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Eine Reise durch die Traumzeit

Die MacDonnell Ranges westlich und östlich von Alice Springs gehören zu den kulturell bedeutensten Regionen der zentralaustralischen Arrente-Aborigines. Eine Fahrt durch den westlichen Teil der Bergkette bringt Sie nicht nur in Kontakt mit bedeutenden Stätten der Traumzeit, sondern mit atemberaubend schönen Schluchten und einer faszinierenden Tier- und Pflanzenwelt. Die Tour kann mit einem konventionellen Fahrzeug an einem Tag durchgeführt werden. Eine Übernachtung am Ende der Teerstraße ist allerdings zu empfehlen, wenn man ausreichend Zeit haben will, um den Geist der Traumzeit in sich aufzunehmen.

Die Reise beginnt in Alice Springs. Nach 300 m auf dem Larapinta Drive liegt links die frühere Grabstätte von John Flynn, dem Gründer des Royal Flying Doctor Service. Nach weiteren 10 km lädt Simpsons Gap zu einer ersten Pause. Ein kurzer Fußweg zwischen mächtigen Eukalyptusbäumen führt zu einem kleinen Wasserloch. Hier versteht man, weshalb der Simpsons Gap und die anderen Schluchten der MacDonnell Ranges für die lokalen Aborigines nicht nur kulturell und spirituell, sondern auch wirtschaftlich bedeutend waren. Über Jahrtausende haben sie in diesen Oasen mitten in sonnenverbrannter Wüste Wasser und Nahrung gefunden.

Auf dem Larapinta Drive geht es 24 km weiter zum Standley Chasm, der im Termiten-Dreaming der Iwupataka-Aborigines eine wichtige Rolle spielt. Diese Schlucht ist um die Mittagszeit besonders spektakulär, wenn die Sonne den Durchgang in einen glühend roten Korridor verwandelt. Nach dem Standley Chasm zweigt die Straße in den Namatjira Drive Nach 42 km führt rechts eine Straße zum Ellery Creek Big Hole. Die Landschaft um dieses große Wasserloch ist geologisch besonders interessant und vielseitig. Ellery Creek Big Hole ist einer der Orte in den westlichen MacDonnell Ranges, wo das Kampieren erlaubt ist. Auf der Weiterfahrt entlang des Namatjira Drive können Sie noch an der Serpentine Gorge einen Zwischenstopp einlegen. Wie der Name sagt, schlängelt sich die Schlucht einem Reptil gleich durch den Felsen. Nicht verpassen sollten Sie die Ochre Pits, einen eigentlichen Querschnitt durch die 700 Mio. Jahre alte geologische Geschichte der Region. Hellgelbes bis rostrotes Ockergestein aus diesen Wänden diente den lokalen Aborigines als wichtige Grundlage für Felsmalerei und als „Währung“ für den Handel.

Nach einem Abstecher in die Ormiston Gorge treffen Sie schließlich im Glen Helen Resort (25 Zi. | Namatjira Drive | Tel. 08/89567489 | Fax 89567495 | info@glenhelen.com.au) ein, wo ein unterdurchschnittlicher Campingplatz und einige cabins Gelegenheit zum Übernachten bieten. Glen Helen liegt am Ufer des Finke River, der mit 100 Mio. Jahren im selben Bett der älteste Fluss der Welt sein soll. Das Wasserloch ist ein Paradies für die Vögel der Region. Die vereinzelt wachsenden Palmen auf der anderen Seite des Flusses sollen von afghanischen Kameltreibern gepflanzt worden sein, die maßgeblich bei der Erschließung des Innern des Kontinents beteiligt waren.

