumentale Schwalbennestorgel von Gerhard Grenzing. Regelmäßig erklingen die majestätischen Glocken und das Carillon, das liebliche Glockenspiel. | Parvis de Sainte-Gudule | Metro 1A/B: Gare Centrale

Jardin Botanique

Hier erschließt sich Brüssels widersprüchliche Schönheit. Rechts das elegante, neoklassizistische Gewächshaus des alten Botanischen Gartens mit seinem Park, links ein Büroturm. Zu dessen Füßen liegt ein glitzerndes Klein-Manhattan. In der Ferne schließt die Basilique Nationale eine wunderbare, lange Achse ab. Die kreuzende Achse der Rue Royale endet auf der einen Seite mit der neubyzantinischen Kirche Sainte-Marie, auf der anderen Seite mit dem Palast des Königs. Brüssels schönstes Fleckchen, wenn sich die untergehende Sonne im Glas des Gewächshauses spiegelt und alle Lichter angehen. | Eintritt frei | Ecke Bd. du Jardin Botanique/Rue Royale | Metro 2: Botanique

Les Marolles

Brüsseler Brüche und brassages (Mischungen): In den grauen Sozialwohnungen (darunter ein an sich schöner Jugendstilblock zwischen Rue de la Rasière und Rue Pieremans) hält sich ein Urgestein. Es spricht noch Brusseleir (eine Mischung aus Altbrabantisch und Französisch), meckert, trinkt, singt, tanzt auf der Straße. Immer weiter rücken die brocanteurs (Trödelhändler) und besseren Antiquitätengeschäfte zum Flohmarkt auf der Place du Jeu de Balle vor, eröffnen schicke Einrichtungsgeschäfte und Restaurants. Künstler und Bohemiens, Studenten und Yuppies, Aussteiger und Insider schätzen das Flair.

Am Palaverbaum (Rue de l'Epée) spielen sie Speakers' Corner - wie im Londoner Hyde Park. Unter dem Bahnhof Chapelle experimentieren junge Musiker mit Crossover-Formen, junge Künstler dürfen Graffiti sprühen, das Café-Restaurant Recyclart (Rue des Ursulines 25) ist ein Hotspot. Nicht verpassen: den restaurierten Horta-Kindergarten (Rue Saint-Gislain 40). Mitten ins Marolles-Viertel bringt Sie der Aufzug am Justizpalast (Place Poelaert). | Metro 2: Porte de Hal

Mont des Arts

Aufs Angenehmste verbindet die formstrenge Anlage des bekannten Gartenarchitekten René Pechère Unter- und Oberstadt. So herrscht zwischen den großen Kulturinstitutionen reges Kommen und Gehen. Oben dreht sich in einem Wasserbecken ein Mobile von Alexander Calder. Vom Torbogen über der Rue Mont-des-Arts erklingt viertelstündlich heiteres Glockenspiel. | Place de l'Albertine/Rue Mont-des-Arts/Rue Montagne de la Cour | Metro 1A/B: Gare Centrale

Musée Belvue

Hier bekommen Sie eine prägnante interaktive Einführung (auch in Deutsch) in die Geschichte Belgiens von 1830 bis heute, in einem Seitenflügel des Schlosskomplexes Palais du Roi. Hervorragende Datenbank, um das Gesehene zu vertiefen. Phantasie braucht, wer in die unter der Place Royale ausgegrabenen Überbleibsel der Hofburg eintaucht. In der Aula magna dankte 1556 Karl V. als Kaiser des römischen Reiches und König von Spanien ab. Schönes Café-Restaurant mit Terrasse im Schatten des Palastgartens. | Juni bis Sept. Di-So 10-18 Uhr, Okt.-Mai Di-So 10-17 Uhr | Eintritt 3 Euro, Kombiticket Museum/Ausgrabungen 5 Euro | Place des Palais 7 | www.belvue.be | Metro 2: Trône

Musée des Instruments de Musique

„Old England“ steht auf der Fassade des feingliedrigen Jugendstilbaus. Einst kaufte hier Brüssels High Society ein. Im laubenartigen Obergeschoss traf sie sich zum Five o'Clock Tea. Inzwischen ist das Musikinstrumentenmuseum eingezogen - und die Cafeteria samt Sonnenterrasse zur Place Royale ein Magnet wie eh und je. Dabei besitzt das Museum eine der größten Sammlungen der Welt. Der Bogen reicht von einer altägyptischen Harfe bis zum Synthesizer, aufregend sind die Musikinstrumente aus fernen Erdteilen, hinreißend die bemalten Cembali oder abenteuerlichen Saxophone. Regelmäßig werden die solidesten Erbstücke live bespielt. | Di-Fr 9.30-17 Uhr, Sa-So 10-17 Uhr | Eintritt 5 Euro | Rue Montagne de la Cour 2 | www.mim.fgov.be | Metro 1A/B: Gare Centrale

