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Wintersport trotz Sommerwetter:Recycling-Schnee oder ökologischer Wahnsinn?

Tourismusdestinationen wie Kitzbühel versuchen deshalb, ihr Skigeschäft vorsorglich mit technischen Mitteln zu sichern. "Wir sind schließlich ein Dienstleistungsunternehmen, wir versprechen dem Kunden Schneesicherheit und 200 Skitage pro Saison", sagt Josef Burger, Vorstand der Bergbahnen AG Kitzbühel, des größten Seilbahnunternehmens in Österreich. Wenn der Schnee nicht natürlich vom Himmel fällt, wird eben mit Schneekanonen und Schneefarmen nachgeholfen.

THEMENBILD Pistenraupen praeparieren den Schnee aus dem Schneedepot vom Sommer aufgenommen am 12

Eine Pistenraupe verteilt einen Mix aus echtem und künstlichem Schnee.

(Foto: imago/Eibner Europa)

Viele Skigebiete haben kilometerlange Wasserleitungen installiert, Reservoirs und Pumpen gebaut, um ausreichend Schnee fabrizieren zu können. Dazu bunkern die Skigebietsbetreiber so viel Altschnee wie möglich. Die Kunstpisten an der Resterhöhe würden durch eine "ausgefeilte, ökologisch sinnvolle und ökonomisch nachhaltige Methode der Schneekonservierung" ermöglicht, sagt Burger. Nach Ende der Wintersaison schieben Pistenraupen Altschnee zusammen, der zu 80 Prozent aus Kunstschnee und zu 20 Prozent aus Naturschnee besteht.

Das Zeug wird auf Kunststoffplatten gelagert und mit wasserdichter Silofolie abgedeckt, darüber kommt "Gletschervlies", eine wasserspeichernde und windabweisende Kunststofffolie. So übersteht der Schnee den Sommer, nur 20 Prozent davon schmelzen weg.

Die Tourismus-Manager halten nichts von einer zeitlichen Begrenzung der Saison

Naturschutzorganisationen wie die International Commission for the Protection of the Alps (CIPRA) kritisieren die Beschneiung wegen ihres enormen Energieverbrauchs und Eingriffen ins Ökosystem. Die Kanonen stören zum Beispiel Wildtiere während ihrer Ruhephasen. Da der Schnee aus den Depots zum größten Teil aus Kunstschnee besteht, trifft die Kritik auch die angeblich ökologisch korrekten Schneefarmen. "Diese Kritik geht völlig ins Leere", findet Josef Burger, "das ist Wiederverwertung von bereits produziertem Schnee, der ökologische Fußabdruck ist ganz nah am Naturschnee."

Die Tiroler Grünen haben nun eine Begrenzung der Wintersaison vorgeschlagen, am besten als freiwillige Vereinbarung unter den Seilbahnbetreibern. Davon scheinen die Tourismus-Manager aber weit entfernt. Solange die Gäste das Angebot so gut annehmen und das Konservieren von Schnee weiter optimiert werde, wolle man auch weiterhin so früh öffnen, sagt Josef Burger.

Am berühmten Hahnenkamm klappte es mit dem Snowfarming im vergangenen Sommer dagegen nicht ganz so gut wie geplant. Bei einem Gewitter geriet die Isolierfolie in Brand. Es klingt wie ein Witz, aber das Schneedepot brannte beinahe ab.

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