Reisetipps Apulien

Stichworte Apulien

Architektur

Für Freunde der Architektur besitzt Apulien einzigartige Schätze: angefangen mit den einmaligen trulli, den Häuschen mit spitzen Kegeldächern gänzlich aus mörtellos geschichteten Feldsteinen, die man nur hier in Apulien um Alberobello zu sehen bekommt. Einen Höhepunkt bilden die normannisch-romanischen Kathedralen in Städten wie Bari, Bitonto, Bisceglie, Giovinazzo oder Trani, Sakralbauten, bei denen sich die romanischen Stilelemente aus dem damals stilbildenden Norditalien und dem Burgund mit für Apulien typischen orientalischen Einflüssen mischten. Dahinter stand eine starke politische Kraft, die der Normannenherrscher. Auch die Staufer, allen voran Friedrich II., hatten Einfluss genug, um ihren architektonischen Stempel aufzudrücken, so die zahlreichen Festungsanlagen und das sagenhafte Castel del Monte.

Gegen die Strenge der Stauferkastelle steht die überschäumende Barockarchitektur, die sich - gemeißelt aus dem lokalen gelben Sandstein - in Lecce und Nardò in einer Zeit entwickelte, als sie zu führenden Handelszentren im Salento heranwuchsen. Ebenso wurde Martina Franca zu einer eleganten Barockstadt, weil sich im 17. und 18. Jh. ein starkes Bürgertum herausbildete. Eine architektonische Besonderheit sind zudem die spitzgiebeligen Reihenhäuser in der Altstadt von Monte Sant'Angelo oder die kreisförmig um den Altstadthügel gezogenen Häuserzeilen in Locorotondo. Und um sich in Matera die vor Felshöhlen gebauten Grottenwohnungen - ein ganzes Stadtviertel - anzuschauen, lohnt sich ein Schlenker über die Grenze zur Basilikata.

Dolmen

Sichtbare Überbleibsel aus frühgeschichtlicher Zeit (vor 30000 bis 40000 Jahren) sind die Megalithgräber, Dolmen genannt, die Sie hier und dort in den Olivenhainen erblicken. Errichtet aus mächtigen, in den Boden gerammten Steinplatten, sind es stille Zeugen einer uralten Sakralität. Eindrucksvolle Grabstätten stehen 5 km südlich von Bisceglie (Dolmen Chianca), 4,5 km südwestlich von Giovinazzo und bei Minervino im Salento (Dolmen di Scusi).

Friedrich II.

Stauferkaiser Friedrich II. (1194 bis 1250) - der geniale letzte große Messiaskaiser des Mittelalters, überragend in allem, in Rechts- und Menschenkenntnis, in Weltoffenheit, Wissenschaft und Musischem. In Apulien ist er allgegenwärtig. Im Namen von Friedrich werden Reisen nach Apulien organisiert, Städtepartnerschaften initiiert, von der apulischen Tourismusbehörde Routen angelegt und Feste gefeiert. Ganze Bibliotheken sind ihm gewidmet, und apulische Weine und Firmen tragen seinen Namen. Eine informative Webseite zur apulischen Kultfigur Friedrich finden Sie unter www.stupormundi.it (italienisch, aber auch mit deutschen Texten).

Masserie

Inmitten der weiten Agrarlandschaft Apuliens sehen Sie immer wieder stattliche alte Gutshöfe, über 2000 an der Zahl. Es sind Überbleibsel des adligen Großgrundbesitzes, der Apuliens Landwirtschaft über Jahrhunderte prägte. Im 15. und 16. Jh. baute man sie aus wie Festungsanlagen, ummauert mit Wachtürmen und Schießscharten, zum Schutz vor Briganten und den türkischen Überfällen. Zum Komplex gehörten das Herrenhaus, die Kapelle, die Ölmühle und eine ganze Anzahl Nebengebäude für die Landarbeiter, für Gerätschaften, Vieh und die Ernte. Eine abgeschlossene feudale Welt für sich mit Dutzenden von Familien, die auf dem Hof lebten. Lange waren sie dem Verfall preisgegeben, heute haben viele besonders schöne Gutshöfe als edle, teure Ferienhotels zu neuem Leben gefunden: Geschmackvoll restauriert wurde ihr hellgelbes Sandsteingemäuer, ihre Gewölbe, Torbögen und Innenhöfe, ihre Dachbalken und majolikagekachelten Fußböden. Sie sind im Sommer kühle Oasen, oft gar mit Schwimmbad, und liegen meist inmitten schattiger Plantagen aus Weinreben, Olivenbäumen und duftenden Zitrushainen. Natürlich gibt es auch die schlichteren und damit preiswerteren Varianten. Infos im Internet unter www.masserien.de, www.masseriepuglia.com.

Olivenöl - das flüssige Gold

Apulien ist mit seinen 40 Mio. Olivenbäumen und seinen 250 Mio. Litern Olivenöl der größte Ölproduzent Italiens. Die Region lässt sich - grob gesagt - in drei für die Olivenölproduktion relevante Gebiete unterteilen: das landwirtschaftliche Hinterland von Bari mit großen Ölmühlen für Massenproduktionen, unter denen sich durchaus auch ausgesucht gutes Olivenöl findet. Dann der Salento mit besonders schönen alten Olivenhainen. Die nördliche Provinz Foggia hat schließlich einen besonderen Variantenreichtum an Geschmacksnoten zu bieten, je nach Olivensorte, je nach Nähe zu den daunischen Bergen oder zum Meer.

