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Skifahren im Warmen:Winter? Welcher Winter?

Maschinenschnee-Teppich in Winterberg

Am Winterberg hatten sie in diesem Jahr keinen guten Winter: Die Snowboarder mussten mit einer Piste aus Kunstschnee vorliebnehmen.

(Foto: Marius Becker/picture alliance/dpa)

Für viele deutsche Skigebiete war der Winter bisher schlecht. Vor allem kleinere Liftbetriebe leiden unter dem Schneemangel - und den Frühlingsgefühlen der Städter.

Von Dominik Prantl

Bis zu 15 Grad Celsius hatte es zuletzt in einigen Alpentälern, in den Bergen lassen sich die ersten Mountainbiker blicken und auf vielen Pisten herrschen Verhältnisse wie im Frühjahr. Zeit für einen Check, wie es den deutschen Skigebieten mit diesem Winter wirklich ergeht.

WINTERBERG Das winterlichste am Wintersportort Winterberg im Sauerland ist derzeit der Name. "Bisher zählt dieser Winter zu den drei schlechtesten der vergangenen 20 Jahre", sagt beispielsweise Julian Pape, Projektleiter der Wintersportarena Sauerland, einem Verbund mehrerer Skigebiete der Region. Vor allem die kleineren, eher niedriger gelegenen Skigebiete leiden unter dem Schneemangel. Üblich sind in diesen Gebieten zum jetzigen Zeitpunkt der Saison zwischen 30 und 50 Betriebstage. "Heuer sind es drei bis fünf Tage", sagt Pape.

Weniger hart treffe es das Skikarussell Winterberg, dem mit 26 Liftanlagen größten Anbieter der Region. Doch selbst dort wirken die mühevoll erstellten Pisten wie weiße Fremdkörper in der sonst grünbraunen Landschaft. Das Gebiet sei noch an keinem Tag vollständig geöffnet gewesen, "im Schnitt sind es zehn bis 15 Anlagen", so Pape.

Dabei hat die Wintersportarena seit 2002 rund 130 Millionen Euro investiert; etliche Millionen davon in Beschneiung. "Und wir haben damit auch durchaus Erfolg gehabt", sagt Pape. Aber: "Dieser Winter ist für uns ein großer Schritt zurück." Genaue Übernachtungszahlen aus der Region kenne er zwar noch nicht, doch bei einem sei er sich sicher: "Es ist deutlich unterhalb der Normalwerte."

Dass es den meisten anderen Skigebieten in den deutschen Mittelgebirgen zwischen Braunlage im Harz, wo ein paar spärliche Schneereste die Hänge kleiden, und der Schwäbischen Alb zum Teil noch schlechter geht, ist da nicht einmal ein schwacher Trost.

ARBER Eine Ausnahme unter den heuer winterentwöhnten Mittelgebirgen ist das Skigebiet am Großen Arber, dem mit 1456 Metern höchsten Berg des Bayerischen Waldes. Zwar vergleicht der Betriebsleiter der Arber-Bergbahn, Thomas Liebl, den bisherigen Winter durchaus mit jenem von 2007, als der Orkan Kyrill auch so manchem Skigebietsbetreiber schlaflose Nächte bereitet hat. Doch klingt er nicht so, als habe er damit ein echtes Problem. Schließlich liegt das Arber-Skigebiet erstens in einem Nordhangkessel und zweitens im nicht gerade wegen seiner Hitzerekorde berühmten Ostbayern; "ein Glücksfall", wie Liebl meint. Er stellt daher eine "Konzentration der Skifahrer auf den Arber fest". Sogar Langlaufen ist auf mehreren Loipen am nahe gelegenen Bretterschachten derzeit noch möglich.

Natürlich gab es auch hier bei Weitem nicht so viel Schnee wie beispielsweise im vergangenen Winter, als auf der Piste zweieinhalb Meter gemessen wurden. Derzeit ist es rund ein halber Meter. Dafür komme laut Liebl heuer die Technik in den Pistengeräten, mit denen sich der relativ wenige Schnee dank GPS-Messung besonders rationell verteilen lässt, voll zur Geltung. Und auch wenn Liebl mit den Kollegen in anderen Regionen "mitfühlt", wie er selbst sagt, wäre ein Sommereinbruch im April nicht fatal. Liebl findet: "Wir sind ja auch im Sommer ganz gut aufgestellt."

BRAUNECK "Am besten wäre es, eine Lage Schnee an den Marienplatz in München zu fahren", sagt Peter Lorenz, Geschäftsführer der Bergbahnen Brauneck, Wallberg und Spitzingsee. Das Problem sei nämlich weniger die Schneelage in den Bayerischen Alpen als das bereits einsetzende Frühjahrsgefühl der deutschen Städter, vor allem der Münchner Tagesausflügler, die einen großen Anteil der Gäste am Brauneck ausmachen. "Die haben nicht so richtig Lust zum Skifahren", so Lorenz.

Dabei gebe es selbst im relativ niedrig gelegenen Skigebiet (700 bis 1550 Meter) bei Lenggries zumindest im oberen Bereich eine ausreichend dicke Schneedecke von etwa 70 Zentimetern - damit lasse sich vernünftig Wintersport betreiben. Am Spitzingsee sei die Lage noch ein "bisserl besser".

Dennoch räumt auch er ein, dass der Winter wegen des wechselhaften Wetters samt stürmischen Winden bisher ein ungewohntes "Auf und Ab" war. Auch begann die Saison am Brauneck bereits mit Verspätung: drei Tage vor dem Jahreswechsel. Die Talabfahrten wurden sogar noch eine Woche später geöffnet. Und ob die Anlagen selbst in den höheren Lagen wie eigentlich geplant bis Ostern laufen, kann derzeit auch Lorenz nicht abschätzen. Hoffnung hat er noch: "Abgerechnet wird erst zum Schluss."

OBERSTDORF Die Schneesituation im Allgäu steht stellvertretend für die vieler anderer Regionen im Alpenraum: oben hui, unten pfui. Jörn Homburg, Marketingleiter der Oberstdorf-Kleinwalsertal Bergbahnen, sieht die sieben, teils über 2000 Meter reichenden Skigebiete seines grenzübergreifenden Verbunds daher durchaus im Vorteil. Denn während viele der weiter nördlich gelegenen Lifte wegen Schneemangels geschlossen haben, sind in der Region Oberstdorf-Kleinwalsertal weiterhin auch sämtliche Talabfahrten befahrbar.

"Wir merken, dass Skifahrer zu uns ausweichen", sagt Homburg. "Für uns ist es bislang ein guter Winter." Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der Februar bisher "etwas wehtut". An fünf Tagen hat auch die Schneehöhe von ein bis zwei Metern in den höheren Lagen nichts genutzt, weil Sturmtief Sabine dort den Betrieb lahmlegte.

Beinahe überhaupt nicht zum Zuge kommen in diesem Jahr die Langläufer, die meistens eher in Talnähe unterwegs sind. "Das ist ganz anders als im vergangenen Jahr. Da geht bei uns fast gar nichts", sagt Simone Zehnpfennig, Sprecherin von Allgäu Tourismus und selbst gerne auf der Loipe unterwegs. Nur bei Oberstdorf, Bad Hindelang und Balderschwang sind jeweils rund zehn Kilometer präpariert. Dafür sieht Zehnpfennig in diesem wundersamen Februar besonders viele Rennradfahrer auf den Straßen des Allgäus. Denn: "Sonnig ist es ja."

© SZ vom 20.02.2020/kaeb
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