Musées Royaux des Beaux-Arts de Belgique

Ein Tag reicht kaum aus, um alles zu sehen, was die 200 Jahre alten Königlich-Belgischen Kunstmuseen im alten Flügel, in den Palais an der Place Royale und im unterirdischen Neubau bieten. Die flämischen Primitiven sind mit Gemälden von Hieronymus Bosch oder Hans Memling glänzend vertreten. Pieter Bruegel d. Ä. nimmt zwei Säle ein, im Patio faszinieren goldgewirkte Brüsseler Tapisserien, im größten Saal prangen monumentale Gemälde von Rubens. Außerdem mehrere hinreißende Porträts von Anthonis van Dyck.

Ebenfalls meisterlich vertreten: die holländische (u. a. Frans Hals und Rembrandt) und die französische Schule (Watteau, David, Ingres). Brüssel als Drehscheibe des Symbolismus kommt mit Spitzenwerken von James Ensor, Fernand Khnopff, Constantin Meunier, Auguste Rodin oder Edward Burne-Jones voll zu seinem Recht. Vom Schaffen René Magrittes bietet das Museum die weltweit größte und beste Übersicht. Nicht verpassen: die imposante Königliche Treppe und das Jugendstiltreppenhaus im Palais Gresham. Angesagtes Museumscafé mit großzügiger Terrasse über dem Skulpturengarten. Jeden Mittwoch (Okt. bis Juni 12.40 Uhr) finden im Auditorium gute Kammerkonzerte statt. Entspannend ist auch der beschauliche Skulpturengarten an der Westseite mit seinen Bänken. | Di-So 10 bis 17 Uhr (einige Säle sind wegen Personalmangel manchmal geschlossen) | Eintritt 5 Euro | Rue de la Régence 3 | www.fine-arts-museum.be | Tram 92, 94: Royale

Notre-Dame de la Chapelle

Eine stattliche gotische Kirche am Rande des Marolles-Viertels. Am Wochenende ist sie geistliches Zentrum der polnischen Gemeinschaft. Die Attraktion der Kirche bildet die Plakette in der vierten Kapelle rechts. Sie erinnert daran, dass hier der Maler Pieter Bruegel d. Ä. und seine Frau Maria Coecke bestattet sind. | Place de la Chapelle | Metro 1A/B: Gare Centrale

Notre-Dame du Sablon

Effektvoll steht die reich verzierte spätgotische Kirche zwischen dem kleinen und großen Sablon. Allabendlich, wenn die Kirche innen erleuchtet ist, spenden die großen Buntglasfenster den Plätzen festliches Licht. Noch heute feiert hier die Gilde der Bogenschützen, die die Kirche einst stiftete, ihre Feste. Wertvolle Renaissance-Empore und herrliche Barockgräber der Fürsten von Thurn und Taxis. | Rue de la Régence | Tram 92, 94: Petit Sablon

Palais des Académies

Der elegante Bau stammt aus der kurzen holländischen Periode (1815 bis 1830). Nach dem Kronprinz von Oranien-Nassau zogen die Akademien ein. Nicht nur etwas für die betagte Wissenschaftler-, Schriftsteller- und Künstler-Elite ist der ruhige Park. Die Putti und Blumenkörbe auf der Mauer stammen vom jungen Auguste Rodin. | Rue Ducale 1 | Metro 2: Trône

Palais des Beaux-Arts

Victor Horta, der Schöpfer des Jugendstils, erfand auch das Art déco - zehn Jahre, bevor es den Begriff gab. Das Palais des Beaux-Arts, 1920-28 erbaut, illustriert Hortas Meisterschaft. Der eiförmige, große Konzertsaal, zu dem eine kühne Rampe führt, liegt unter der Erde. Um eine grandiose Halle mit Glasdach gruppieren sich Saalfluchten für Ausstellungen. Darüber hinaus beherbergt das Palais Kammermusiksäle, Theater, die Cinemathek, Restaurants und Läden. Ein Mittelpunkt des Brüsseler Kultur- und Gesellschaftslebens. | Sonntags um 12 Uhr Führungen | Preis 7 Euro | Rue Ravenstein 23 | Metro 1A/B: Gare Centrale

