Reisetipps Bodensee

Auftakt Bodensee Was für eine Region!

Vormittags auf einem Gipfel, nachmittags im Strandbad, abends in der Szenebar: Der Bodensee bietet Traumurlaub für alle - für Radfahrer, Feinschmecker, Wanderfreunde oder Wasserratten. Die Region ist eine der ältesten und schönsten Kulturlandschaften Europas mit attraktiven Freizeitangeboten für jeden Geschmack. Entdecken Sie 273 km Bodenseeufer in drei Ländern, immer wieder anders, aber immer interessant: Besichtigen Sie Pfahlbauten, mittelalterliche Kirchen, moderne Architektur. Schlafen Sie im Heu oder im Luxushotel, genießen Sie Sterneküche oder Grillplatz. Fahren Sie Tretboot oder fliegen Sie mit dem Zeppelin.

Wenn der Zug die Konstanzer Rheinbrücke passiert und erstmals der Blick frei wird auf See und Berge, pressen die Urlauber ihre Nasen an die Fenster: Schau, da sind die Berge! Und dort, der weiße Dampfer! Und da oben, der Zeppelin! Entzückt und überrascht wissen die Urlauber nicht, wohin sie zuerst schauen sollen. Die Einheimischen blättern gelassen ihre Zeitung um, während sich die Gäste auf Ferien am Bodensee freuen. Doch natürlich lieben auch die Bewohner ihren See. Viele Familien wohnen seit Generationen hier. Viele sind irgendwann hergekommen und geblieben. Nicht ohne Grund können die Immobilienpreise mit Düsseldorf oder München mithalten. Wohl nur an wenigen Flecken Deutschlands ist die Lebensqualität so hoch wie hier. Nach einer Umfrage des Allensbacher Instituts für Demoskopie ist der Bodensee nach Nord- und Ostsee das bekannteste Urlaubsgebiet in Deutschland, noch vor Schwarzwald und Allgäu.

Dabei macht der Tourismus gerade einen Wandel durch. Lange prägte die „Fischerin vom Bodensee“ das Bild der Region. Der Schmachtfilm, gedreht 1956 unter anderem in der Umgebung Meersburgs, vermittelte kitschige Heimatidylle. Irgendwann aber war es schicker und preiswerter, nach Mallorca zu fliegen. Doch die Gastronomen am Bodensee haben aufgeholt und bieten modern gestylte Nobelquartiere oder Unterkünfte auf dem Bauernhof, Gartenlokale oder Gourmettempel. Dazu ist eine Fülle neuer Attraktionen entstanden, so das Großaquarium Sea-Life und das Ravensburger Spieleland. Der Zeppelin fliegt wieder, und in Vorarlberg kann man zeitgenössische Architektur bewundern.

Entlang des 273 km langen Seeufers und im Hinterland können Familien, Kulturtouristen und Kurzurlauber die Region neu entdecken. Was darf es sein? Kultur: ein Besuch der Bregenzer Festspiele, eines der Theater oder des Kunsthauses Bregenz. Badespaß: plantschen in über 50 Strandbädern oder an einem freien Stück Ufer. Schlemmen: essen bei Sterneköchen und in Landgasthöfen. Studientage: Es locken rund 100 Museen, von Archäologie über Bier und Kunst bis Zeppelin. Oder lieber Actionurlaub: Segeln, Radeln, Skaten und nachts durch Clubs und Bars. Für Kinder gibt es Programm nonstop. Und dazu eine Landschaft, die nie langweilig wird. Hinter Hügeln tauchen Barockkirchen auf. Von Gipfeln schweift der Blick über den See. Wer spazieren oder schwimmen geht, kann das bei mildem Klima unter Palmen und mit Alpenblick. Nichts tun und ausspannen oder alles machen und viel erleben: Bei einem Bodenseeurlaub sind das keine Gegensätze.

