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Zu Gast in Papua-Neuguinea:Hai mit Cola

Papua-Neuguinea

Für die Menschen in Yavi, die hauptsächlich von Feldarbeit leben, sind die Touristen ein willkommener Zuverdienst.

(Foto: Kohl)

In Papua-Neuguinea nehmen Jäger vom Stamm der Korafe Touristen zum Fischfang mit aufs Meer. Nicht immer geht das für die heimischen Haie gut aus.

Es ist noch früh am Morgen, als Peter-John Ruaba und seine fünf Brüder Georg, Moses, Robert, Peter und Samuel die Gäste mitnehmen zum Fischen. Das Wasser an der Küste des Fjords leuchtet im hellsten Türkis und ist so klar, dass man die Korallenstöcke auf dem Meeresgrund erkennen kann. Mit ihren Paddeln schlagen die Männer abwechselnd auf die Wasseroberfläche, um die Fischschwärme ins Netz zu treiben. Plötzlich sieht Peter-John Ruaba den Schatten eines Hais durchs Wasser flitzen. Kurz darauf hat sich das Tier im Netz verheddert. Die Männer springen aus ihren Auslegerkanus, rammen dem Hai den Stil eines Paddels tief ins Maul, damit er nicht zubeißen kann. Sie wissen, dass sie Haie nicht jagen dürfen; viele Arten stehen inzwischen unter Schutz. Doch Ruaba sagt: "Unfälle wie diese passieren einfach, dann ist der Hai nicht mehr zu retten."

Wir sind zu Gast in einem Hüttendorf in der Provinz Oro, im Südosten Papua-Neuguineas. Die Einheimischen nehmen Touristen auf, lassen sie am Dorfleben teilhaben - und dazu gehört der Fischfang. Als die Männer später vor ihren Hütten in Yavi zusammensitzen, erzählt Ruaba, dass sich die Haifischflossen bestens an chinesische Händler verkaufen lassen. "Für einen halben Meter Flosse bekommen wir 150 Kina", sagt er. Das sind umgerechnet knapp 50 Euro - mehr, als die Familie verdient, wenn sie eine Nacht lang eine ihrer Hütten an Touristen vermietet. Käufer für die illegale Ware gibt es reichlich in Papua-Neuguinea, denn die meisten Supermärkte sind fest in asiatischer Hand. Daheim in China gilt Haifischflossen-Suppe als Spezialität. Schon möglich, dass mancher Unfall hier nicht ganz zufällig passiert. Der Rest des Hais wird unter den Familien des Dorfes aufgeteilt. Die Zubereitung ist kompliziert. Man müsse das Fleisch erst wässern, damit alle Giftstoffe entweichen, es dann mindestens eine halbe Stunde kochen, sagt Ruaba. Wobei er gern auf seinen Anteil verzichtet. "Mir schmeckt Hai nicht."

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(Foto: SZ-Grafik)

Die Einheimischen stellen inzwischen viele Dinge des täglichen Lebens nicht mehr selbst her. In Federschmuck und Lendenschurz zeigen sie sich für gewöhnlich nur zu Stammesfesten oder bei Touristenshows, als Alltagskleidung tragen sie Jeans und T-Shirt. Viele Dorfbewohner haben Arbeit gefunden im nahegelegenen Tufi Resort. Vor allem erfahrene Taucher kommen hierher, um vor der Küste mit Hammerhaien zu tauchen oder zu den Wracks von Schiffen und Flugzeugen, die seit dem Zweiten Weltkrieg hier liegen. Um die Einheimischen zu unterstützen und den Besuchern ein möglichst unverfälschtes Erlebnis zu bieten, arrangiert das Resort Übernachtungen bei der lokalen Bevölkerung.

