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Wien:Es lebe der Zentralbahnhof!

Wien will seine monumentalen Kopfbahnhöfe abschaffen - und wird damit zur Durchgangsstation im veränderten Europa.

Das Imperium hat noch fast 90 Jahre durchgehalten. Zumindest verkehrstechnisch. Nach dem Untergang des Habsburgerreiches im Jahre 1918 macht erst heute seine einstige Hauptstadt Wien mit einer seiner letzten monumentalen Hinterlassenschaft Schluss: Die Kopfbahnhöfe der Stadt sollen verschwinden.

Die Zukunft: Ein moderner Durchgangsbahnhof mit Einkaufspassagen, Bürohochhäusern und Glasdach.

(Foto: Foto: ÖBB)

Die Sachwalter von Stadt, Republik und Österreichischen Bundesbahnen haben den ersten Spatenstich für einen Wiener Zentralbahnhof gemacht. Sinnfälliger kann der Wandel in der Funktion eines geographischen Punktes und die neue Rolle eines Gemeinwesens kaum dokumentiert werden. Der Mittelpunkt ist - auch - zur Durchgangsstation geworden.

Hier endete alles oder begann alles: Sie alle waren als Kopf- oder Sackbahnhöfe angelegt, bei denen schon rein technisch kein Durchfahren möglich ist. Damit ist jetzt Schluss. Wien ist zwar nach wie vor ein beliebtes Ziel, aber hauptsächlich rauscht der Verkehr durch die Stadt durch - auf den großen Magistralen von Warschau nach Venedig, von München nach Budapest, von Zürich nach Kiew, von Berlin und Prag nach Slowenien und Italien.

Wien, die einstige, gänzlich unumstrittene Metropole Mitteleuropas, war Anfang und Ende zugleich, war Ausgangspunkt allen Handels und Wandels und deren Endstation. Die Kaiserstadt empfing die Welt und entsandte ihre Emissäre in alle Welt. Durchgangsverkehr? Undenkbar. Deshalb endeten in Wien alle Züge oder wurden hier eingesetzt, in so entlegene Gegenden wie Triest, Krakau, Bukarest, Lemberg, Kaschau und Debrecen. Die Zugreise bis zu manchem dieser Ziele dauert heute so lang wie damals. Symbol dieser absoluten Metropole waren ihre Bahnhöfe.

Die Verkehrsströme sind so angeschwollen, die Prognosen sind so gewaltig, dass die Wiener Endpunktsituation zum Ärger- und Hindernis geworden ist. Seit Jahrzehnten hat man diskutiert und gestritten. Jetzt steht es fest: Nahe des Südtirolerplatzes zwischen den Stadtteilen Wieden und Favoriten wird der zentrale Durchgangsbahnhof entstehen.

Allein die Infrastruktur der neuen Hauptstation wird 890 Millionen Euro kosten. Mehr als einhundert Meter hohe Wolkenkratzer und ein gewaltiges, in den Bahnhof integriertes Einkaufszentrum sollen einen neuen Mittelpunkt der Stadt bilden.

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