Süddeutsche Zeitung

Zehn Reiseziele für das Frühjahr:Der Sonne entgegen

Nach den trüben Wintermonaten träumen Urlauber von der Sonne. An diesen zehn Orten werden sie erleuchtet - und eine Gelegenheit zum Austoben im letzten Schnee gibt es noch dazu.

Daniela Dau

Wildblumenblüte auf Kreta

Raus aus den Winterkleidern und die blassen Glieder der Sonne entgegenstrecken: Auf Kreta ist das schon im zeitigen Frühjahr möglich. An Plätzen wie der Balos-Bucht im Nordwesten der griechischen Insel wähnen sich Badefreunde angesichts der Szenerie womöglich in der Südsee - solange sie nicht die Zehen in das durchschnittlich sechzehn Grad Celsius kühle Wasser tauchen. Kreta-Kenner nutzen diese Zeit eher für Wandertouren, für die es in den Sommermonaten zu heiß wird. Im ausgedehnten Wegenetz über Hochebenen und durch Schluchten genießen Besucher eine ebenso abwechslungsreiche wie kurzzeitige Kulisse: Den höchsten Gipfel Kretas, der Psiloritis mit 2455 Metern, ziert oft bis in den Juli eine Schneekappe, während Frühjahrsregen Wildblumen auf den ansonsten kargen Hängen darunter die Wildblumen vielfarbig erblühen lässt.

Petra und Wadi Rum, Jordanien

Eine der größten Attraktionen ist die Felsenstadt Petra im Süden des Landes, einst Festung und blühendes Handelszentrum der Nabatäer. Teile der in die gelblichroten Felsen geschlagenen Stadt sind durch Witterung und Erosion zerstört. Doch noch immer fasziniert das Licht- und Farbenspiel im Gestein der vielen prächtigen Bauwerke, allen voran der Tempel Al-Kazneh. Von Petra aus ist es nicht weit bis ins Wadi Rum, das mit seiner Fels- und Dünenlandschaft dem Filmklassiker "Lawrence von Arabien" als Kulisse diente. Aktivurlauber können hier Freeclimben, Wandern, Jeep-Touren unternehmen oder auf Kamelen durch die Landschaft schaukeln und den Tag in einem Beduinen-Camp unter dem Sternenhimmel über Wüste ausklingen lassen. Reisende sollten die landesspezifischen Reisehinweise des Auswärtigen Amtes beherzigen.

Wie ein Star in Palm Springs

Vor schlechtem Wetter muss hier keiner Angst haben: Die Sonne soll in Palm Springs an mindestens 350 Tagen im Jahr scheinen. Doch während es gut 170 Kilometer südöstlich von Los Angeles in den Sommermonaten extrem heiß werden kann, sind die milderen Frühjahrstemperaturen ein gutes Argument für eine Reise in die Wüste Kaliforniens und in die glamouröse Vergangenheit Hollywoods. Mitte des vergangenen Jahrhunderts zogen sich die großen Stars hierher zurück, wenn sie abseits der Branche und der auch damals schon lauernden Paparazzi Partys feiern wollten. Oder wenn sie mit der eigenen oder einer anderen Frau ein paar Tage zu zweit verbringen wollten. Die meisten Stars logieren inzwischen anderswo, doch geblieben sind ihre eleganten, unkonventionellen Ferienhäuser, in denen Ideen des Bauhaus zu einer Stilrichtung namens "Desert Modernism" geformt wurden. Auf die Spuren von Stars wie Frank Sinatra, Ava Gardner, Marilyn Monroe oder Elvis Presley können sich Besucher auf geführten Touren begeben - oder sich während des Aufenthalts in Palm Springs gleich selbst wie einer fühlen. Einige der Residenzen werden als Ferienhäuser vermietet. Die Preise entsprechen freilich dem Star-Appeal der ehemaligen Besitzer.