Palais de Justice

Als „Architekten“ beschimpfen die Ureinwohner des Marolles-Viertels heute noch unsympathische Menschen. Dem gigantischen Bau, den Hitler und sein Architekt Albert Speer bewunderten, musste 1866 ein Stück der Marolles weichen. Architekt Joseph Poelaert, der vor Vollendung seines Lebenswerkes wahnsinnig wurde, verherrlichte Justitia und das mächtige Belgien. Unter der enormen Kuppel der Salle des pas perdus (Saal der verlorenen Schritte) wird jeder, ob Angeklagter, Anwalt oder Besucher, ganz klein. | Mo-Fr 9 bis 12 und 14-16 Uhr | Eintritt frei | Place Poelaert 1 | Metro 2: Louise

Palais de la Nation

Spiegelbildlich stehen sich die beiden Schaltstellen der Macht diesseits und jenseits des Parc de Bruxelles gegenüber: der Palais du Roi und der Palais de la Nation (Parlament). Ein belgischer Monarch spottete einmal über die „Baracke gegenüber“. Doch das Parlament, 1779 für die damaligen Generalstaaten der Österreichischen Niederlande gebaut, steht dem Amtssitz des Staatsoberhauptes in nichts nach. Die Sitzungssäle der Abgeordnetenkammer und des Senats sowie die Saalfluchten, in denen die Präsidenten repräsentieren, sind von königlicher Pracht. Vor der Rückseite steht der hinreißende Jünglings-Brunnen des Symbolisten George Minne. | Nur nach Anmeldung Tel. 025198111 und am 21. Juli | Rue de la Loi | Metro: Arts-Loi

Palais du Roi

Einst ragte an dieser Stelle die prächtige Hofburg der Burgunder und Habsburger auf. Ein Brand vernichtete sie 1731. An ihre Stelle trat eine kleinere Residenz. Leopold II. ließ sie zu diesem repräsentativen Gebäude umbauen. Drinnen herrscht königliche Pracht, insbesondere im üppig vergoldeten, gigantischen Thronsaal. Decke und Lünetten des Spiegelsaals schmückte der Künstler Jan Fabre im Jahr 2002 mit Millionen schillernder Käferpanzer. Wenn hohe Staatsgäste kommen, was häufig der Fall ist, paradiert das berittene Garderegiment vor der Auffahrt. | Ende Juli bis Anfang Sept. (je nach Urlaub des Königs) tgl. 9.30-16 Uhr | Eintritt frei | Place des Palais | Metro 2: Trône

Parc de Bruxelles

Brüssels ältester Park trennt und verbindet die Schaltstellen der Macht. Regelmäßig spaziert der Premierminister oder Senatspräsident zur Audienz beim König. Botschafter und Beamte joggen vorm Lunch, in zwei Bereichen dürfen sich Kinder und Jugendliche austoben, zwei Cafés laden zum Verschnaufen ein. Einst gehörte der Park zur Hofburg der Herrscher, 1830 erkämpften die belgischen Revolutionäre hier die Unabhängigkeit von Holland. Kenner entdecken im Grundriss die neun Werkzeuge der Freimaurer - subtiler Beleg für ihre einstige Macht in Brüssel. | Rue Royale | Metro 1A/B: Parc

Parc d'Egmont

Vier verborgene Pforten führen in diese Oase der Ruhe. Passende Poesie von Marguerite Yourcenar, die in Brüssel zur Welt kam, stimmt an der Rue aux Laines ein, wo ihre Verse in die Treppenstufen und Stützmauern gemeißelt sind. Der englische Stil kontrastiert mit der Rückseite des neobarocken Palais d'Egmont, der Residenz des belgischen Außenministers. In der Orangerie lockt ein elegantes Café (Sa geschl. | mit Terrasse). Ein Geheimtipp für alle, die die Antiquitätenhändler am Place du Grand Sablon abklappern oder um die schicke Porte Louise einkaufen. | Eingang neben der Rue aux Laines Nr. 20 oder links neben dem Hilton-Hotel | Bd. de Waterloo 38 | Metro 2: Louise