Die Stärke der Region ist, alles auf einem Fleck zu bieten - Lieblingsfrage der Touristiker: „Wo sonst können Sie am Morgen in Deutschland frühstücken, das Mittagessen in der Schweiz auf 2500 m Höhe einnehmen und abends in Österreich große Oper auf einer der schönsten Freilichtbühnen der Welt erleben?“

Möglich ist solch ein abwechslungsreiches Angebot auch wegen der Struktur der Region: Rund um den See finden sich viele kleine Orte und mittlere Städte. Eine Metropole, die wie ein Magnet alles anzieht und die übrige Region zu Vororten abwertet, gibt es nicht. Friedrichshafen, Bregenz oder Konstanz bieten deshalb, was sonst nur Großstädte vorweisen: Konstanz ein eigenes Theater mit festem Ensemble, Friedrichshafen Messe und Flughafen, Bregenz Kunsthaus und Seefestspiele. Auch anderswo gibt es mehr Läden, Kinos oder Museen als in Gemeinden dieser Größe üblich. Wer allerdings annimmt, die Bewohner der Region würden all dies so oft nutzen wie die Touristen, täuscht sich: Der See trennt oft mehr, als er verbindet. Mancher Anwohner war über Jahre nicht auf der jeweils anderen Seite des Gewässers.

Politiker mühen sich dagegen seit Jahrzehnten um Kontakte. Antrieb war zunächst der gemeinsame Gewässerschutz. Schließlich liefert der Bodensee über ein 1700 km langes Leitungsnetz Trinkwasser bis nach Stuttgart und in den Odenwald. 1972 trafen sich die Anrainerländer erstmals und gründeten die „Internationale Bodenseekonferenz“ (IBK). Dies brachte Erfolge. Heute ist die Wasserqualität wieder einwandfrei. Doch nicht nur Länder und Gemeinden direkt am See gehören der IBK an, sondern auch St. Gallen, Zürich, Liechtenstein, das Oberallgäu und der Kreis Sigmaringen - 3,5 Mio. Menschen leben im Großraum Bodensee und seinem erweiterten Einzugsgebiet.

Der Bodensee ist kein großes Museumsdorf: Tourismus ist wichtig, aber die Menschen leben hier auch für sich mit der Landschaft. Viele arbeiten in anderen Branchen: Dienstleistung und Verwaltung sind stark vertreten, vereinzelt noch Industrie, vor allem in Friedrichshafen. Es gibt Winzer, Obstbauern und viele Künstler. Eine Kulturlandschaft eben.

Diese Region ist gewachsen: Erdgeschichtlich durch Gletscher, die während der Eiszeiten Hügel, Höhenzüge und Einschnitte formten. In der Geschichte der Menschheit kamen zunächst Kelten und Römer, im Mittelalter Mönche und Adelige. Erst galt die Reichenau mit ihrer Bibliothek, dann Konstanz mit dem Konzil als geistiges Zentrum. Anfang des 19. Jhs. sprach Alexandre Dumas vom Bodensee als der „großen Wasserfläche, die wie ein Stück Himmel aussieht, in Erde gerahmt, um Gott als Spiegel zu dienen“. Ende des 19. und Anfang des 20. Jhs. wuchs der Fremdenverkehr. Gemeinden schütteten ihre Uferpromenaden auf. Bald nach dem Zweiten Weltkrieg startete der Massentourismus.

Heute reden die Seebewohner von ihrer Region, wie es ihnen passt: Mal bezeichnen sich vor allem die Konstanzer als Deutschlands letztes „Zipfele“, dann wieder schwärmen sie vom Bodensee als Region im Herzen Europas.

Landschaft und Menschen sind inzwischen auch wieder für Filmemacher interessant. Der Südwestrundfunk hat z.B. seit 2002 eine Tatort-Kommissarin in Konstanz stationiert. Und die „Fischerin vom Bodensee“? Auch die gibt es hier noch - und zwar in echt: Sieben von 170 noch arbeitenden Berufsfischern sind Frauen.