Namibias Küsten- und Dünenlandschaft

Nach Namibia fahren Touristen nicht wegen der Sehenswürdigkeiten in den Städten. Es sind die außergewöhnlichen Landschafts- und Naturerlebnisse, die Besucher anziehen, wie die eindrucksvolle Weite der Namib-Wüste, die Tierwelt in der Etosha-Pfanne oder die zweitgrößte Schlucht der Welt, der Fishriver Canyon. Bei der Reiseplanung sollte man die Klimatabelle im Auge behalten, zwischen den einzelnen Landesteilen herrschen große klimatische Unterschiede. Während das Frühjahr Besuchern der Namib-Wüste meist strahlend blauen Himmel und erträgliche Tagestemperaturen um die 25 Grad beschert, kann es an der Atlantikküste auch tagsüber recht frisch und vor allem in den Morgenstunden neblig sein. Ein dicker Pullover gehört neben der Sonnenbrille also in jedem Fall in den Koffer, um selbst für kalte Sternennächte im Wüsten-Zeltcamp gerüstet zu sein.

Andalusien, Miami, Havanna

Die "weißen Dörfer" von Andalusien

An der südspanischen Küste dominieren die Beton- und Bettenburgen der sechziger und siebziger Jahre, doch nur eine kurze Autofahrt von Malaga aus landeinwärts zeigt sich Andalusien von einer ganz anderen Seite: Korkeichenwälder wechseln sich mit Olivenhainen ab, dann wieder gibt es karge Hochebenen und weite Weidelandschaften. Entlang der Landstraßenroute "Ruta de los Pueblos Blancos", der "Straße der weißen Dörfer", zieren die Berghänge vornehmlich weiß gehaltene Städte und Dörfer. Wer zwischen den gekalkten Häusern und durch die schmalen, verwinkelten Gassen der Altstädte spaziert, fühlt sich ein ganzes Stück weiter gen Süden bis nach Nordafrika versetzt. Kein Wunder: Kleinstädte wie Ronda gehen auf Siedlungen zurück, die zwischen dem achten und 15. Jahrhundert von Mauren ausgebaut wurden. Trotz der starken arabischen Prägung ist der Süden Spaniens tief im Katholizismus verwurzelt. Dies wird niemals deutlicher als in der Karwoche, der "Semana Santa", wenn aufwändige Prozessionen mit kapuzengewandeten Gläubigen durch die Straßen ziehen. Wegen des großen Besucherandrangs sollten Andalusien-Besucher daher schnell buchen und höhere Hotelpreise als nach den Feiertagen einkalkulieren.

Art Deco in Miami

Im Frühjahr hat Miami die temporären kulturellen Events des Winters wie Art Basel Miami Beach und das Miami International Film Festival hinter sich, so dass wieder Zeit bleibt, sich dem bleibenden Schatz von South Beach zu widmen - den Häusern im Art Deco District. Rund um den palmengesäumten Ocean Drive versammeln sich etwa 800 Schmuckstücke aus den 1920er, -30er und -40er Jahren, ein Gebäude-Konglomerat in Pastelltönen von Lavendel über Rosa bis Apricot. Genaueres über die einzelnen Gebäude erfahren Besucher auf einer der Besichtigungstouren, die die Miami Design Preservation League veranstaltet. Um die Stimmung auf dem Ocean Drive in sich aufzunehmen, genügt es schon, sich auf der Terrasse eines der zahllosen Cafés oder Restaurants niederzulassen und den endlosen Strom der Selbstdarsteller und Flaneure an sich vorbeiziehen zu lassen - ein Vergnügen für Gaumen und Augen. Kunstwerke aus Holz findet man auch in Miami Beach - die knallbunten Strandhäuschen der Rettungsschwimmer.

