WM-Gegner als Reiseziel: Uruguay:Im Land der wilden Reiter

Eigentlich ist es schon längst kein Geheimtipp mehr: Uruguay besticht durch entspannte Lebensart, Sinn für Feiern und Spektakel sowie unzählige Strände.

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Oldtimer

Quelle: istock

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Zumindest bei der diesjährigen Fußball-WM ist Uruguay weiter gekommen als Argentinien und dies dürfte der Nation ein großer Triumph sein. Immer schon steht sie im Schatten des großen Nachbarlandes; die Hauptstadt Montevideo gilt oft als ein Vorort des mondänen Buenos Aires. Und es ist vielleicht einem Selbsterhaltungstrieb geschuldet, dass die Einwohner Uruguays so deutlich klarstellen, nichts mit den Argentiniern gemein zu haben - auch, wenn dies nicht ganz stimmt. 

Dennoch: Uruguays noch nicht einmal dreieinhalb Millionen Einwohner geben sich entspannter als die Argentinier, sie genießen ihr Asado, die riesigen Grillgerichte, und den Mate-Tee in großer Ruhe. Und dass es hier mitunter so aussieht, als sei die Zeit vor Jahrzehnten stehengeblieben, ist auch kein Grund zur Sorge. Gäste erwartet hier, im kleinsten spanischsprachigen Staat Südamerikas, viel nostalgischer Charme und reichlich Genuss. Die Attraktionen in Bildern.

Montevideo

Quelle: AFP

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Montevideo

1,6 Millionen Menschen leben im Großraum Montevideo und die meisten sind gastfreundlich. Es gibt eine interessante Kulturszene. Der Strand liegt direkt vor der Haustür. Es lohnt sich also, dieser Stadt etwas Zeit zu widmen.

Kulturinteressierte haben in Montevideo vor allem ein Ziel: die Plaza Independencia. Sie trennt die Altstadt vom modernen Zentrum mit der Hauptgeschäftsstraße. Auf dem Platz wird dem Volkshelden General José Artigas mit einem Reiterdenkmal gehuldigt, unter der Statue befindet sich sein Mausoleum, in dem sich Touristen ein wenig gruseln können. Nach dem Besuch in der Tiefe kann man sich von der Höhe beeindrucken lassen: Der Palacio Salvo (Foto) war mit 26 Stockwerken lange Zeit das höchste Gebäude Lateinamerikas. Allerdings wird der Eindruck von Plattenbauten getrübt.

Konzerte und mehr bieten das historische Teatro Solís, ebenso das neue Aushängeschild, das Teatro Sodre nahe dem Platz. Uruguay ist nicht nur von der Kultur der spanischen Kolonialherren geprägt, sondern auch von italienischen Einwanderern. Der italienische Nationalheld Giuseppe Garibaldi lebte in Montevideo, die Casa Garibaldi kann heute besichtigt werden.

Auch in der Nacht ist man in der Altstadt richtig: Im Barviertel an der Bartolomé Mitre kann die Auswahl quälend sein. Besser man zieht gleich von Kneipe zu Kneipe. Generell profitiert die Hauptstadt von ihrer Lage am Fluss: An den Uferstraßen, den Ramblas, reihen sich östlich der Innenstadt die Sandstrände aneinander, auf denen sich die Einwohner vor allem an den Wochenenden drängen.

Sacramento

Quelle: AP

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Die Strände

Uruguays Küste ist 660 Kilometer lang und verläuft nicht nur entlang des Atlantiks, sondern auch am Rio de la Plata. Damit ist die Auswahl an Stränden groß: Es gibt Buchten mit ruhigem Wasser oder hohen Wellen, mit Süß- oder Salzwasser, Lagunen, Strände für Beachvolleyballer oder Surfer - oder für einen ganz allein. Wegen der Farbe des Sandes sind die Strandufer am Fluss zwischen Montevideo und Maldonado als "Costa de Oro", Goldene Küste, bekannt. Hauptziel ist Atlántida, das seine Blüte in den 1930er Jahren erlebte, als am Wochenende die Hauptstädter nur hierher wollten. Hier kann man noch immer schöne Strandtage genießen und ob des verblichenen Glamours nostalgisch werden.

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Quelle: afp

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Punta del Este

Punta del Este, 125 Kilometer östlich von Montevideo gelegen, ist der bekannteste Badeort des Landes. Hier wollen Tausende Urlauber surfen, Jetski fahren, segeln, fischen, Polo, Golf, Rugby oder Tennis spielen, reiten oder mit der Yacht anlegen. Ruhig ist es hier nicht. Das milde Klima entspricht etwa dem in Kapstadt in Südafrika - beide Städte liegen geografisch in etwa auf derselben Höhe.

Wenige Kilometer vor Punta del Este liegt die Landzunge Punta Ballena. Hier errichtete der Künstler Carlos Páez Vilaró auf dem Klippen über dem Rio de la Plata das mediterran anmutende "Casapueblo" (Foto) ganz in Weiß. Heute befinden sich darin ein Museum und eine Galerie, teilweise wird es auch als Hotel genutzt.

