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Wintersport in der Pandemie:Endlich wieder raus

Lift

Der Vater ist der Lift, weil der Schlepplift nicht laufen darf: Szene aus dem Familienskigebiet in Sachrang.

(Foto: Hans Gasser)

Die kleine Auszeit im Schnee ist für vom Homeschooling geplagte Familien ein wichtiger Erholungsfaktor. Man sollte sie deshalb fördern und nicht erschweren.

Kommentar von Hans Gasser

Menschen sind erfinderisch. Und kreativ. Das sieht man zurzeit an jedem x-beliebigen, mit Schnee bedeckten Hang. Weil die Schlepp- und Skiliftbetreiber hierzulande ihre Anlagen nicht laufen lassen dürfen, betätigen sich Väter und Mütter nach der ganzen Woche mit Home-Office und unbezahltem Ersatzlehrertum selbst als Skilift. Auf Übungshängen sieht man allenthalben, wie Väter sich Geschirre aus Seilen umbinden, mit denen sie ein, zwei oder drei belustigte Kinder den Hang hinaufziehen, damit diese auf Skiern hinuntersausen können. Mal sind die Kinder mit Klettergurten angeschirrt, mal halten sie sich an Schlaufen. Die Eltern ziehen mal zu Fuß und mal auf Tourenskiern, hie und da sieht man auch einen, der die angehenden Skifahrer mit dem E-Mountainbike hinaufbugsiert.

Sie alle eint das Verlangen, nach vielen Wochen des Stubenhockens raus in die Natur zu gehen, in den Schnee, in die Sonne. Und zwar nicht nur zum Spazieren um die Häuserblocks, wie das mancher hundebesitzende Politiker gerne hätte. Sondern zum Austoben in der Natur und Ausüben eines Sports. Das ist ein Grundbedürfnis und ein wichtiges Regulativ für gestresste Familien. Leider wird das konterkariert von unsinnigen 15-Kilometer-Regeln und dadurch, dass ganze Regionen oder auch nur Parkplätze immer wieder abgesperrt werden. Natürlich wurde es in manchem Gebiet vor allem in den Weihnachtsferien zu viel. Doch statt sich mal eine intelligente Besucherlenkung zu überlegen, die man auch im kommenden Sommer gut gebrauchen könnte, wird einfach zugesperrt. Städter unwillkommen.

Dass Skifahren, Eislaufen, Rodeln, auch wenn es mit vielen Menschen gleichzeitig stattfindet, die großen Infektionstreiber sind, darf man zumindest bezweifeln. Nach allem, was zu sehen ist, halten die meisten Menschen Abstand, sie sind seit einem Jahr darauf getrimmt. Wird er unterschritten, so meist nur kurz im Vorübergehen, Überholen, beim Kreuzen. Wind und Sonne wirken auch eher gegen das Virus.

Wenn nun etwa in Bayern der Wirtschaftsminister einen Plan fordert zur Öffnung der Skigebiete und Hotels im Februar, so darf man fragen, ob der Plan nicht schon längst in seiner Schublade liegen müsste. Er könnte ja mal bei den kleinen Schlepplift- und Familienskigebieten anfangen. Da die Parkplätze dort auch ohne Liftbetrieb an Wochenenden voll sind, würde sich wohl nichts ändern, wenn die Lifte mit einem vernünftigen Anstellkonzept eingeschaltet würden. Außer dass Familien mit Kindern, denen man in Bayern dazu die Faschingsferien gestrichen hat, eine kleine, entspannende Auszeit hätten. 150 Euro pro Stunde, für die in Baden-Württemberg Schlepplifte an einzelne Familien vermietet werden, sind da aber keine Option. Dann lieber die Kinder weiter selbst hochziehen und das Geld in einen späteren Urlaub investieren.

© SZ
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