Reisetipps Apulien

Insider Tipps Apulien MARCO POLO Autorin Bettina Dürr im Interview

Bettina Dürr, die zwischen Italien und Deutschland pendelt, bereist mit Leidenschaft Apulien - stets auf der Suche nach den besten Tipps

Wie lange kennen Sie schon Apulien?

Zum ersten Mal war ich Mitte der 1980er-Jahre in Apulien, ich habe hier für ein Buch über italienische Volksfeste recherchiert - Apulien ist noch sehr reich an Traditionen - und an einem Dokumentarfilm über das Phänomen des Tarantismo und den Pizzica-Tanz mitgearbeitet. Seither hat sich viel verändert, Apulien hat sich sehr modernisiert.

Was reizt Sie an dieser Region?

Apuliens Landschaft ist wunderschön. Ich liebe das Meer, die Küche und die untouristischen südlichen Landdörfer. Alles hat einen sehr mediterranen Charakter, die Luft, die Wärme, die orientalisch anmutenden Städtchen, die offenen gastfreundlichen Menschen, die ganz spezielle Musik. Manchmal fühlt man sich fast schon wie im Orient.

Und was mögen Sie an Apulien nicht so?

Die Zersiedelung. Es wird sehr viel gebaut, vielerorts in der Landschaft stehen halb fertige bombastische Häuser. Man sagt, jede Familie in Apulien habe drei Häuser, eins im Ort, eins auf dem Land, eins am Meer.

Was machen Sie beruflich in Italien?

Ich schreibe Reiseführer, organisiere individuelle Reisen für kleine Gruppen, habe an kulinarischen Publikationen zur italienischen Küche mitgearbeitet, und hin und wieder übersetze ich italienische Kinderbücher ins Deutsche.

Was tun Sie, wenn Sie nicht arbeiten?

Ich wandere und segle gern, schmelze bei italienischen Operndramen dahin und liebe Kunst, neue wie alte.

Haben Sie Lieblingsessen in Apulien?

Das Köstlichste an der Küche Apuliens sind die Antipasti aus eingelegtem Gemüse, Käsetörtchen, Mus aus Bohnen mit Olivenöl oder auch die superfrischen Meeresfrüchte, beträufelt nur mit ein paar Tropfen Zitrone und Öl, und die besonders schmackhaften kleinen Miesmuscheln aus Taranto. Und erstaunlich ist, wie gut Dinge schmecken können, die einem zunächst sehr fremd sind, wie etwa die gegrillten Lamminnereien, für die die Apulier schwärmen, gnume-rieddi genannt.

Können Sie sich vorstellen, irgendwann einmal ganz nach Italien zu ziehen?

Es ist bereichernd, in zwei Kulturen leben zu können. Solange es geht, möchte ich auf keine von beiden verzichten. Wenn ich mich aber in Apulien niederlassen würde, dann am liebsten im Salento. Etwa in einer Altstadtwohnung in Marina di Castro mit Terrasse überm Meer.