Place du Sablon

Zum Pflichtprogramm aller Besucher Brüssels gehört dieser Doppelplatz. Der Petit Sablon mit dem Denkmal für die Grafen Egmont und Horne, die ihren Aufstand gegen die Spanier mit dem Leben büßten, wird umsäumt von pittoresken Handwerker-Plastiken. Der Grand Sablon ist das Mekka der Antiquitätenhändler und bildet am Wochenende die Kulisse für ihren Markt. Der Platz ist auch Laufsteg für alle, die mit Schick und reichlich Schecks glänzen können. Genüsslich kreisen sie in ihren Luxuskarossen um den Platz, genüsslich schauen Freund und Feind von den Terrassen zu. Jedes Café hat sein eigenes Publikum - außer dem unverwüstlichen Au Vieux Saint-Martin, das alle lieben. | Tram 92, 94: Petit Sablon

Sainte-Marie

Ihre Kupferkuppel und die funkelnden Goldmosaike schließen die Rue Royale optisch ab. Das neobyzantinische Gotteshaus dient heute als eine ökumenische Begegnungsstätte. Von der Nordseite der Kirche Sainte Marie haben Sie einen schönen Blick auf das Lustschlösschen Château de Laeken. | Rue Royale | Tram 92, 94: Sainte-Marie

Autoworld

Rund 500 glänzende Limousinen, vom ersten Benz bis zum Cadillac-Cabriolet, in dem Präsident Kennedy 1963 durch West-Berlin fuhr, begeistern alle Autofans. Eine Besonderheit sind die einst sehr gefragten belgischen Nobelmarken wie Minerva. Bemerkenswert ist die Halle von 1880 mit ihren verspielten Eisenträgern. | April-Sept. tgl. 10-18 Uhr, Okt.-März tgl. 10-17 Uhr | Eintritt 6 Euro | Parc du Cinquantenaire 11 | www.autoworld.be | Metro 1A/B: Mérode

Avenue de Tervuren

Trotz der Stadtautobahn, die in den 1960er-Jahren an die Stelle eines vornehmen Reitwegs trat, trotz zahlreicher seelenloser Zweckbauten bleibt dies die schönste Straße der Stadt. Die grandiose Avenue nimmt am Triumphbogen im Parc du Cinquantenaire ihren Anfang, dann schwingt sie sich ab dem Palais Stoclet zu den Weihern im Woluwé-Tal hinab, steigt zum Stadtwald wieder an und führt dann als kilometerlange Achse auf das Musée Royal de l'Afrique zu. Erste Adresse für Botschaftsresidenzen - in Nr. 452 hat die deutsche Botschaft ihren Sitz. | Metro 1B: Montgomery

Berlaymont

Sterne symbolisieren die Europäische Union. Deshalb ist der Grundriss des Berlaymont, in dem die Kommission residiert, sternförmig. Bei der Renovierung achteten die Brüsseler Architekten Steven Beckers und Pierre Lallemand auf weitere Parallelen: Das Gebäude ist transparent und umweltfreundlich. Lediglich Glaswände trennen es von der Straße, bewegliche Glaslamellen regeln Licht und Heizung in den Büros. Recyceltes Regenwasser spült die Toiletten, die verbrauchte Luft der Klimaanlage heizt die Tiefgarage. Die umweltfreundliche Architektur wurde 2000 preisgekrönt. | Rue de la Loi 200 | Metro 1A/B: Schuman

Jardin Jean-Félix Hap

Niemand stört Träumer, Poeten und Verliebte im romantischen Garten eines Bildhauers, in dem eine sprudelnde Quelle einen Teich speist. Vor einem Regenguss schützt ein romantischer Pavillon. | 15. April-15. Okt. Mo-Sa 10-12 und 14-18 Uhr | Chaussée de Wavre 512 | Bus 34: De Theux

Maison Cauchie

Nicht Hortas florale Linien, sondern Mackintoshs eckige Formen regten den Maler Paul Cauchie an. Er entwarf sein Haus selber. Die Sgraffiti, eine spezielle Freskentechnik, die einen Großteil der Fassade bedecken, zeigen engelhafte Wesen. | 1. Wochenende des Monats, Sa und So 11-13 und 14-18 Uhr | Eintritt 4 Euro | Rue des Francs 5 | Metro 1A/B: Mérode

Musée des Sciences Naturelles

Die größte Attraktion des Naturwissenschaftlichen Museums bleibt die Darstellung der Frühgeschichte, u. a. mit 125 Mio. Jahre alten, 10 m langen Dinosaurierskeletten. Modernste audiovisuelle Mittel und interaktive Computer führen hautnah in ihre Welt ein. Tolle Cafeteria und Shop. | Di-Fr 9.30-16.45 Uhr, Sa und So 10-18 Uhr | Eintritt 7 Euro | Rue Vautier 29 | www.sciencesnaturelles.be | Bus 80: Wayenberg

Musées Royaux d'Art et d'Histoire

Mit 140 Sälen ist das Museum für Kunst und Geschichte eines der größten und am üppigsten bestückten der Welt (wegen Personalmangel und Renovierungen sind allerdings manchmal Abteilungen ganz oder teilweise geschlossen!). Von der Frühzeit bis ins 20. Jh. stammen die archäologischen Fundstücke und Kunstwerke aus vier Kontinenten.

