Reisetipps Brüssel

Ausflüge & Touren Brüssel

Canal du Centre

Den Kanal, eine faszinierende Hochleistung belgischer Ingenieure (45-60 km von Brüssel), erreicht man über die Autobahn E19 (A7) Richtung Mons/Paris, Ausfahrt 19 Arquennes (nach Nivelles Sud). Folgen Sie in Arquennes dem Schild Ronquières. Am Kanal mit seiner bemerkenswerten Flora und Fauna kann man picknicken - bitte Tüte für Abfälle nicht vergessen. Je nach Wetter und Laune können Sie einen Halbtages- oder einen Tagesausflug unternehmen.

Bereits von weitem grüßt der 125 m hohe Betonturm von Ronquières. Bei schönem Wetter bietet sich von oben ein herrliches Panorama. Der Turm krönt ein Meisterwerk belgischer Ingenieure: die Schiefe Ebene, eingeweiht 1968. Statt in einer herkömmlichen Schleuse überwinden die Lastkähne in zwei Wasserbecken, die auf einer langen schiefen Ebene rollen, einen Höhenunterschied von 68 m. Es werden einstündige Bootsfahrten bis nach Ittre und zurück angeboten.

Wieder zurück bis zur Autobahn E 19, Richtung Mons/Paris, Ausfahrt 21, weiter Richtung Strépy-Bracquegnies (Ausschilderung Asc. n° 3 Salle des machines). 1888 wurde dieses dritte von insgesamt vier Schiffshebewerken gebaut, die 73 m Höhenunterschied überbrücken. Nur mithilfe der Wasserkraft heben und senken sich die Becken mit den Schiffen. Die wunderschönen Eisenkonstruktionen zählen seit dem Jahr 2000 zum Unesco-Welterbe. Sehenswert ist in Bracquegnies überdies der Maschinenraum mit seinen hohen Backsteintürmen. Auch hier werden Bootsausflüge angeboten.

Zwei Kilometer weiter ragt über dem vierten alten Hebewerk Belgiens neuestes Technikwunder auf. Das Schiffshebewerk von Strépy-Thieu hebt und senkt die Lastkähne in zwei Kabelaufzügen. Zu dieser 110 m hohen Betonkathedrale führt eine spektakuläre Kanalbrücke.

Das Besucherzentrum bietet nicht nur Erläuterungen, sondern auch Einblick in den riesigen Maschinenraum, eine herrliche Aussicht und eine Cafeteria.

Ronquières: Ende März-Ende Okt. tgl. 10-19 Uhr | Eintritt 7 Euro, mit Bootsfahrt 8,50 Euro | www.ronquieres.be

Strépy-Bracquegnies: Mai-Juni und Sept.-Okt. nur So, Juli-Aug. tgl. 10-17 Uhr | Eintritt und Bootsfahrt 16,50 Euro; Strépy-Thieu: Feb.-Nov. tgl. 9.30-18.30 Uhr | Eintritt 9 Euro. | Auskünfte: Tel. 065360464 | Fax 065335732 | www.hainauttourisme.be

Der grüne Süden

Die 100 km lange Tour führt in den immensen Forêt de Soignes, aufs Schlachtfeld von Waterloo, zu einer der schönsten Kirchen und einem Traumschloss Belgiens. Die Tour kann leicht unterbrochen werden - alle Wege führen zurück nach Brüssel. Empfehlenswert sind Detailkarten (erhältlich beim Institut géographique national, 5 Abbaye de la Cambre, 1050 Brüssel, Tel. 026298282, www.ngi.be).

Die Chaussée de Waterloo, die an der Porte de Hal beginnt, bringt Sie in herrliche Natur und zu großen Kulturdenkmälern. An der Ampel bei Hausnummer 1032 links in die Chaussée de la Hulpe einbiegen, an der zweiten Ampel rechts in die Drève de Lorraine. Hier beginnt der 50 km² weite Forêt de Soignes mit seinen majestätischen Bäumen, abenteuerlichen Tälern, beschaulichen Weihern und geruhsamen Picknickplätzen. Spazier-, Radfahr- und Reitwege durchziehen ihn. Fahrradvermietung: La Maison des Cyclistes | März-Okt. tgl. 10-18, Nov.-Feb. Mo-Fr 10-17 Uhr | 13 Euro am Tag | Rue de Londres 15 | Tel. 025027355 | www.provelo.be; Mieten von Pferden: Centre équestre de La Cambre | Di-So 12-20 Uhr | 13 Euro pro Stunde | Chaussée de Waterloo 872 | Tel. 023753408