Besonders sorgfältig hergestelltes Olivenöl darf sogar ein Qualitätsprädikat mit Herkunftsbezeichnung (Dop) auf dem Etikett führen: je nach Gebiet Terra di Bari, Terra d'Otranto (im Salento), Collina di Brindisi (Valle d'Itria) und Dauno (der Apennin von Foggia).

Pater Pio

Sie werden ihm in Apulien (und nicht nur dort) auf Schritt und Tritt begegnen, als Amulett auf dem Armaturenbrett des Taxis, als Bild oder Statue in Bars, Geschäften, Hotels, in Privathäusern. Man bewahrt sein Konterfei in Brief- und Handtasche auf. Einst vor allem von einfacheren Leuten verehrt, ist er heute in aller Munde und Herzen, ja geradezu ein Prominentenheiliger. Sein Wallfahrtsort San Giovanni Rotondo auf dem Gargano hat an Pilgerzahlen längst Lourdes und Assisi überrundet und nimmt weiter zu, denn Pater Pios Leichnam wurde jüngst exhumiert und bleibt bis Ende September 2009 aufgebahrt. 2002 sprach man ihn offiziell heilig, denn den Berichten, dass er unheilbar Kranke gesund zu machen vermochte - ist Glauben geschenkt worden. Der 1887 geborene Kapuzinermönch hatte mit 31 Jahren eine Erscheinung und fand sich mit den Jesus-Wundmalen an Händen und Füßen wieder - für die Wissenschaft ein unerklärliches Phänomen. Pater Pio behielt die Male bis zu seinem Tod 1968 bei, und schon zu Lebzeiten brachten diese Zeichen viele Leute dazu, ihm übernatürliche Kräfte zuzutrauen. Tatsächlich gründete er ein für den damals unterversorgten Süden phantastisches Krankenhaus, in dem heute 2500 Ärzte und Krankenschwestern arbeiten. Auch in modernen Zeiten wirken Wunder.

Tarantismo

Das Bedürfnis, sich den Wahnsinn aus der Seele zu tanzen, wird dem giftigen Biss der Tarantelspinne zugeschrieben, doch vielleicht ist es auch die Einsamkeit im von der Sonne glühenden, menschenleeren Land, der vor allem Frauen in diesen ekstatischen Zustand überreizter Nerven trieb. Auf dem Patronatsfest in Galatina im Salento fanden sich bis in die 1980er-Jahre die Frauen zu Ehren von Petrus und Paulus Ende Juni ein und zuckten stundenlang wie besessen zum kreischenden Klang der Geige und zum rhythmischen Schlag des Tamburello. Der Tarantismo war ein von der Kirche geduldetes Ritual choraler Volkstherapie, vielleicht sogar ein Überbleibsel dionysischen Rausches.

Seit mehreren Jahren leben die obsessiven Musikrhythmen wieder auf, pizzica pizzica (pizzicare=zwicken) oder pizzica taranta genannt. Oft sind es die letzten alten Musiker, die zusammen mit jungen Gruppen - Apuliens Musikszene gehört zu den lebendigsten Italiens - auf den sommerlichen Dorffesten in Apulien, aber längst auch in ganz Italien aufspielen: in einem fieberhaften, tranceartigen Rhythmus, der die Piazza unwiderstehlich zum Tanzen bringt... für Traditionsbewusste mittlerweile allzu rummelig.

Wirtschaft

Olivenhaine, Gemüse und Obstplantagen, Rebgärten und riesige Weizenfelder gedeihen in der Ebene Apuliens - nach der Po-Ebene das weiträumigste Flachland Italiens - und auf den Hügeln der Murgia und des westlichen Apennins. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse sind immer noch das Standbein der apulischen Wirtschaft. Hier wachsen alljährlich 800 Mio. kg Hartweizen, die wesenliche Grundlage der italienischen Pastaproduktion. Hinzu kommen 600 Mio kg Tomaten, 500 Mio. kg Tafeltrauben sowie 300 Mio. kg Oliven und 200 Mio. kg Artischocken. Die Industrie setzt vorwiegend auf die Weiterverarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte, auf Möbel- und Textilherstellung. Und während in Taranto die großen Schwerindustrieanlagen längst in einer tiefen Krise stecken, entwickelt sich Bari zunehmend zu einem einflussreichen Handelszentrum, das sowohl nach Norden als auch auf den gesamten Mittelmeerraum ausgerichtet ist. Und zugleich setzt man auf den Ausbau von Forschung und Dienstleistung im Bereich der modernen Informationstechnologien.

Leider hat aber Apulien auch seine organisierte Kriminalität, Sacra Corona Unita genannt, die im Wirtschaftsleben eine nicht geringe Rolle spielt, vor allem im Baugewerbe. Hinzu kommen Schutzgelderpressung, Zigarettenschmuggel und Verknüpfungen mit der Albanien-Mafia. Touristen bleiben von diesen Machenschaften jedoch unberührt.