Höhepunkte: Die Antikensammlung (u. a. ein wunderschönes römisches Mosaik, ausgegraben im heutigen Syrien); die Sammlung präkolumbischer Kulturen (Azteken, Inkas und Mayas); die kostbaren, geschnitzten und verzierten belgischen Möbel aus Renaissance, Barock und Rokoko; die berühmten Brüsseler Tapisserien (u. a. nach Entwürfen von Rubens) und geschnitzten, bemalten Altäre; die Abteilung Jugendstil mit traumhaftem Silber (u.a. von Henry van de Velde) und faszinierender Keramik in den Mahagonivitrinen, die Victor Horta für das Juweliergeschäft Wolfers entwarf; die Sänften, Kutschen und Karossen (für die Brüssel einst ebenfalls berühmt war).

Die Cafeteria mit Terrasse bietet vorzügliche kleine Gerichte und einen herrlichen Blick auf den Parc du Cinquantenaire. Im Museumsshop können Sie raffinierte Souvenirs zu erschwinglichen Preisen erstehen. | Di-So 10-17 Uhr | Eintritt 6 Euro | Parc du Cinquantenaire 10 | www.mrah.be | Metro 1A/B: Schuman

Palais Stoclet

1905 wählte Baron Adolphe Stoclet den Wiener Joseph Hoffmann als Architekten. Dieser schuf in der Stadt des floralen Jugendstils ein Manifest der eckigen Wiener Secession. Die gesamte Außenseite ist in Marmor und Bronze gestaltet. Die monumentalen Mosaikfriese von Gustav Klimt im Speisesaal sind in vielen Kunstbüchern abgebildet. Der Bau, noch immer im Besitz der Familie Stoclet, ist nämlich nie zugänglich. Darüber tröstet ein Bummel über die prächtige, grüne Avenue de Tervuren leicht hinweg. | Av. de Tervuren 275 | Metro 1B: Montgomery

Parc du Cinquantenaire

Zur 50-Jahr-Feier des Königreichs Belgien ließ König Leopold II. diese großzügige grüne Lunge anlegen. Der imposante Triumphbogen mit seiner Quadriga und dem Kolonnaden-Halbrund dominiert den Park. In die ursprünglichen, neoklassizistischen Ausstellungshallen zogen später die Musées Royaux d'Art et d'Histoire, das Musée Royal de l'Armée und Autoworld. An der nordöstlichen Ecke: Brüssels erste und größte Moschee. Daneben der Pavillon der menschlichen Leidenschaften, das erste Werk von Victor Horta. Meistens nur durchs Schlüsselloch ist das monumentale, freizügige Marmorrelief (1897) von Jef Lambeaux zu erkennen (Pavillon des Passions Humaines | Di-So 14.30 bis 15.30 Uhr | Eintritt 2,50 Euro). Während EU-Beamte joggen, tummeln sich junge Leute rund um die Fontäne an der Südseite. | Metro 1A/B: Schuman, Mérode

Avenue Brugmann

Ein wahres Lexikon der Architektur stellt diese 4 km lange Achse mit schöner Aussicht und prächtigen Patrizierpalais dar. Erst steigt die Avenue Brugmann sanft an, dann fällt sie steiler wieder ab.

Zunächst herrscht stilistisch der Historismus vor: Neo-Gotik, Neo-Renaissance und Neo-Klassizismus (Nr. 48 war das Palais des Violinvirtuosen Eugène Ysaye). Doch bald tauchen herrliche Jugendstilhäuser auf: etwa Les Hiboux, nach den vielen Eulen im Giebel benannt (Nr. 53), das markante Hôtel Hannon an der Ecke zur Rue de la Jonction oder etwas weiter (Nr. 80) das Hôtel Dubois mit seinem enormen Salonfenster - ein Entwurf des Meisters Victor Horta. Hinter Haus Nr. 52 ist ein zauberhafter Garten von René Pechère zugänglich.