Wer mit einem Allradfahrzeug unterwegs ist, kann vor der Rückkehr nach Alice Springs noch auf der unbefestigten Straße die weiter westlich gelegene Redbank Gorge besuchen (schöner, einfacher Campingplatz). Wer mehr Zeit hat, dem bietet sich die Möglichkeit, über den Gosse-Bluff-Krater (Tnorala) und Hermannsburg auf dem Larapinta Drive nach Alice Springs zurückzufahren. Für diese Rundfahrt durch Aboriginal-Gebiet benötigt man allerdings den Meerenie Tour Pass, eine Bewilligung, die man in Alice Springs (Visitor Information Centre) oder im Glen Helen Resort erhält. Der Gosse-Bluff-Krater ist durch den Einschlag eines Meteoriten vor etwa 140 Mio. Jahren entstanden. Hermannsburg war die erste Missionsstation deutscher Lutheraner im Northern Territory und Heimat des Aboriginalmalers Albert Namatjira (1902-59). Namatjiras Aquarelle prägen den Stil von inzwischen drei Künstlergenerationen. Die Mission wurde 1877 erbaut und erst 1982 an die traditionellen Besitzer, die Aranda, zurückgegeben. Heute kann man die Station gegen ein kleines Entgelt besichtigen und sollte es dabei nicht versäumen, in der Kaffeestube einen Apfelstrudel zu probieren.

Steile Klippen, weite Strände, geheimnisvolle Wälder

Die Great Ocean Road entlang der Küste südlich von Melbourne ist eine der schönsten Küstenstrecken der Welt. Die 345 km lange, ein- bis zweispurige Straße windet sich an endlosen Stränden und steilen Klippen entlang. Weiß schäumend brechen sich die Wellen des türkis schimmernden Ozeans an Sandbänken oder atemberaubenden Felsformationen. Wer die herrliche Natur der Küste und die Geheimnisse des Hinterlands nicht nur kurz sehen, sondern erleben möchte, sollte sich mindestens drei bis vier Tage Zeit nehmen.

Die Great Ocean Road (www.greatoceanroad.com.au) beginnt in der Hafenstadt Geelong (130000 Ew.), 70 km über die M 1/Princes Freeway von Melbourne. Die Anlegestellen des ehemaligen Industriehafens beherbergen heute Restaurants. Der lang gezogene Eastern Beach endet im alten botanischen Garten. Etwas besonderes: der restaurierte Art-déco-Seewasserpool, in dem Schwimmer vor Haien sicher sind. Die Great Ocean Road, die ab Geelong ausgezeichnet ist, führt weiter nach Torquay (3500 Ew.), dem Mekka für Surfbegeisterte. Hier gibt es tolle Surfgeschäfte und selbst ein Surfmuseum (Surfworld | Surfcoast Plaza | Beach Road | Mo-Fr 9-17, Sa/So 10-16 Uhr | Eintritt 7 A$). Am legendären Bells Beach 2 km südlich von Torquay findet zu Ostern das internationale Bells Beach Surfing Classic der Profis statt. Die bis zu 4 m hohen Wellen sind nichts für Anfänger.

Weiter geht es auf der Great Ocean Road zum kleinen Badeort Anglesea und dann nach Lorne (1000 Ew.), dem Touristenzentrum der Küstenstraße mit einem herrlichen Sandstrand und Unterkünften jeder Art (Auskunft: Lorne Visitors Centre | 144 Mountjoy Parade | Tel. 03/52891152 | tgl. 9-17 Uhr).

Apollo Bay 45 km weiter südlich ist noch beschaulich. Hier kann man sich gut ausruhen, schwimmen, fischen und den geheimnisvollen Otway National Park im Hinterland erwandern. Nur wenige ausländische Touristen verirren sich hierher: Riesige Baumfarne und hoch aufragende Eukalyptusbäume überschatten schmale Wanderwege. Man klettert über umgestürzte, moosbewachsene Urwaldgiganten, überquert klare Bäche, entdeckt sprudelnde Wasserfälle. Tagsüber kann man Kakadus und Raubvögel beobachten. Nachts werden Possums, Eulen und die fliegenden Eichhörnchen ähnelnden Glider aktiv. Unter moosbewachsenen Überhängen leuchten Tausende Glühwürmchen. Zu denen führt eine kleine Wanderung im Anschluss an eine interessante drei- bis vierstündige Tour mit dem Titel „Paddle with the Platypus“. Organisator ist Otway Eco Tours (ca. 85 A$ | Tel. 03/52366345 | http://platypustours.net.au), gestartet wird am späteren Nachmittag im Dörfchen Forrest. Die Wahrscheinlichkeit, Schnabeltiere zu sehen, ist groß. Im Angebot sind auch ein- oder mehrtägige Great Ocean Walks sowie Touren mit dem Mountainbike.