Percussion und Tanz in Havanna

Wegen seines karibischen Klimas gilt die kubanische Hauptstadt ganzjährig als Reiseziel. Doch wer ein Problem mit allzu großer Hitze hat oder wegen möglicher Wirbelstürme sicher gehen will, der meidet die Sommermonate bis zum Ende der Hurrikanzeit im Oktober und wählt statt der teuren Wintersaison das zeitige Frühjahr. Badeurlaube bei Wassertemperaturen um die 26 Grad sind dann sowohl an der Nord- wie an der Südküste erholsam, doch der Bummel durch die marode Schönheit der Stadt könnte bei durchschnittlich 28 Grad schon schweißtreibend ausfallen. Dabei trifft man neben anderen Touristen vor allem auf angereiste Musiker und Tänzer: Im März und April finden zahlreiche Veranstaltungen statt, unter anderem ein Percussionfestival zu Ehren des kubanischen Percussionisten Guillermo Barreto, das Internationale Festival für Elektroakustische Musik und La Huella de Espana, das tänzerisch die spanischen Wurzeln in der kubanischen Kultur würdigt.

Ägypten, Antalya, Schweiz

Ägypten

Nur mühsam erholt sich die Branche nach der ägyptischen Revolution von den zahlenmäßigen Einbrüchen des vergangenen Jahres. Dabei warnt das Auswärtige Amt in seinen Sicherheitshinweisen bis heute weder vor Reisen nach Kairo noch in die Urlaubsgebiete am Roten Meer oder vor Nil-Kreuzfahrten zu Zielen wie Abu Simbel oder Luxor. Menschenansammlungen, Demonstrationen und unbegleitete Überlandfahrten seien allerdings zu vermeiden. Wer sich jetzt für Ägypten als Urlaubsziel entscheidet, kann nicht nur unbehelligt Urlaub machen, sondern sich zudem noch für die unverschuldet in Not geratenen Angestellten der Tourismusindustrie engagieren. Da große Teile der Hotels und Resorts nach wie vor im Besitz von hohen Militärs sind, empfehlen unabhängige Beobachter wie "Tourism Watch" die Buchung in kleineren, familiengeführten Unternehmen.

Vorsaison in Antalya

Wo sich in den heißen Sommermonaten die Massen drängeln, herrscht im Frühjahr noch die Ruhe der Vorsaison - am Strand von Antalya genauso wie im Alten Hafen und in der Altstadt der Urlaubermetropole im Süden der Türkei. Nicht alle Strandkioske und Restaurants sind geöffnet, entspannt sitzen die Verkäufer vor ihren Geschäften und nicht jedes Gespräch muss dazu führen, dass der Urlauber möglichst viel Geld in einen türkischen Teppich, billige Wasserpfeifen oder nachgemachte Designerklamotten investiert. Wer einen reinen Badeurlaub im Sinn hat, könnte enttäuscht sein: Im März/April steigt das Thermometer in der Regel nur knapp über 20 Grad. Doch wer abseits der Touristenströme endlich einmal das authentisch türkische Antalya kennenlernen und zudem die reizvolle Umgebung mit Wanderungen durch das Taurus-Gebirge, Ausflügen zum Apollo-Tempel oder den Kurşunlu-Wasserfällen erkunden will, der ist in dieser Jahreszeit genau richtig.

Rodeln in Preda-Bergün, Schweiz

Den einen kann es nach den langen Wintermonaten gar nicht heiß genug sein, die anderen suchen bis ins Frühjahr Herausforderungen im Schnee. Die bietet die Rodelbahn vom Abula Pass hinunter zum Dorf Preda in Graubünden allemall und sogar bis in die Nacht hinein. Die knapp sechs Kilometer lange Strecke liegt unter Flutlicht. Da die Scheinwerfer nicht jede Kurve ausleuchten, müssen manche Streckenabschnitte in Dunkelheit durchfahren werden, das Tragen von Helmen ist eine berechtigte Vorsichtsmaßnahme. Abenteuerlich ist schon die Anfahrt mit dem Bernina-Express über 90 Meter hohe Viadukte und durch die Kehrtunnels des Albulatals. Die Rhätische Bahn bringt die "Schlittler" auch wieder zurück zum Ausgangspunkt, von wo aus sie sich dank einer Beschneiungsanlage bis weit ins Frühjahr hinein erneut auf die Strecke stürzen können. Verwegenere testen ihre Grenzen auf der kürzeren, dafür aber steileren Strecke von Darlux nach Bergün.

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