Hügelabwärts folgen dann Meisterwerke des Art déco (Maison Haerens, Nr. 384) und des von Henry van de Velde begründeten Modernismus (La Maison blanche, Nr. 421), phantasielose Bauten der 1960er-Jahre und schöne Beispiele für das neue Stilbewusstsein um 2000. | Tram 92: Ma Campagne

Hôtel Hannon

Eines der schönsten Jugendstilhäuser, mit wunderbaren Buntglasfenstern von Tiffany und Fresken im ovalen Treppenhaus, ist heute eine Fotogalerie. | Mi-Fr 11-18, Sa und So 13-18 Uhr | Eintritt 2,50 Euro | Av. de la Jonction 1 | www.contretype.org | Tram 92: Ma Campagne

La Loge

Die Freimaurer prägten Brüssel nachhaltig. Dieser ehemalige Tempel gewährt einen einmaligen Einblick in die progressive Loge Le Droit Humain. Zudem wechselnde Architekturausstellungen. | Di-So 12-18 Uhr | Eintritt 3 Euro | Rue de l'Ermitage 86 | www.aam.be | Tram 94: Bailli

Matongé

Im Dreieck zwischen Chaussée d'Ixelles, Chaussée de Wavre und Rue de la Paix spielt sich das Leben der Afrikaner ab, auch wenn die meisten nicht hier wohnen. Bunte Stoffe, exotische Früchte und Restaurants sowie heißer Sound locken aber längst nicht nur sie an. | Metro 2: Porte de Namur

Musée Horta

1898 baute sich Victor Horta, der berühmte Jugendstilarchitekt, sein eigenes Wohnhaus und Atelier. Er betrachtete es als Höhepunkt seines Schaffens. Überall fallen die flammenartig gekrümmten Linien auf. Typisch für Hortas Baukonzept ist das zentrale Treppenhaus, dem eine doppelte Glaskuppel mildes Licht spendet. Offen und organisch, mit kleinen Höhenunterschieden, zweigen davon die anderen Räume ab. Revolutionär ist die gegliederte Säule im Erdgeschoss, eigentlich ein Heizkörper. Gewagt sind die glänzenden weißen Kacheln im Speisezimmer. Subtil vermitteln im engen, letzten Stock Spiegel ein Gefühl der Weite. Bis zu den Türgriffen ist jedes Element gestylt und maßgearbeitet. So entstand, wie immer bei Horta, ein atemberaubendes Gesamtkunstwerk. | Di-So 14-17.30 Uhr | Eintritt 7 Euro | Rue Américaine 25 | www.hortamuseum.be | Tram 92: Janson

Place du Châtelain

Verträumt und provinziell wirkt der Platz mit seinen Linden. Doch nach Büroschluss nimmt die internationale beau monde in den trendigen Bars und Cafés ihren Aperitif. Andere trainieren ihren Körper im schicken Golden Club, bevor sie die Szenelokale in den Seitenstraßen bevölkern. Der Markt am Mittwochnachmittag ist ein regelrechter Laufsteg, um zu sehen und gesehen zu werden. | Tram 94: Bailli

Place Georges Brugmann

Eine hübsche Anlage, gesäumt von stattlichen Patrizierwohnungen der Belle Époque, Trendrestaurants, netten Caféterrassen - Dekor für Brüssels Bobos. Ihr neuester Intreff: Winery (Nr. 18), eine avantgardistisch gestylte Weinbar. Die Librairie Candide (Nr. 1) versorgt das kosmopolitische Publikum mit internationaler Presse. | Bus 60: Georges Brugmann

Porte de Hal

Wo sich heute die Autos über den kleinen Innenstadtring wälzen, stand früher die alte Stadtmauer. Die wichtigsten Zugangswege sicherten mächtige Pforten. Als einzige steht die Porte de Hal aus dem Jahr 1381 noch. Der trutzige Bau mit hufeisenförmigem Grundriss ähnelt einer Burg. Er vermittelt einen Eindruck von Macht und Reichtum Brüssels. | Av. de la Porte de Hal | Metro 2: Porte de Hal