Von Apollo Bay geht es weiter Richtung Port Campbell (95 km). Nach 17 km durch schattigen Wald weist ein Schild auf der linken Seite auf Maits Rest hin. Vom Parkplatz führt ein mit hölzernen Bohlen befestigter Weg durch eine verwunschene Nische seltenen Regenwalds. Der Rundgang dauert 40 Minuten. Nur wenige Kilometer weiter führt eine 13 km lange, schmale Straße links von der Ocean Road zum Cape Otway Lighthouse, einem alten Leuchtturm auf einem steilen Felsvorsprung 100 m über der See. Der Leuchtturm (tgl. 9.30-16.30 Uhr | Eintritt 6 A$) wurde 1848 von Sträflingen gebaut.

Die Great Ocean Road führt die nächsten 40 km in Richtung Port Campbell durch kühle Wälder, vorbei an kleinen und versteckt liegenden Farmen. Ab Princetown folgt die Straße der Steilküste des Port Campbell National Park. Atemberaubende, in der Sonne gleißende Felsformationen tauchen im tiefblauen Wasser auf: Die Twelve Apostles, die Zwölf Apostel. Einen ersten guten Eindruck der vom Meer geformten, natürlichen Kalksteinstatuen bekommen Sie am Gibson Step Lookout. Von hier aus führen steile Stufen bis zum Strand unterhalb der zerklüfteten Felsenküste. Bei gutem Wetter kann man am Strand bis zu den ersten Aposteln laufen. Nur ein kurzes Stück weiter geht es rechts zum Parkplatz des Twelve Apostles Lookout ab. Von hier haben Sie einen spektakulären Blick auf die Türme, Brücken und Bögen der Zwölf Apostel.

Weiter Richtung Port Campbell fahren Sie an der Loch Ard Gorge vorbei. Port Campbell ist ein winziger Fischerort mit einem hübschen, sicheren Badestrand und netten Restaurants, z.B. Waves (29 Lord Street), feine Fischgerichte mit indisch-pazifischer Note (Tel. 03/55986111 | kein Ruhetag | €€).

Von Port Campbell fahren Sie nach Warrnambool (22500 Ew. | www.warrnamboolinfocom.au). Die ehemalige Walfängersiedlung ist heute ein Ziel für Walbeobachter. Im australischen Winter, von Juni bis September, kommen Southern Right Whales hierher, um in der Bucht, wenige Meter vor Logans Beach, zu kalben. Unterkühlte Walbeobachter können sich im Tearoom des Flagstaff Hill Maritime Museums (Merri Street | tgl. 9-17 Uhr | Eintritt 6 A$) aufwärmen. Das Museum ist ein lebendiges Dorf - die Nachbildung einer Hafenstadt aus dem 19 Jh. mit Schiffbauern, Schmiede, Künstlern, Schule, Kirchlein, Pub und Bank. Abends sorgt die Sound and Laser Show „Shipwrecked“ dafür, dass die Geschichte der Küste mit ihren tragischen Schiffsunglücken wieder in Erinnerung gerufen wird (Reservierungen Tel. 03/55594600).

Von Warrnambool sind es weitere 30 km bis zum historischen Hafenstädtchen Port Fairy. Es lohnt sich ein Abstecher zum Tower Hill State Game Reserve, 12 km westlich von Warrnambool. Tower Hill ist der tiefe Krater eines erloschenen Vulkans. Innerhalb der Vulkanwände ist eine faszinierende Wildnis entstanden, in der Känguruhs, Koalas und Tausende von Vögeln zu Hause sind. Auf der schmalen Rundstraße sollten Sie langsam fahren, besonders am späten Nachmittag und abends begegnet man überall Tieren.

Von Port Fairy gelangen Sie über Portland (80 km) ins verschlafene Cape Bridgewater mit seinen zahlreichen Küstenwanderwegen, schwarzen, vulkanischen Felsen und dem uralten versteinerten Wald. Von Warrnambool kann man über die A 1, dem Princes Highway, Richtung Colac wieder auf direktem Weg nach Geelong zurückfahren (213 km).