Brasilien

In Brasilien gibt es seit zwei Jahren eines der strengsten Anti-Raucher-Gesetze weltweit. Rauchverbot gilt nicht nur in Restaurants und Kneipen, sondern auch unter den Sonnenmarkisen vor den Lokalen. Interessant sind aber weniger die Gesetze, sondern die Tatsache, dass sie vom Großteil der Bevölkerung befolgt werden - in Brasilien keine Selbstverständlichkeit. Zumal das größte Land Südamerikas zum Raucherparadies prädestiniert wäre. Das öffentliche Leben findet größtenteils unter freiem Himmel statt. Die Brasilianer sind auch nicht unbedingt für ihr ausgeprägtes Gesundheitsbewusstsein bekannt. Sie essen mächtig und fettig, nur Exoten kaufen Ökoprodukte, dafür wird rund um die Uhr umso mehr Bier getrunken. Gelegenheiten zum Rauchen gäbe es also genug, und Tabak ist billig. Eine importierte Schachtel Zigaretten kostet sieben Reais: 1,75 Euro. Nationale Marken sind noch günstiger. Trotzdem rauchen nur noch elf Prozent der Bevölkerung. Es mag an den heftigen Abschreckungsbildern auf den Packungen liegen. Vielleicht aber auch an der Wirtschaftskrise. Für sieben Reais kann man schon zwei Dosen Bier kaufen.

Boris Herrmann

Bild: Grafik Jessy Asmus/SZ.de 31. Mai 2016, 14:352016-05-31 14:35:26 © SZ.de/kaeb/rus