Saint-Gilles

Seit jeher prägen Zuwanderer, die an der Gare du Midi ankommen, le bas Saint-Gilles, den tiefer liegenden Teil des Bezirks um den Parvis de Saint-Gilles, den Marktplatz. Alteingesessene, Anhänger des lokalen Fußballklubs, klönen in ihrem Stammcafé Brasserie de l'Union (Nr. 55). Ein Völkchen, das sich radikal schick gibt, belebt die Art-déco-Brasserie Verschueren (Nr. 11-13). Bei allem Leben und Treiben sollte man keinesfalls die Rue Vanderschrick verpassen: Die Nordseite besteht nur aus Jugendstilhäusern, die Krönung ist das Café La Porteuse d'Eau (an der Ecke Av. J. Volders). Das andere Gesicht deutet bereits das stattliche Rathaus an (im 1. Stock gibt es Deckengemälde des Symbolisten Fernand Khnopff zu sehen). Dahinter beginnt le haut Saint-Gilles, das von zahlreichen Jugendstilhäusern geprägt ist. Im Maison Pelgrims (Rue de Parme 69) mit seinem zauberhaften Terrassengarten finden regelmäßig Ausstellungen und Konzerte statt. Ein Treff für Bier- und Comicfans ist wegen der riesigen Auswahl Moeder Lambic (Rue de Savoie 88).

Im Mai findet in Saint-Gilles in Jahren mit gerader Zahl der interessante Parcours d'Artistes statt: Zwei Wochen lang gewähren rund 100 Künstler Einblick in ihr Schaffen - und öffnen ihre Ateliers. | Metro: Parvis de Saint-Gilles

Atomium

Rundum erneuert worden ist das Wahrzeichen der Weltausstellung 1958. Sogar bei Nieselregen glänzen die Kugeln, ein 165 Milliarden Mal vergrößertes Eisenkristall, dank einer Inoxstahlverkleidung. Nach Einbruch der Dunkelheit beeindruckt ein aufregendes Lichterspiel. Auch in den Kugeln und Röhren stammt das Lichtdesign vom deutschen Experten Ingo Maurer. In den Kugeln gibt es wechselnde Ausstellungen über die Fifties und zeitgenössische Kunst, in der obersten Kugel ein Restaurant mit belgischen Spezialitäten. Atemberaubender Panoramablick und stolze Preise. | Tgl. 10-18 Uhr | Eintritt 9 Euro | Bd. du Centenaire | www.atomium.be | Metro 1A: Heysel

Basilique Nationale du Sacré-Cœur

Ein neugotisches Pantheon für die Großen der Nation wünschte sich Leopold II. auf dem sanften Hügel im Stadtbezirk Koekelberg. Ein halbes Jahrhundert später war eine der größten Kirchen der Welt vollendet, im Art-déco-Stil. Aparter Innenraum, schöner Rundblick von der Kuppel. | Av. du Panthéon/Av. des Gloires Nationales | Metro 2: Simonis

Château de Laeken

Das 1781 erbaute Lustschlösschen im Grünen ließ Leopold II. ein Jahrhundert später zu einem echten Schloss erweitern. Noch heute residiert hier der König privat. Ende April/Anfang Mai sind die Gewächshäuser zugänglich. In dem traumhaften Komplex aus Eisen und Glas gedeihen exotische Pflanzen, die Königin Paola persönlich hegt. Am Rand der ausgedehnten Privatdomäne liegen der Chinesische Pavillon und der Japanische Turm, die Leopold II. seinerzeit importierte und mit Kostbarkeiten aus beiden Ländern füllte. An der Schnittstelle Av. du Parc Royal und Av. Jules van Praet: der monumentale Neptun-Brunnen des Renaissancemeisters Giambologna. | Av. du Parc Royal | Av. Van Praet 44 | Chinesischer Pavillon und Japanischer Turm Di-So 10 bis 16.30 Uhr | Eintritt 5 Euro | Tram 4: Araucaria

Cimetière du Dieweg

Verwunschen wie ein englischer Klostergarten. Zahlreiche Jugendstilgräber (u. a. das des Architekten Paul Hankar) und Grüfte der Bankiersdynastien des 19. Jhs. Zu den ausnahmsweise genehmigten Neubestattungen zählte Hergé, der Vater der Comic-Helden Tim und Struppi. | Tgl. 8-16 Uhr | Dieweg 95 | Tram 92: Dieweg

Maison d'Erasme

Wenige Monate verweilte der Humanist Erasmus von Rotterdam 1521 in diesem eleganten Renaissance-Palais. 34 philosophische Briefe verfasste er am Schreibpult in der Bibliothek, im prunkvollen Weißen Saal gab er Empfänge. Alles ist wie seinerzeit geblieben. Neben kostbaren Möbeln sind wertvolle Porträts von Dürer und Holbein zu sehen. Der winzige Museums-Beginenhof nebenan, wo einst Laienschwestern karitativ tätig waren, und der ruhige Garten verstärken den Eindruck, in einer anderen Welt zu verweilen. | Di bis So 10-17 Uhr | Eintritt 1,25 Euro | Rue du Chapitre 31 | www.erasmushouse.museum | Metro 1B: Saint-Guidon

