Reisetipps Brasilien

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Amazonas

Mit 6800 km ist der Amazonas neuesten Messungen zufolge der längste Fluss der Welt. Bevor der Fluss aber überhaupt den Namen Amazonas trägt, hat er schon über die Hälfte seines Weges aus den peruanischen Anden zurückgelegt. Das größte Frischwasserreservoir des blauen Planeten wird aus über 1100 Zuflüssen gespeist, 17 davon sind über 1600 km lang. Eine Wassertiefe von über 60 m ermöglicht es selbst Ozeanriesen, 3720 km flussaufwärts zu fahren, um dort Iquitos, den „Atlantikhafen“ Perus, anzusteuern. An seiner engsten Stelle in Óbidos ist der Fluss noch immer 2 km breit; an seiner Atlantikmündung öffnet sich ein 330 km breites Delta. Das Amazonasbecken beherbergt das größte Regenwaldgebiet der Welt, in dem ein Drittel aller bekannten Pflanzen- und Tierarten zu Hause ist. Ende des 19. Jhs. brachte Kautschuk, den man zur Herstellung von Gummi brauchte, unermesslichen Reichtum ins Amazonasgebiet.

Bevölkerung

Brasilien hat eine wild durchmischte Bevölkerung. 5-6 Mio. Indianer sollen im Gebiet des heutigen Brasilien gelebt haben, als die Portugiesen das Papageienland in Besitz nahmen. In der Folgezeit wurden rund 5 Mio. afrikanische Sklaven ins Land gebracht. Die europäischen Einwanderer stammten aus Portugal, Italien, Spanien und Deutschland. Dazu kamen die japanischen Immigranten. So wundert es nicht, dass die Brasilianer 143 Bezeichnungen für die Selbsteinschätzung ihrer Hautfarbe bei der Volkszählung fanden. Die trockene Statistik fasst zusammen: 53 Prozent weiße, 39 Prozent farbige, 6 Prozent schwarze Brasilianer, 0,5 Prozent sind asiatischer und 0,4 Prozent indianischer Abstammung. Die über 200 Indianerstämme leben weit verstreut und sprechen verschiedene Sprachen.

Candomblé

Die afrikanischen Sklaven brachten ihren Glauben mit in die Neue Welt. Als Candomblé bezeichnet man die religiösen Praktiken zu Ehren der afrikanischen Götter, die je nach ihrer Herkunft Orixás oder Voduns (bei den Yoruba und Jeje aus Westafrika) und Inquices (bei den Bantu aus Angola) genannt werden. Die Sklaven wurden von den Kolonialherren zwangsgetauft. Das verhinderte nicht, dass sie weiter ihren Göttern huldigten, im Notfall „versteckt“ hinter dem Bild eines katholischen Heiligen. So entstand der Synkretismus, wie man die Vermischung verschiedener Religionen nennt. Als Umbanda bezeichnet man die Vermischung afrikanischer Götter mit katholischen Heiligen und dem Spiritismus - verbreitet in Rio de Janeiro und im Süden. Wer von Macumba spricht, meint meist schwarze Magie.

Capoeira

Kampf und Tanz, Gesang und Percussion, Improvisation und Akrobatik vereinen sich in der Capoeira, ursprünglich eine Kampftechnik, mit der die Sklaven unter dem Deckmantel von Musik und Tanz ihren Körper stählten. Bei einem Capoeira-Spiel stehen zwei Kontrahenten innerhalb eines Kreises und versuchen, ihr Gegenüber mit schwingenden Schritten, Tritten und Schlägen, echten und angedeuteten, zu dominieren. Das Geschehen in der roda, dem Kreis, wird bestimmt vom berimbau, dem mit einer Metallsaite gespannten Musikbogen mit der Kalebasse. Zum Capoeira-Orchester gehören außerdem die atabaque genannte Fasstrommel und das Schellentamburin. Die Umstehenden singen Lieder und klatschen in die Hände.

Favelas

Favelas heißen die planlos wachsenden, illegalen Wohnviertel der armen Brasilianer in den Städten. Aus dem Canudos-Krieg (1897) im Nordosten nach Rio de Janeiro zurückgekehrte Soldaten siedelten sich auf einem Hügel in der Nähe des Zentrums an, der als Morro da Favela bekannt wurde. Die meisten Favelas in Rio de Janeiro liegen bis heute an den Berghängen, in anderen Städten breiten sie sich in der Ebene aus. Eines der größten Probleme ist, dass Drogenhändler in den unübersichtlichen Wohngebieten ihre Imperien eingerichtet haben. Das Fehlen von Infrastruktur und von sozialem Engagement des Staates führte zum Entstehen einer Art Parallelmacht.

Fußball

Als die Engländer das Spiel mit nach Brasilien brachten, war es nur den weißen Eliten vorbehalten. Heute ist Fußball neben dem Karneval die größte Leidenschaft aller Brasilianer. Pelé und Garrincha, Ronaldinho und Kaká - die Brasilianer sind Ballartisten, bekannt für Kreativität, Eleganz und Schlitzohrigkeit im Spiel. Jede WM ist ein Ereignis, das das ganze Land in Aufregung versetzt. Fünfmal wurde die seleção (die Auswahl) bisher Weltmeister. Der Export brasilianischer Fußballtalente boomt, auch in der deutschen Bundesliga spielen inzwischen viele Brasilianer. Dass die Frauen mindestens genauso gut spielen, haben sie bewiesen: 2007 holten sie die Goldmedaille bei den Panamerikanischen Spielen und wurden im selben Jahr in China Vizeweltmeisterinnen.

