Japan

Rauchverbote obliegen in Japan den lokalen Behörden. Die Umsetzung ist Sache der Städte, in Tokio der 23 Stadtteile. Die Regeln können sich von einer U-Bahnstation zur nächsten ändern. In zwei Stadtteilen ist das Rauchen sogar auf der Straße verboten. Für die Unverbesserlichen, immerhin noch 19 Prozent der Japaner, gibt es Raucherecken, oft mit Getränke- und Zigarettenautomaten. In Letztere wurde Gesichtserkennungs-Software eingebaut, die das Alter der Käufer (mindestens 20) kontrolliert. Viele andere Stadtteile und manche Provinzregionen unternehmen hingegen wenig. Selbst in Tokios Stadtteilen mit strengen Regeln darf in vielen Restaurants weiter gepafft werden. Das ist Sache des Wirts. Manche Männer rauchen sogar weiter, wenn am Nebentisch eine schwangere Frau isst. Mit Müttern wurde das Werbeverbot begründet, das bis 1985 galt; dann privatisierte der Staat die Tabak-Industrie und erlaubte ihr Werbung.

Rauchen ist, wie fast alles in Japan, ein Gruppenphänomen. Wenn in einem Büro zwei oder drei Leute rauchen, gehen alle anderen Männer mit vors Haus oder in den Raucherraum im Keller ihres Büroturms. Nach der Kneipe rauchen manche Gruppen trotz Verbots auch auf der Straße, seltener sogar auf dem Bahnsteig. Weist sie jemand zurecht, am ehesten eine ältere Frau, drücken sie ihre Stummel mit schuldverzerrtem Gesicht aus. Und stecken eine Neue an, sobald die Frau weg ist.

Christoph Neidhart

Bild: Grafik Jessy Asmus/SZ.de 31. Mai 2016, 14:352016-05-31 14:35:26 © SZ.de/kaeb/rus