Von der Drève de Lorraine zweigt die Drève du Harras ab (Ausschilderung Hoeilaert/Ring). Hier meditierte einst der herausragende Mystiker Ruusbroec. An der Kreuzung mit dem Ring geradeaus Richtung Genval. Links von der Chaussée de Bruxelles liegen fürstliche Anwesen. Auf Clairecolline lebte 1912-18 der deutsche Dramatiker Carl Sternheim. Rechts lockt bald die weitläufige, gepflegte Domaine Solvay. Im strahlend weißen Gutshof ist die Fondation Folon untergebracht. In die verspielte Welt des 1934 geborenen belgischen Künstlers Jean-Michel Folon führen Hunderte von Grafiken, Zeitschriftencover, Poster, Plastiken und Assemblagen in edlen Holzvitrinen, das nachgebaute Atelier und Videoaufzeichnungen. Gut sortierter Shop, nettes Café-Restaurant mit schöner Terrasse. Ferme du Château de La Hulpe | Di-So 10-18 Uhr | Eintritt 7,50 Euro | www.fondationfolon.be

Im Ort La Hulpe biegen Sie an der Ampel rechts nach Waterloo ab (N253) und nehmen dort die N5 nach Charleroi. Rechts erhebt sich die grandiose D'Butte du Lion, ein künstlicher Hügel, auf dem der Löwe von Brabant (bzw. Oranien) vom Sieg der Alliierten über Napoleon 1815 kündet. Das alte Panorama, ein monumentales, kreisrundes Fresko, und ein neuer Film im Besucherzentrum bringen Ihnen das Schlachtengetümmel nahe.

Spazier- und Fahrradwege führen zu kleineren Gedenkstätten. Detailaspekte beleuchten an der N5 das Musée Wellington (April-Sept. tgl. 9.30 bis 18.30 Uhr, Okt.-März tgl. 10.30-17 Uhr | Eintritt 5 Euro) und Napoleons letztes Hauptquartier, die Ferme du Caillou (April-Okt. tgl. 10-18.30 Uhr, Nov.-März tgl. 13-17 Uhr | Eintritt 2 Euro). Besucherzentrum: Centre du visiteur | Route du Lion 315 | April bis Okt. tgl. 9.30-18.30 Uhr, Nov. bis März tgl. 10-17 Uhr | 8,70 Euro | www.culturespaces.com. Beim Besuch aller Gedenkstätten empfiehlt sich der Pass für 12 Euro.

Über die N5 und die N25 gelangen Sie nach Nivelles. Mitten im Städtchen ragt die Stiftskirche Sainte-Gertrude auf, eines der seltenen belgischen Gotteshäuser im rein romanischen Stil. Der mächtige Bau wurde im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört und mit deutscher Hilfe wiederaufgebaut. Grand' Place | tgl. 9-17 Uhr | Eintritt frei | tgl. 14 Uhr Führung | 5 Euro

Die schnurgerade N27 führt dann nach Seneffe. Am Ortsrand liegt das traumhafte Schloss. In dem piekfein restaurierten, klassizistischen Prachtbau ist eine kostbare Silbersammlung zu bewundern. Die Orangerie im gepflegten Schlosspark lockt regelmäßig mit hochkarätigen Kunstausstellungen, das prächtige Petit Théâtre mit Kammerkonzerten und Theateraufführungen. Der weitläufige Park wurde zum Teil von dem berühmten Gartenarchitekten René Pechère neu gestaltet. Di-So 10-18 Uhr | Eintritt 5 Euro | www.chateaudeseneffe.be

Am schnellsten zurück nach Brüssel führt Sie die Autobahn E19.

Namur

Von allen Brüsseler Bahnhöfen (Midi, Central, Nord, Schuman, Luxembourg) fährt jede halbe Stunde ein Zug nach Namur, die schmucke, reiche Hauptstadt Walloniens (40-60 Minuten). Mit dem Auto sind es 65 km: Autobahn E411 Richtung Namur/Luxembourg, Ausfahrt 14. In Namur gibt es gute Parkmöglichkeiten am Bahnhof (Gare) und in der Tiefgarage unter der Place d'Armes (ausgeschildert Centre).

