Weihnachtschaos Air Madrid bleibt am Boden

Keine Flugerlaubnis mehr: Kurz vor den Feiertagen bangen in Spanien hunderttausende Flugpassagiere um ihre Flüge.

Von Jens Flottau

Die Fluggesellschaft, die am Freitag den Flugbetrieb einstellte, hat bis Februar nach Medienberichten 300.000 Tickets verkauft. Am Wochenende waren bereits mehrere Tausend Passagiere an ihren Urlaubsorten gestrandet oder konnten wegen der Flugabsagen nicht dorthin starten.

Fluggäste von Air Madrid warten in der Abflughalle des Madrider Flughafens Barajas auf Nachricht.

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Die spanische Regierung stellt inzwischen millionenschwere Forderungen gegen das Unternehmen. Es müsse die vom Staat gezahlten Kosten der Ersatzflüge für die etwa 120 000 gestrandeten Passagiere übernehmen, sagte Verkehrsministerin Magdalena Alvarez am Sonntag. Sie beliefen sich auf 6,5 Millionen Euro.

Über die Ursachen des Flugstopps streiten die Beteiligten heftig. Air Madrid und das Verkehrsministerium warfen sich gegenseitig Verantwortungslosigkeit vor und kündigten jeweils an, rechtliche Schritte einleiten zu wollen.

Das Ministerium hatte am Dienstag angedroht, dem Unternehmen die Lizenz zu entziehen, wenn es nicht bis Donnerstag einen Plan vorlege, wie die ständig wiederkehrenden Probleme behoben werden könnten.

Air Madrid legt den Behörden zur Last, dass durch die öffentliche Drohung die Buchungszahlen fast auf Null gesunken seien und Lieferanten sich weigerten, weiter für die Fluggesellschaft zu arbeiten. Dies habe es unmöglich gemacht, weiter zu fliegen. Das Ministerium "hat es geschafft, unser Image komplett zu zerstören und unser Unternehmen in eine schwere Krise gestürzt, die es uns unmöglich macht, weiter zu arbeiten", behauptet Air Madrid.

Die spanische Regierung hält dem Unternehmen vor, mit dem Flugstopp die Reisepläne Tausender zunichte gemacht zu haben. Am Samstag entzog das zuständige Ministerium der Firma dann aber selbst die Flugerlaubnis.

Rechtsanspruch kann nicht eingelöst werden

Die Passagiere befinden sich nun in einer äußerst misslichen Lage. Denn sie haben mit dem Kauf des Tickets zwar theoretisch einen Rechtsanspruch auf Beförderung, der aber praktisch kaum zu verwirklichen ist: Die Air-Madrid-Maschinen stehen am Boden. Selbst wenn andere Fluggesellschaften die Tickets akzeptieren würden, ist dies in der Zeit vor Weihnachten aussichtslos.

Die spanische Regierung wollte für die nächsten Tage Flugzeuge chartern, um wenigstens einige Tausend Reisende zu befördern. Ob geprellte Kunden jemals ihr Geld zurück bekommen, ist auch ungewiss. Sollte das Unternehmen Insolvenz anmelden müssen, würden nämlich die meisten anderen Gläubiger zuerst bedient.

Air Madrid gehört dem mallorquinischen Hotelier José Luis Carrillo und fliegt seit 2004 vor allem Ziele in Südamerika an. Die Fluggesellschaft betreibt neun Airbus-Flugzeuge, die meisten davon Großraumjets für die Langstrecke. Vor allem bei Privatreisenden, die Verwandte in Spanien oder Südamerika besuchten, war Air Madrid eine beliebte Alternative, weil sie oft günstigere Tickets anbot als die etablierte Konkurrenz.

Selbst-Demontage der Airline

Doch Air Madrid tat einiges, um den eigenen Ruf zu ramponieren. Regelmäßig fielen Flüge aus oder hatten tagelang Verspätung. An Check-In-Schaltern musste mehrfach die Polizei eingreifen, weil entnervte Passagiere auf die Bodendienstmitarbeiter loszugehen drohten.

Air Madrid-Chef Carrillo goss mit eher absurden Erklärungsversuchen Öl ins Feuer. Einmal beschuldigte er die Passagiere, zu viel Handgepäck mitzunehmen, sodass die Flugzeuge Zwischenstopps zum Auftanken einlegen müssten. Den spanischen Behörden riss zuletzt der Geduldsfaden.

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