Reisetipps Bodensee

Stichworte Bodensee

Dialekt

Für Zugereiste herrscht am See eine geradezu babylonische Sprachverwirrung: Die Badener reden Alemannisch, die Württemberger Schwäbisch, am österreichischen Seeufer spricht man anders gefärbt als in Wien oder Salzburg, und in der Schweiz spricht man eben Schwyzerdütsch, das wohlgemerkt hier ganz anders klingt als in Basel oder Bern.

Wenn in Konstanz jemand zum Abschied „Adele“ sagt, meint er nicht den Vornamen, sondern den badischen Diminutiv: Der hängt gerne ein „le“ an die Wörter, was nicht immer mit der tatsächlichen Größe des bezeichneten Objekts übereinstimmen muss. So kann ein „Hundele“ durchaus eine Dogge sein. Wenn der Schwabe ihnen erzählt, er habe sich den Fuß gebrochen, kann dies auch der Oberschenkelhals sein. Denn der schwäbische Fuß reicht von der großen Zehe bis ans Gesäß.

Ein freundliches „Grüezi“ mag in der Schweiz gerade noch angehen, wer es aber nur stockend über die Lippen bringt, sollte lieber beim „Guten Tag“ bleiben. Wenn der Schweizer einen „Most“ bestellt, bekommt er einen Apfelsaft. Wenn er dagegen einen vergorenen Apfelmost haben möchte, bestellt er sich einen „Saft“. Sprachverwirrung eben.

Erlebniskarte

Mit der Bodensee-Erlebniskarte stehen einem die Türen von über 170 Attraktionen und Sehenswürdigkeiten am See offen - ohne dafür noch einmal zu zahlen. Die Karte ist eine der besten und erfolgreichsten Tourismusideen der vergangenen Jahre. Denn bei den z. T. hohen Eintrittspreisen hat sie sich bereits nach ein paar Ausflügen gerechnet.

Die Erlebniskarte gibt es in drei Ausführungen: für Landratten ohne Schifffahrt, für Seebären inklusive der Weißen Flotte und für Sparfüchse, bei der allerdings einige große Attraktionen nur einen Preisabschlag von 30 Prozent einräumen. Der Haken: Die Insel Mainau als Topziel macht nicht mit und gewährt nur bei der Sparfuchsversion den üblichen Abschlag. Grund für das komplizierte System sind Streitigkeiten der Tourismusbetriebe. Die Karte für Landratten kostet für 3, 7 oder 14 Tage: 39, 49 und 59 Euro, die Seebärenversion 68, 89 und 121 Euro und für die Sparfuchsvariante für 7 Tage 71 Euro. Erhältlich ist sie bei den Touristinformationen und bei vielen Attraktionen vor Ort.

Fasnacht

Für alle, die die schwäbisch-alemannische Fasnacht nicht kennen, das Wichtigste zuerst: auf keinen Fall nach dem „Fasching“ oder gar „Karneval“ fragen! Die fünfte Jahreszeit heißt hier Fasnacht, Fastnacht, Fasnet oder auch Faßnacht und unterscheidet sich, zumindest nach Auffassung der Beteiligten, grundlegend vom rheinischen Karneval. Hochburg ist Konstanz. Es kommt aufs Mitmachen an. In närrisch geschmückten Lokalen, zu Wirtschaften umfunktionierten Garagen oder einfach auf der Straße: Narren überall. Ob beim Bäcker um die Ecke oder in der Bank: Sie werden am Schmutzigen Dunnschtig (der wichtigste Tag der Fasnacht, Donnerstag vor Rosenmontag) von einem „Hästräger“, also einem Kostümierten, bedient. Die Geschäfte schließen spätestens am Nachmittag, damit jeder mitfeiern kann. Auch am Rosenmontag und am Fasnachtsdienstag ist nicht sicher, dass alles seinen gewohnten Gang geht. Jede Stadt hat ihre eigenen Narrenzünfte mit unterschiedlichen Verkleidungen, teilweise Furcht erregende Gesellen mit geschnitzten Holzmasken. Ansonsten verkleidet sich hier jeder, wie er will.

Ein besonderes Spektakel sind die Hemdglonkerumzüge: Durch die mit Bändern geschmückten Gassen der Konstanzer Altstadt zieht am Abend eine in Nachthemden und Schlafhauben gewandete Schülerschar, die mit Topfdeckeln oder Rätschen ein Höllenspektakel veranstaltet. Schüler tragen Transparente, auf denen die Lehrer verulkt werden. Fanfarenzüge spielen. Überregionale Aufmerksamkeit genießt das Stockacher Narrengericht, vor das jedes Jahr die Politprominenz geladen wird. Ermatingen ist für seine Groppenfasnacht bekannt, in deren Mittelpunkt die Groppe steht, ein häufiger Fisch im See. Hier wird drei Wochen vor Ostern gefeiert, wenn andernorts längst Fastenzeit ist. Das Ereignis geht angeblich auf die Zeit des Konstanzer Konzils zurück: Johannes, einer der drei Päpste im Machtkampf, floh verkleidet nach Ermatingen, wo er mit Groppen verpflegt wurde. Als Dank erhielten die Ermatinger diesen Spezialfeiertag.

Fische

Rund 170 Fischer leben am Bodensee vom Fang der Flossentiere und versorgen die lokalen Märkte und Restaurants mit Delikatessen. Die Hauptfangzeit liegt zwischen Januar und Oktober. Damit der Bedarf gedeckt werden kann, muss der Natur ein wenig auf die Sprünge geholfen werden: Was schließlich schmackhaft zubereitet auf dem Teller landet, hat seinen Lebensweg meist als Retortenbaby begonnen. Die Fischer sorgen beim Fang für die künstliche Befruchtung und liefern den Laich in einer der sieben Fischbrutanstalten ab. Hier wird er ausgebrütet und die kleinen Fischlein so lange aufgepäppelt, bis sie zum weiteren Heranwachsen in den See entlassen werden können: Felchen, Hecht, Saibling und Forelle werden so gezüchtet.

