bedeckt München 16°

Emilia-Romagna:Wein aus goldenen Bechern

Eine Kaisertochter soll so begeistert vom Wein der Romagna gewesen sein, dass sie meinte, man solle ihn nur aus goldenen Bechern trinken. Welchen Wein die Emilia-Romagna zu bieten hat, zeigt heute die Weinkellerei der Region in Dozza.

Von Johanna Pfund

Der Legende nach verdankt der Ort Bertinoro seinen Namen der Kaisertochter Galla Placidia. Irgendwann im 5. Jahrhundert soll sie hier am Nordosthang des Apennins Wein gekostet und danach ausgerufen haben: "berti in oro", man solle diesen Wein aus goldenen Bechern trinken. Die Liebe zum Wein ist geblieben, in dem Ort gibt es heute immer noch um die 20 Kellereien, die unter anderem die autochthone Rebsorte Albana anbauen. Daneben gibt es auf dem Dorfplatz, der nicht weniger als eine fantastische Aussichtsterrasse über die Romagna ist, eine Besonderheit aus dem Mittelalter, die Säule der Gastfreundschaft. Damals waren Reisende äußerst willkommen, brachten sich doch Neuigkeiten mit. Um Streit übers Gastrecht zu vermeiden, brachten die wichtigen Familien des Ortes Eisenringe an der Säule an, die jeweils einer Familie zugeordnet waren. Band ein Reisender sein Pferd an einen Ring, gehörte er sozusagen der entsprechenden Familie. Von diesem Brauch ist man abgekommen, aber um den guten Ruf des Weines ist man immer noch bemüht.

Wie groß die Bandbreite ist, das lässt sich nicht weit entfernt von Bertinoro, in Dozza erkunden. Im Keller der Festung befindet sich der regionale Weinkeller der Emilia-Romagna. Und wer den Unterschied zwischen der Romagna und der Emilia nicht verstanden hat, der versteht ihn spätestens hier bei einem kleinen Vortrag. Die Emilia, das waren die großen Ländereien in der Poebene, oft von Klöstern kultiviert, die die Sümpfe trockenlegten und Flächen für die Milchwirtschaft schufen. Hier aß man Schwein, Rind und Käse, eher fettes Essen, und dazu gab es perlenden Wein, den Malvasier etwa oder den Lambrusco, auch den Pignoletto. Der Sangiovese hingegen, heißt es, der hätte nie in der Emilia geboren werden können. Diese Rebsorte gehört zur Romagna, die von einstigen römischen Soldaten besiedelt wurde, und die aßen bescheidener: den Fisch der Adria, Schaf und Oliven; der Einfluss Roms macht sich bis heute bemerkbar. (Infos: www.enotecaemiliaromagna.it; www.visitbertinoro.it)

© SZ vom 30.12.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema