Reisetipps Apulien

Auftakt Apulien Was für eine Region!

Apulien: mare e terra (Meer und Land) - eine Welt der Kontraste, über der sechs Monate im Jahr die heiße, mediterrane Sonne scheint, während sich im karstigen Erdinnern eine geheimnisvolle Unterwelt aus Meeresgrotten, Tropfsteinlabyrinthen und Höhlenkirchen verbirgt. Steinerne Einsamkeit löst sich ab mit üppigen Gartenlandschaften, orientalisch anmutenden Städtchen, grandiosen mittelalterlichen Kastellen und Kirchen, glasklarem Meer an bewegter Klippenküste oder feinen Sandstränden. Und über allem vibriert der Sound Apuliens, der beschwörende Rhythmus des Tamburello zum Tanz der Pizzica.

Heimweh nach Apulien - das packt die meisten, die einmal die Reise bis ans äußerste Ende Italiens unternommen haben, in den Stiefelabsatz mit dem Sporn. Und es sind immer mehr, die sich auf den Weg machen, am liebsten in die Feriendörfer auf dem Gargano, an die südlichsten Küsten von Otranto und Gallipoli im Salento oder ins Landesinnere in die Trulli-Gegend der Valle d'Itria.

Und viele kehren wieder, werden Stammgäste in den Camping- und Bungalowdörfern längs der Küste oder in den zu stimmungsvollen Ferienhotels ausgebauten Masserien, den großen Gutshöfen. Manch ein Wiederholungstäter renoviert gar ein altes Bauernhaus. Kennt man das Phänomen nicht aus der Toskana? In der Tat wäre „Toskana des Südens“ für Apulien ein griffiger Werbeslogan.

In der Presse tauchen eher Begriffe wie „Trullishire“ oder „Apulien-Fraktion“ auf. Denn die Engländer kaufen die Trulli auf, und im Salento trifft sich zwischen Otranto, Lecce und Gallipoli das linksliberale Bürgertum aus Norditalien im stilvollen Ambiente der Masserien oder auf den Segelschiffen in den Yachthäfen zur lässigen Sommerfrische.

Apulien - 19357 km² groß und von 4 Mio. Menschen bewohnt - liegt im Trend. Hier fühlt man sich wie auf einer Insel, umgeben von 836 km Küste und einem der saubersten Meere Italiens.

Apulien beginnt im Norden mit der weiten Ebene aus wogenden Weizenfeldern und Traubenplantagen, oft kaum besiedelt und von metaphysischer Einsamkeit: der Tavoliere, einer quadratischen Kalksteinplatte von 3000 km² Ausdehnung um Foggia. Im Osten der Ebene steigt der faszinierend schöne Gargano an, der weit ins Meer ragende Stiefelsporn, zum Nationalpark erklärt dank seiner atemberaubenden Berglandschaft, seines dichten Waldes (Foresta Umbra), seiner Küsten aus hellen Kalkschichten, geheimnisvollen Meereshöhlen und einladenden Stränden.

Im Westen Apuliens erhebt sich eine weiche Hügellandschaft voller Wälder und kleiner mittelalterlicher Ortschaften, der sogenannte Appennino dauno. Weiter geht es mit sanft ansteigenden Anhöhen, von denen unendliche Weitblicke auf Olivenbaum- und Rebzeilen, auf Artischockenfelder und Weidewiesen möglich sind. So etwa sieht es um Castel del Monte aus, der sagenhaften Burg des Stauferkaisers Friedrich II., eines der Wahrzeichen von Apulien, das auch die italienische Ein-Cent-Münze ziert.

Murgia, auch Le Murge genannt, heißt dieser felsige, karstige Rücken, der sich vom Tavoliere bis hinunter gen Süden in den Salento zieht. Eine Humusschicht bedeckt das Karstgestein, durch die aber immer wieder Felssplitter an die Oberfläche dringen. Steine, Steinbrüche, Steinhäuser, Steinmäuerchen und dazwischen ein Paradies wie die Valle d'Itria im Herzen Apuliens. Ein Patchwork aus Gärten, Gemüseäckern, Obst- und Mandelbaumplantagen, aus Olivenhainen, Weingärten und mediterranem Buschwald. Dazu breiten sich auf den Hügelkuppen hübsche, orientalisch anmutende Ortschaften aus hellen Häuserwürfeln aus, über die sich die Silhouetten von Burg und Kathedrale erheben. Überall hineingestreut ragen die spitzen Steindächer der Trulli aus dem paradiesischen Grün.

Im Salento schließlich gleiten Sie auf schnurgeraden Landsträßchen durch menschenleere Olivenhaine: graugrünes, filigranes Blattwerk über urig krumm verwachsenen Stämmen - uralte Baumskulpturen.

Zu dieser Landschaft gehört gutes Essen: Kaum ein Landstrich Italiens kann mit einer derartigen Vielfalt an Gemüsesorten, an Wildkräutern, Teigwaren und Frischkäsearten aufwarten. Es gibt genügend Trattorien und viele aziende agrituristiche, landwirtschaftliche Pensionsbetriebe, in denen Sie an diesen kulinarischen Göttergaben teilhaben können.

Schon seit Urzeiten besitzt Apulien beste Voraussetzungen für menschliche Besiedlung, das weiß man von vorgeschichtlichen Funden. Erst vor ein paar Jahren wurde das versteinerte Skelett eines frühen Apulienbewohners in einer Höhle bei Altamura gefunden - älter als der Neandertaler! Noch vor den Griechen und Römern lebten hier alte Kulturvölker, die Daunier mit ihren geheimnisvollen Steinstelen, zu sehen im Museum von Manfredonia, die Peuketier und Messapier mit ihrem ausgefeilten Metall- und Keramikhandwerk, das die vielen kleinen archäologischen Museen Apuliens mit erstaunlichen Schätzen füllt.

Einen prägenden Kultursprung macht Apulien mit der Ankunft der Griechen im 8.-4. Jh. v. Chr. Taranto wird das Zentrum der Magna Graecia. Eine Blütezeit mit regem Handel im Mittelmeerraum und raffiniertem Kunsthandwerk beginnt, wie die Museen in Bari, Taranto und Ruvo di Puglia zeigen. Im 4. und 3. Jh. v. Chr. setzt sich das Römertum durch. Der Hafen Brindisi wird das römische Handelstor zum Orient, Apulien die Korn- und Ölkammer Roms.

Im Mittelalter geben sich hier Byzantiner, Langobarden, Araber und Normannen die Klinke in die Hand. Händler und Pilger sowie Kreuzfahrer ins Heilige Land durchziehen nun Apulien. Auf die Normannen folgen die Staufer und mit ihnen Kaiser Friedrich II., der Apulien zu seinem Lieblingsland erwählt. Seine schillernde Persönlichkeit begleitet jeden Apulienreisenden.

Nach den Staufern regieren die französischen und spanischen Dynastien, vom Meer drohen Sarazenen- und Türkenüberfälle. Derweil geht das Leben weiter: In den hübschen Hafenstädtchen wie Gallipoli und Otranto wird eifrig verladen. Lecce, das Zentrum des Salento, bildet seinen hinreißend überschwänglichen Barockstil heraus.

Touristisch immer beliebter bietet Apulien heute eine große Vielfalt von der Kulturreise bis zum Strand- und Genussurlaub an. Der Wein wird ständig erlesener, das Olivenöl zählt zu den besten Italiens. Gerade in den letzten Jahren hat sich Apulien deutlich modernisiert. Viele Altstädte werden restauriert, die stattlichen Kastelle zu Museen umfunktioniert, im Sommer beleben Kulturfestivals und Freiluftdiskos Städte und Badeorte.

Und über allem steht die Magie des Südens: Wenn auch mittags unter der gleißenden Sonne Geist und Zeit stillzustehen scheinen, am Abend, wenn das große Stadtfest angesagt ist, erwacht das volle Leben. Die luminarie - Straßenbeleuchtungen in barockem Schnörkelstil - verwandeln Innenstädte und Häfen in märchenhafte Festsäle: zum Flanieren, Flirten, Feiern.