Trotz guter Verkehrsanbindungen bleibt die Hauptstadt der Region Wallonien weitgehend unbekannt. Dabei bietet sie Kunstschätze von Weltklasse. In die reiche Geschichte führt das Musée Archéologique ein (Rue du Pont 1). Am Ende der Rue du Pont zweigt rechts die Rue Julie Billiart ab. Hinter der schlichten Backsteinfassade von Haus Nr. 17, dem Kloster der Sœurs de Notre-Dame, verbirgt sich der Schatz von Hugo von Oignies. Der Besucher klingelt, wird von einer betagten Nonne abgeholt und steht plötzlich in einem winzigen Raum mit ein paar schmucklosen Vitrinen. Doch darin glänzen und schimmern die Höhepunkte der europäischen Silberschmiedekunst des 13. Jhs. Die vergoldeten Messkelche und Bibeleinbände, Reliquienbehälter und Prozessionskreuze mit ganz lebendigen Darstellungen von Gott, Christus, Heiligen kündigen bereits die Renaissance an.

Ein kurzer Spaziergang durch die pittoreske Rue des Brasseurs (Nr. 2 das Restaurant Le Temps des Cerises mit deftigen regionalen Spezialitäten) führt zur Rue Fumal. Im stattlichen Palais Nr. 12 ehrt Namur den Künstler Félicien Rops. Der 1833 hier geborene Patriziersohn malte zunächst romantische Ansichten der Maas. Doch dann taten es ihm die Brüsseler Kokotten und die Femmes fatales von Paris an, die Hexensabbate und Schwarzen Orgien. Er wurde zum Illustrator und Freund von Charles Baudelaire und vielen anderen Symbolisten. Das Musée Rops führt glänzend in diese dekadente Welt ein (Juli/Aug. tgl. 10-18 Uhr, Sept.-Juni Di-So 10-18 Uhr | Eintritt 3 Euro | www.ciger.be/rops).

In der Parallelstraße Rue J. Saintraint Nr. 3 locken andere Genüsse: das Hôtel de Groesbeeck-de Croix mit seinem verschwenderischen Rokoko-Interieur. Licht durchflutet die lange Halle mit Blick auf das Wasserbecken im Garten. Rechts und links folgen Salons mit schönstem Stuck und Marmorkaminen. Tapisserien und wunderbar geschnitzte Möbel, Skulpturen und Kristall vermitteln einen Eindruck vom Können der Kunsthandwerker des Namurois. Raritäten sind die Blumengemälde von Pierre-Joseph Redouté.

Die Rue J. Saintraint mündet in die Place Saint-Aubain. Im stattlichen Bürgerhaus Nr. 3 lädt die Brasserie Henry, ein Traditionslokal, zu einer Stärkung ein. Danach fällt die Schönheit der Cathédrale Saint-Aubain erst recht auf. Der Mailänder Architekt Pizzoni errichtete sie 1751-63 in einem Stil zwischen Barock und Klassizismus an der Stelle einer altmodisch gewordenen gotischen Kirche. Nur der Glockenturm blieb übrig. Bemerkenswert sind die Holzplastiken an den Säulen, die die Licht spendende Kuppel tragen, sowie mehrere Gemälde von Schülern Rubens' und Van Dycks.

Von der Kathedrale führt die Rue du Collège zur barocken Saint-Loup, einer schönen, typischen Jesuitenkirche. Die Pater gründeten im 17. Jh. auch die Universität Notre-Dame de Namur, die heute noch Leben in die Provinzstadt bringt. Etwas weiter laden die Cafés um den Marché aux Légumes und die Place de l'Ange zu einer Verschnaufpause ein. Aus kleinen örtlichen Brauereien kommt köstliches Bier wie Blanche de Namur. Doch wartet noch eine Entdeckung, das Kunstgewerbemuseum Musée des Arts anciens du Namurois (Rue du Fer 24). In dem herrschaftlichen Palais mit seinem geruhsamen Garten locken großartige geschnitzte Altäre, reich getriebenes Silber, Meisterwerke des Malers Henri Bles. Zum Verschnaufen empfiehlt sich ein Spaziergang an den Flussufern oder auf die Zitadelle. Fremdenverkehrsamt: Square de l'Europe Unie 3 | Tel. 081/222859 | Öffnungszeiten Museen: Di-So 10-12 und 14-16 Uhr | Eintritt je 3 Euro | www.namur.be