Grenzen

Wem gehört der Bodensee? Den Anrainerstaaten, das ist klar. Doch wo genau die Staatsgrenzen verlaufen, ist bis heute ungeklärt. Deutschland, Österreich und die Schweiz sind sich nicht einig, ob der See internationales Gewässer ist oder ob die Grenze in der Seemitte verläuft, womit das Recht des jeweiligen Staates bis genau zu dieser Linie gelten würde. Die Österreicher haben zur bestehenden Verwirrung noch eine dritte Theorie beigesteuert, die besagt, dass der See bis zum Ende der jeweiligen Flachwasserzone zum entsprechenden Uferstaat gehört, die tiefe Seemitte jedoch allen gemeinsam. Trotz ungeklärter Rechtsverhältnisse lebt man am Bodensee mit dem Durcheinander problemlos. Nachdem die Schifffahrt sich erfolgreich dagegen gewehrt hat, auf die Gewinne aus der Bewirtung auf dem See Mehrwertsteuer zu bezahlen, ist das größte Problem sowieso gelöst. Denn wie käme man dazu, jemandem Steuern zu zahlen, dem der See gar nicht gehört. Noch dazu, wo Verträge aus dem 19. Jh. Steuerfreiheit zusichern.

Hochschule

Wer sich nicht nur für die touristischen Reize der Region interessiert, sollte die Universität Konstanz besuchen. Über dem See gelegen, ist der Ende der 60er-Jahre errichtete Campus Beispiel für moderne Betonarchitektur. Die Mensa bietet auch Nichtstudenten Essen zu günstigen Preisen und dazu einen der schönsten Blicke auf Bodensee und Mainau. Bundesweit einmalig ist der 24-Stunden-Betrieb der Bibliothek, die (außer Aug./Sept.) rund um die Uhr geöffnet hat (Mo-Fr). Über 2 Mio. Bücher sind frei zugänglich. Für Kunstfreunde bietet die Universität über 50-mal auf dem Campus „Kunst am Bau“, darunter auf dem Parkdeck Süd einen Porsche aus Beton (Kunstführer am Uni-Kiosk und im örtlichen Buchhandel).

Klimawandel

Die globale Erwärmung macht sich auch am Bodensee bemerkbar, mit unterschiedlichen Auswirkungen. Während Touristiker sich über wärmere Sommer freuen, schlagen Naturschützer Alarm. Denn selbst kleinste Klimaänderungen haben auf das Ökosystem am See gravierende Folgen. Tiere und Pflanzen aus wärmeren Gegenden werden plötzlich am Bodensee heimisch und verdrängen angestammte Arten. Außerdem haben extreme Wetterereignisse in den vergangenen Jahren zugenommen, seien es Hochwasser wie 1999 oder besonders niedrige Wasserstände. Dieser starke Wechsel hat nicht nur Auswirkungen auf die Vegetation am Ufer, sondern auch auf archäologische Funde. Über rund 6000 Jahre waren die Überreste der Pfahlbauern vom Bodensee unter Wasser und durch eine Schlammschicht geschützt. Bei sinkenden Wasserständen kommen sie nun ans Tageslicht und zerfallen dabei innerhalb von kürzester Zeit. Forscher suchen daher nach Konservierungsmöglichkeiten und versuchen Pfahlbaureste mit Kies oder Geotextilien abzudecken.

Natur

Die Bodenseeregion gilt als eines der artenreichsten Gebiete Europas. Am Nordrand der Alpen und vom Seeklima begünstigt, leben in der naturnahen Kulturlandschaft 350 Vogelarten. Viele Zugvögel unterbrechen am See ihre Reise. Insgesamt rasten und überwintern hier jedes Jahr rund 250000 Wasservögel. Der Steinadler kommt aus den nahen Bergen zum Brüten. Wegen seiner Größe und Tiefe wird der nährstoffarme Obersee von Prachttauchern und Meeresenten bevorzugt. Der flache, nährstoffreichere Untersee dagegen gibt mit seinem Schilfgürtel mehr Vögeln eine Heimat. Besonders gut lassen sich die Zugvögel im Oktober beobachten. Die Pflanzenwelt entfaltet im Frühjahr ihre Pracht: Im Mai blühen Obstwiesen und Iris. Mediterrane Pflanzen wachsen am See ebenso wie solche aus Bergen und Steppen. Sie können Orchideen und Enzian entdecken und im Uferkies das seltene Bodenseevergissmeinnicht.

Zahlen und Fakten zum See

Die Römer tauften den See nach ihrer bedeutendsten Siedlung Bregenz „Lacus Brigantinus“. Im 10. Jh. wurde die Kaiserpfalz Bodman zur Namenspatin und aus dem „Lacus Bodamicus“ wurde dann durch Lautverschiebung der „Bodensee“. Der See entstand in der Eiszeit. Der gewaltige Rheingletscher bedeckte das Bodenseegebiet. Er grub ein tiefes Becken und türmte riesige Schuttberge zu den typischen Moränenhügeln auf. Das Eis schmolz, zurück blieb mit einer Fläche von 536 km² der größte deutsche See. Er gliedert sich in den Obersee zwischen Lindau und Meersburg, den Überlinger See zwischen Meersburg und Bodman sowie in den Untersee. Von Ludwigshafen bis Bregenz misst der See 63 km, seine größte Breite hat er mit 14 km zwischen Friedrichshafen und Arbon, seine tiefste Stelle liegt zwischen Fischbach und Uttwil: 254 m.