Maison Magritte

Der Maler der verborgenen Wünsche, skurrilen Phantasien, rätselhaften Landschaften: Er arbeitete in den besten Jahren (1930-54) im Wohnzimmer einer bescheidenen Wohnung in einem kleinbürgerlichen Viertel. Originalgetreu restauriert und eingerichtet. Im ersten und zweiten Stock des Domizils Fotos, Andenken und einige bescheidenere Werke. | Mi-So 10-18 Uhr | Eintritt 7 Euro | Rue Esseghem 135 | www.magrittemuseum.be | Metro 1A: Bockstael

Musée David et Alice van Buuren

Der steinreiche Finanzwissenschaftler und Bankier David van Buuren und seine musisch begabte Frau Alice ließen sich 1928 diese Art-déco-Villa im Viertel Uccle bauen. Die besten belgischen und französischen Werkstätten fertigten Möbel und Buntglasfenster. Noch sehenswerter ist die Kunstsammlung der Mäzene, mit Meisterwerken von Pieter Bruegel d. Ä., Hercules Seghers, James Ensor, Max Ernst sowie belgischen Impressionisten und Expressionisten. Alles steht und hängt noch genauso wie zu Lebzeiten der van Buurens.

Zum Träumen lädt der große Garten mit Wasserlauf ein. Für ihn hat der berühmte Landschafts- und Gartenarchitekt René Pechère (1908 bis 2002) ein romantisches Herz und ein neckisches Labyrinth geschaffen. | Mi-Mo 14-17.30 Uhr | Eintritt 10 Euro (Museum und Garten), 5 Euro (nur Garten) | Av. Léo Errera 41 | www.museumvanbuuren.com | Tram 4: Marianne

Musée de La Gueuze

Brauereien beherrschten einst Brüssels Stadtbild. Ein kleines Familienunternehmen hatte die ausgezeichnete Idee, die Kunst der gueuze-Herstellung zu dokumentieren - im Spätherbst und Winter gar mit Einblicken in die Produktion. | Mo-Fr 9 bis 17 Uhr, Sa 10-17 Uhr | Eintritt 4 Euro | Rue Gheude 56 | www.cantillon.be | Metro 2: Clémenceau

Musée Royal de l'Afrique centrale

Der Bau im eleganten Vorort Tervueren ähnelt Schloss Sanssouci. König Leopold II. ließ ihn zu Beginn des 20. Jhs. errichten, um sich und seinen Kongo zu verherrlichen. Bis zum Ende der Kolonialzeit, 1960, bauten Wissenschaftler, Missionare und Mäzene eine gigantische Sammlung auf. Heute wird sie um Exponate aus den anderen Gebieten Afrikas ergänzt. Das Herzstück der Sammlung sind Tausende hinreißender Masken und Plastiken. Ein Spezialitätenrestaurant, ein Shop mit afrikanischen Kunstwerken und der weitläufige Park machen den Besuch zum Erlebnis. | Di-Fr 10-17 Uhr, Sa-So 10-18 Uhr | Eintritt 4 Euro | Leuvensesteenweg 13 | Tervueren | www.africamuseum.be | Tram: 44 (Endstation)

Saints-Pierre-Et-Guidon

Nur wenige kennen die alte gotische Kirche am früheren Markt der Pferdehändler. Ihre Krypta ruht auf den Säulen einer römischen Villa, der ursprüngliche Grabstein von Sankt Guido stammt aus einem keltischen Heiligtum. Später gelangte der Schutzpatron der Pferdehändler und Kutscher in eine Renaissancekapelle, letztlich noch in einen neogotischen Schrein. Saints-Pierre-et-Guidon war lange Zeit eine Station der Pilger auf dem Weg nach Santiago di Compostela. Das Kapitel brachte gar einen Papst hervor, Hadrian VI. Bemerkenswert sind die Fresken des Rubens-Schülers Gaspar de Craeyer. | Place de la Vaillance | Metro 1B: Saint-Guidon

Wiels

Eine hinreißend schöne Brauerei, stilistisch zwischen Art déco und Bauhaus, wurde aufwendig zur Kunsthalle umfunktioniert. Sie bringt in lichtdurchfluteten Sälen internationale Avantgardeausstellungen. Nettes Café im alten Brausaal, Multikulti-Atmosphäre. | Mi-Sa 12-19 Uhr, So 11-17 Uhr | Eintritt 5 Euro | Avenue Van Volxem 354 | www.wiels.org | Tram 32, 97: Wielemans