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Wie geht es weiter?:Auf Sicht fliegen

Tui unterbricht Großteil des Reisebetriebs

Auch die Tui unterbricht weitgehend ihren Reisebetrieb. Urlauber, die gebucht hatten, sollen aber ihr Geld zurückbekommen.

(Foto: Clara Margais/dpa)

Nach der weltweiten Reisewarnung für Deutsche: Was wird jetzt aus Oster- und Pfingsturlaub?

Schon von Amts wegen sind Reiseveranstalter Optimisten: Wer den Menschen die schönste Zeit des Jahres verkauft, muss das auch verkörpern: Entspannung, Sonne, alles kein Problem. Was allerdings gerade über die Branche hereinbricht, verschlägt auch den Profis den Atem: Eine weltweite Reisewarnung hat es noch nie gegeben. Als 2010 der Vulkan Eyjafjallajökull in Island ausbrach, konnte man in Europa einige Wochen nicht mehr fliegen, aber man konnte mit dem Auto, dem Zug, dem Schiff oder Fahrrad verreisen. Das alles kann man zurzeit so gut wie nicht mehr.

Viele Länder machen ihre Grenzen dicht, kappen Flugverbindungen, Urlauber werden mehr oder weniger aus ihren Hotels geworfen, weil diese schließen müssen. Das ist auch der Hauptgrund, weshalb diese globale Reisewarnung vom Auswärtigen Amt (AA) erlassen wurde: Es ist zu unberechenbar, ob und wie Urlauber hin und zurück kommen. Die Lage ändert sich stündlich. Reiseveranstalter kümmern sich nun zusammen mit dem AA darum, die Gäste aus aller Welt nach Deutschland zurückzuholen, großteils geht das mit regulären Linien- oder Charterflügen. Zurzeit sind noch etwa 100 000 Deutsche im Ausland, die zurückgeholt werden.

Die meisten großen Veranstalter wie Tui, FTI und Der Touristik haben zunächst einmal bis Ende März alle Reisen abgesagt. Urlauber, die gebucht haben, bekommen ihr Geld zurück. Doch was passiert danach? Zu Ostern und vor allem zu Pfingsten, das für viele Familien eine wichtige Urlaubszeit ist? "Ob zu Ostern und Pfingsten gereist werden kann, hängt von der Einschätzung des Außenministeriums ab und wie lange die Reisewarnung gilt", sagt Anja Braun, Sprecherin von Tui Deutschland. Aktuell lege man das Augenmerk auf die Rückholung der Gäste, was schwer genug sei. "Sobald alle Gäste wieder wohlbehalten zu Hause sind, starten wir - abhängig von den behördlichen Fristen - mit den Vorbereitungen zur Wiederaufnahme des Reisebetriebs, den wir sehr schnell wieder hochfahren können", sagt Braun.

Wie schnell das sein wird, steht zurzeit noch in den Sternen. Studiosus rechnet nicht mit einer Beruhigung vor Ostern und hat deshalb alle Reisen bis zum 19. April abgesagt, da eine reguläre Durchführung "zunehmend unmöglich" sei, wie Studiosus-Sicherheitsmanager Edwin Doldi sagt. Reisen, deren Rückreise bis 21. März geplant sei, werde man regulär zu Ende führen, alle anderen wolle man bis zum 22. März zurückholen, bisher benötige man die Hilfsflüge des Auswärtigen Amtes dazu nicht.

Teilweise hätten Länder von einem Tag auf den anderen Flüge nach Deutschland gekappt, erzählt Doldi, da habe man unter Hochdruck Rückflüge etwa von Marokko über Portugal organisieren müssen. Sobald die Krise vorbei sei, könne man innerhalb von zehn Tagen wieder Reisen anbieten, so Doldi. Dann hänge es aber davon ab, welche Länder wieder erreichbar seien. Für den Pfingsturlaub habe bislang kaum jemand storniert. Verbraucherschützer empfehlen, nun nicht voreilig zu stornieren. Je nachdem, ob die globale Reisewarnung bestehen bleibt, müssten dies die Veranstalter dann ohnehin tun.

© SZ vom 19.03.2020
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