Gold & Barock

Zu Beginn des 18. Jhs. wurde im Bergland von Minas Gerais Gold gefunden. Innerhalb weniger Jahre stieg Vila Rica (Ouro Preto) zur größten und reichsten Stadt Amerikas auf. Mit dem Gold wurden Kirchen und Paläste gebaut, in denen sich portugiesische Traditionen mit brasilianischem Talent vermischten. Aleijadinho, das „Krüppelchen“, wurde der geniale Künstler genannt, dessen Skulpturen, Reliefs und Kirchen zum Schönsten des brasilianischen Barock gehören. Antônio Francisco Lisboa wurde 1738 als Sohn einer Sklavin und eines portugiesischen Baumeisters geboren. Als seine Gliedmaßen durch eine Krankheit, vermutlich Lepra, verstümmelten, ließ er sich seine Werkzeuge an die Arme binden, um weiter arbeiten zu können. Ähnlich arm und besessen durchwühlen bis heute Tausende von Goldgräbern die Erde und Flüsse Brasiliens, hauptsächlich im Amazonasgebiet.

Karneval

Brasilien ist das Land des Karnevals. Die Portugiesen brachten das entrudo (Fasching) mit in die Neue Welt, daraus wurde in den Tropen durch den Einfluss der Sklaven und ihrer Nachfahren der farbenprächtigste Karneval der Welt. Ob bei der Parade der Sambaschulen in Rio de Janeiro oder im Straßenkarneval von Salvador oder Recife - die Zurschaustellung der sprichwörtlichen brasilianischen Lebensfreude ist ein einmaliges Erlebnis.

Politik

Brasilien ist eine Demokratie mit frei gewählten Volksvertretern. Mit Präsident Lula steht seit Januar 2003 ein Arbeiterpräsident an der Spitze des Landes, mit dem auch das Establishment zurechtkommt. Die vielen Korruptionsskandale der Politiker schaden ihrem Ansehen, aber im Land des Ausgleichs und Konsenses hatten sie bisher nur wenig konkrete Konsequenzen.

Rassismus

Obwohl die brasilianische Bevölkerung eine wilde Mischung von Menschen unterschiedlichster ethnischer Herkunft ist, gibt es Rassendiskriminierung. Das wollten die Brasilianer lange selbst nicht wahrhaben, aber die statistischen Daten belegen die großen sozialen Diskrepanzen zwischen Brasilianern heller und dunkler Hautfarbe. Das vorherrschende Schönheitsideal ist ein nordeuropäisches Erscheinungsbild. Inzwischen ist das (Selbst-)Bewusstsein der Afrobrasilianer gewachsen. Rassismus wird strafrechtlich verfolgt, und an einigen Universitäten gibt es Quotenregelungen.

Religion

Bei aller Lockerheit der Brasilianer: Religion spielt im täglichen Leben eine wichtige Rolle. Bis heute ist Brasilien die größte katholische Nation der Welt, deren Bischöfe selbstbewusst auftreten. Aber der katholischen Kirche laufen die Gläubigen in Scharen davon, am häufigsten zu einer der modernen Pfingstkirchen, wo das Seelenheil vor allem gegen finanzielle Beteiligungen zu haben ist. Die Vermischung der religiösen Traditionen, insbesondere der afrikanischen mit den katholischen, ist seit Jahrhunderten typisch für Brasilien. Es ist nicht ungewöhnlich, mehrfach den Glauben zu wechseln.

Samba

Die afrikanischen Sklaven brachten ihre sinnlichen Tänze zum Rhythmus der Trommeln mit. Daraus wurde der Samba in seinen vielfältigen Formen. Ob als rauer Samba-de-Roda, bombastischer Samba-de-Enredo der Sambaschulen, im Hintergrund zarter MPB (Música Popular Brasileira) oder eleganter Bossa Nova, der Fusion von Jazz und Samba - Brasiliens Seele liegt in den Sambarhythmen.

Soziale Lage

Die sozialen Gegensätze in Brasilien sind eklatant. Das Land weist noch immer eine der größten Einkommenskonzentrationen weltweit auf. Die reichsten 20 Prozent der Bevölkerung verfügen über fast zwei Drittel des gesellschaftlichen Einkommens, während dem ärmsten Fünftel nur 2,5 Prozent davon zur Verfügung stehen. Unter dem Präsidenten Lula werden mit dem „Bolsa-Família“-Programm Transferzahlungen an die Armen geleistet, die zu kurzfristigen Verbesserungen beitragen, aber keine echten strukturellen Veränderungen bewirken.

Wirtschaft

Brasilien verkauft Flugzeuge und Trucks, produziert Erdöl und Biotreibstoffe, exportiert Soja und Orangensaftkonzentrat. Der wirtschaftliche Reichtum konzentriert sich in den Städten des Südostens und des Südens. Der riesige Binnenmarkt ist auch für ausländisches Kapital interessant. São Paulo z.B. gilt als größte „deutsche“ Industriemetropole. Wirtschaftlich interessant wurde Brasilien erst, als es den portugiesischen Besatzern gelang, Zuckerrohr anzubauen. Für die harte Arbeit auf den Zuckerrohrfeldern wurden Afrikaner als Sklaven verschleppt, die später auch im Bergbau, auf den Kaffee- und Kakaoplantagen eingesetzt wurden. Zwei Jahrhunderte lang blieb Brasilien der größte Zuckerproduzent der Welt; bis heute ist das Land weltweit der größte Kaffeeproduzent. Zu Beginn des dritten Jahrtausends steht Zucker erneut im Mittelpunkt des internationalen wirtschaftlichen Interesses: zur Produktion von Bioethanol, der als kostengünstiger und ökologisch unproblematischer Treibstoff gilt.