WandernUnterwegs am Achensee

Lesezeit: 2 Min.

Fast wie ein nordischer Fjord zwängt sich der Achensee in die Furche zwischen Karwendel und Rofan. Der Verkehr rauscht am östlichen Ufer des größten See Tirols vorbei, doch kaum einer der Autoinsassen weiß, dass sich am Westufer eine Rarität verbirgt.

Stefan Herbke

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Wer als Bergsteiger nur den Blick offen hat für Gipfel und über den Achensee hinweg begehrlich auf die bekannten Spitzen von Rofan und Karwendel schielt, begeht sicher einen Fehler. Auch talnahe Wanderungen haben ihre Reize.

So führt am Westufer des Achensees ein einfacher und traumhaft schöner Wanderweg von Pertisau nach Achenkirch - dabei passiert man ein ehemaliges Steinölbergwerk.

Natürliche Medizin

Steinöl wird aus etwa 180 Millionen Jahre altem Ölstein gewonnen. Der im Ölstein vorkommende Fettstoff stammt von Fischablagerungen, wobei dem hohen gebundenen Schwefelgehalt eine vielfältige Wirkung zugeschrieben wird: Steinöl hilft u.a. bei Venenentzündung, Gicht, Ausschlag und Rheuma.

Entdeckt wurde das Vorkommen am Fuß des Seebergs 1902 sowie die Fortsetzung der ölhaltigen Gesteinsschicht im Bächental 1909 durch Martin Albrecht sen. Bis 1917 hat man hier hochwertigen Ölstein für medizinische Zwecke abgebaut. Das Bergwerk am Seeberg wurde im Frühjahr 1917 durch Lawinen zerstört und wegen Unrentabilität nicht mehr aufgebaut. 1983 wurde der Stollen für ein Schaubergwerk hergerichtet, dass allerdings mittlerweile wieder geschlossen wurde.

Stattdessen baute man ein Erlebniszentrum in Pertisau mit künstlichem Bergwerksstollen (www.vitalberg.at).

Die schöne Wanderung beginnt am Ortsrand von Pertisau und führt auf einem zu Beginn breiten Spazierweg direkt am Achenseeufer entlang. Nach etwa einer halben Stunde zweigt ein Serpentinenweg zum einstigen Steinölbergwerk ab, dessen Eingang sich gut 100 Meter höher am Fuß einer kleinen Felswand befand.

Entlang des Achensees zur Gaisalm

Der Weiterweg führt teils am, teils auf einem schmalem Steig am Fuß der mächtigen Flanke von Seeberg- und Seekarspitze, deren Abstürze tief in den glasklaren Achensee eintauchen. Ziel ist die bewirtschaftete Gaisalm, die idyllisch auf einer saftig grünen Wiese am Rand eines riesigen Schwemmkegels direkt am Seeufer liegt.

Einige steigen bereits hier in das Schiff, andere wandern weiter bis zum Hotel Scholastika. Rund neun Kilometer beträgt die Strecke zwischen Pertisau und dem Nordende des Sees, für die man rund drei Stunden veranschlagen sollte. Mit dem Schiff geht's abschließend zurück nach Pertisau, immer mit Blick auf den Achenseeuferweg.

Anfahrt: Nach Maurach entweder über die A8 bis Ausfahrt Holzkirchen und über Tegernsee, Kreuth, Achenpaß und Achensee, oder über die Inntal-Autobahn und die Ausfahrt Zillertal/Achensee. Von Maurach am Seeufer entlang nach Pertisau, gebührenpflichtiger Parkplatz.

Zeit: Insgesamt 2 Stunden

Schwierigkeit: Einfache Wanderung ohne große An- und Abstiege. Gut ausgebauter Weg, teilweise mit Stufen und an einigen Stellen mit einem Drahtseil gesichert. Auch für Kinder gut geeignet.

Einkehr: Gaisalm (938 Meter)

Karte: ÖK 119, Schwaz (1:50 000)

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