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Am Ende der Welt

In Yavi Village zum Beispiel. Es liegt nur ein paar Bootsminuten entfernt an der Spitze eines Fjords, in dem es zwei sandige Buchten gibt. Die Quelle, die die Leute im Dorf normalerweise mit Wasser versorgt, ist jetzt, in der Trockenzeit, versiegt. Wenn die Mitarbeiter des Resorts Gäste ins Dorf bringen, packen sie deshalb immer auch ein paar Kanister Frischwasser ins Boot. Im Resort wird es mithilfe einer Meerwasserentsalzungsanlage gewonnen. Etwa 150 Leute leben in Yavi, darunter auch Peter-John und seine Brüder vom Stamm der Korafe. Sie betreiben mit ihren Familien eine eigens als Gästehaus gebaute, einfache Bambushütte. Die Matratzen sind frisch bezogen, als Decke gibt es ein Leinentuch und - wichtig - ein intaktes Moskitonetz, denn die Gegend gilt als Malariagebiet. Von den 135 Kina, etwa 45 Euro, die man für eine Übernachtung mit Verpflegung bezahlt, bleiben 100 Kina im Dorf; 35 Kina erhalte das Tufi Resort, sagt Ruaba.

Die Hüttendörfer liegen alle auf Bergrücken. 375 Gemeinden gibt es in der Region. Die Küste besteht zumeist aus zerklüftetem Vulkangestein, es gibt nur wenige Sandbuchten. Im Regenwald an den Hängen gedeihen Hibiskus, Frangipani und Orchideen. Hier leben Nashornvögel und Baumkängurus, beide Tierarten halten die Einheimischen auch als Haustiere. In den seichten Flussarmen ist das Wasser immer warm, am Grund sind selbst hier noch viele Korallenstöcke zu erkennen. Früher schwammen zahlreiche Krokodile durch die Fjorde. Doch wurden sie so stark gejagt, dass sie nur mehr in ganz abgelegenen Mangrovenwäldern aufzuspüren sind.

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Die tief stehende Nachmittagssonne taucht alles in mildes Licht. Dabei ist das Leben hier nicht einfach. Feldarbeit ist hauptsächlich Frauensache; die Kinder helfen mit. Leise ist ihr Lied zu hören: "Eines Tages sehen wir uns wieder", lautet der Refrain. Am Abend rudern die Kinder von den Feldern nach Hause, in ihren Booten liegen Bananen, Kokosnüsse, Süßkartoffeln und ein paar kleine Fische, die sie mit Speeren im Fjord gefangen haben. Das Wichtigste aber ist das Trinkwasser in den Kanistern. In diesem Jahr ist es so trocken, dass selbst die Wasserfälle in der Oro-Provinz nur noch Rinnsale sind. Am Abend gibt es für die Gäste eingelegte Früchte aus der Dose und Cola. Die Dorfbewohner freuen sich riesig, wenn sie den Besuchern solche für sie wertvollen Produkte anbieten können. Dabei hängen draußen an den Bäumen die schönsten Kokosnüsse. Und im Hochland wird einer der weltbesten Kaffees angebaut - zum Frühstück aber bekommt man Instant-Kaffee gereicht. Nachhaltigkeit ist ein Thema, das in Papua-Neuguinea noch nicht angekommen ist.

An Feiertagen bereiten die Frauen köstliche Mahlzeiten im sogenannten Mumu zu, einem Erdofen, in dem Fisch, Yams und Süßkartoffeln mit Kokosmilch in Bambusblättern gegart werden. An den älteren Frauen des Dorfes fallen einem sofort ihre Gesichts-Tattoos auf. Früher haben sich die Frauen das Gesicht tätowieren lassen, sobald sie ins heiratsfähige Alter kamen. "Aber das verändert das Aussehen komplett", sagt Priscilla Cray-Bob aus dem Nachbardorf Kofure. Zu Stammesfesten lassen sich junge Frauen wie sie deshalb ihre Tattoos nur noch mit abwaschbarer Pflanzenfarbe aufmalen. Ein Tribut an die moderne Zeit, schließlich will Priscilla bald studieren und in die Stadt ziehen - und zwar ohne dauerhafte Tätowierung.

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Informationen

Anreise: Über Singapur (Singapore Airlines) nach Port Moresby (Air Niugini), von dort nach Tufi (Airlines PNG). Hin- und Rückflug von Frankfurt ab ca. 2200 Euro, www.singaporeair.com, www.airniugini.com.pg, www.apng.com

Unterkunft: Tufi Resort, Bungalow mit VP ab ca. 100 Euro pro Person und Nacht. Arrangement "Wohnen bei Einheimischen im Dorf" mit VP ab 45 Euro p.P., www.tufiresort.com

Weitere Auskünfte: www.papuanewguinea.travel/europe