Außergewöhnlich ist auch das Naturschutzgebiet "Arboretum Lussich" auf Punta Ballena: Anfang des vergangenen Jahrhunderts kaufte der Revolutionär Don Antonio Lussich die Landzunge und brachte Pflanzen aus fünf Kontinenten hierher: Nun gedeihen Bäume aus Tropen, Wüsten und kalten Zonen nebeneinander.

Sacramento

Quelle: AFP

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Colonia del Sacramento

Dies ist eine portugiesische Stadt, könnte man meinen - sie wurde 1680 von Don Manuel Lobo, Gouverneur von Rio de Janeiro, gegründet, um auf diesem Vorposten am Rio de la Plata westlich von Montevideo die portugiesische Kolonie gegen die Spanier zu verteidigen. Hier wurde die erste Kirche Uruguays errichtet und das erste Theater. 1995 hat die Unesco die Altstadt von Colonia del Sacramento zum Weltkulturerbe erklärt. Häuser aus der Kolonialzeit sind mit Stuck und Fliesen verziert und die zur Gründung der Stadt erbaute Kirche "Iglesia Matriz" gilt als Wahrzeichen der Stadt. Im Puerto Viejo, dem alten Hafen, kann man sich in die alten Schmugglertage zurückversetzen, als Waren illegal über den Rio de la Plata verschifft wurden.

Punta des Este

Quelle: AFP

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Rio de la Plata

Der Rio de la Plata, Silberfluss, ist eigentlich eine gigantische Mündung der großen südamerikanischen Ströme Paraná und Rio Uruguay, dem zweiten Grenzfluss des Landes. Er ist so groß, dass ihn die Einwohner el mar, das Meer, nennen. Fast 300 Kilometer ist der Silberfluss lang. Woher er seinen Namen hat, ist umstritten - Silbervorkommen gab es dort nicht, auch wenn sie von den Eroberern hier vermutet worden waren. Allerdings wurde Silber aus Bolivien über diesen Wasserweg verschifft. Auf jeden Fall glänzt die Wasseroberfläche unter der gleißenden Sonne wie Silber.

A Uruguayan gaucho rides a wild horse during the celebration of the Creole Week in Montevideo

Quelle: Reuters

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Gaucho-Festivals

Wie Argentinien hat auch Uruguay seine Cowboys. Die echten Gauchos trifft man am ehesten in Tacuarembó im Norden des Landes. Mitte März reiten sie hier auf der Fiesta de la Patria Gaucho ein und zeigen waghalsige Kunststücke. Zugleich wird auf dem Fest der traditionellen Musik, dem Kunsthandwerk und der Küche des ländlichen Uruguays Tribut gezollt. Wer mehr über die Gaucho-Kultur erfahren will, kann das Museo del Indio y del Gaucho in Tacuarembó besuchen. Eine Alternative ist die Semana Criolla in Montevideo. Das Ereignis findet immer in der Karwoche statt; es ist Rodeo, Kunstmesse und Open-Air-Konzert zugleich.

URUGUAY-WINE-ECONOMY

Quelle: AFP

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Weintouren

Weinland Uruguay? Warum nicht - die klimatischen Verhältnisse im Land ähneln denen der Winzerregionen in Chile und Argentinien, die für gute Weine längst bekannt sind. So werden vor allem in der Gegend rund um Montevideo Merlot, Cabernet Sauvignon und Tannat hergestellt, der besonders gut zu Gegrilltem und Wild passt. Mittlerweile haben die Winzer auch das touristische Potential der lieblichen Weinberge erkannt und öffneten Weinstuben, Restaurants, Verkaufsstände und Weinmuseen für Gäste.

A man riding a bike by the financial district gets soaked as workers throw water to celebrate the end of the year in Montevideo

Quelle: Reuters

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Wo das alte Jahr weggespült wird

Wer den letzten Tag des Jahres in Uruguay verbringt, sollte sich auf einen ungewöhnlichen Silvesterbrauch gefasst machen. An diesem Tag werden Passanten gerne mit Wasser bespritzt. Zum Glück ist es in dieser Jahreszeit mild, bei rund 20 Grad liegt die Durchschnittstemperatur.

uruguay SZ-Grafik

Quelle: SZ-Grafik

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Reise-Information

Mit einer Fläche von rund 176.000 Quadratkilometern ist Uruguay der zweitkleinste Staat Südamerikas. Nur Suriname ist noch kleiner. 3,3 Millionen Menschen leben im Land, davon 1,6 Millionen in der Hauptstadt Montevideo. Gezahlt wird in Peso; 26 Uruguayische Peso entsprechen einem Euro. In Montevideo und Punta del Este gibt es internationale Flughäfen, die von mehreren südamerikanischen Linien angeflogen werden. Im Land kommt man gut mit dem Bus voran. Taxifahren ist billig, trampen ist dagegen kaum verbreitet und daher nicht empfehlenswert. Insgesamt gilt Uruguay als recht sicheres Reiseland.

© sueddeutsche.de/kaeb/beu
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