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Müll am Berg:Nicht ganz sauber

Brotzeit am Berg

Bergluft macht hungrig, da darf es manchmal ruhig ein bisschen mehr Proviant im Rucksack sein. Doch was mit hinaufkommt, sollte auch wieder herunter.

(Foto: mauritius/Westend61 )

Wanderer tragen ihren Plastikmüll vom Berg ins Tal - aber Bananenschalen, Essensreste und Taschentücher werfen sie in die Landschaft. Wahre Schmutzfinken der Berge sind trotzdem andere.

"Der ordentliche Bergsteiger vergräbt seinen Müll tief. Glas zerstößt er zu kleinen Scherben. Und Blechdosen tritt er erst platt und versteckt sie dann unter Steinen!" Diese Anleitung für den umweltbewussten Bergwanderer aus den 1960er-Jahren würde Naturschützer heute dazu bringen, in die bereitgestellten Mülltüten zu hyperventilieren. Inzwischen lautet die Maxime: Was der Wanderer mit auf den Gipfel bringt, nimmt er bitteschön auch wieder mit runter.

"Das waren andere Zeiten. Seitdem hat sich zum Glück einiges getan", sagt Peter Kapelari vom Österreichischen Alpenverein (ÖAV) und erzählt, wie er als junger Förster an der Sanierung einer Böschungsbefestigung teilnahm und entdeckte, womit der Hang gesichert worden war: mit rostenden Autos. Doch so hat man das eben früher gemacht, nach bestem Wissen und Gewissen.

Aktion "Haltet die Berge sauber"

Auf Plakaten und Bierdeckeln soll Wanderern klar gemacht werden, wie viel länger ihr Müll am Berg bleibt.

(Foto: Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen)

Wer weiß, ob in sechs Jahrzehnten nicht unsere Nachkommen ungläubig auflachen, wenn sie erfahren, dass wir Dinge mit auf den Berg genommen haben, die dort zu Müll geworden sind. Seit 1970 klären der Deutsche und der Österreichische Alpenverein darüber auf, wie Müll am Berg vermieden werden kann. Ein neuer Ansatz ist, entlang den Wanderwegen Gratis-Müllsäcke aus Maisstärke auszugeben, ein Material, das nicht selbst zum Problem werden kann. Der Bergreiseveranstalter DAV Summit Club wiederum gibt beispielsweise den sogenannten Drecksack an seine Kunden aus.

"Es gab Untersuchungen, warum Wanderer ihren Abfall nicht wieder einpacken: Sie wollten ihren Rucksack nicht dreckig machen", sagt Willi Seifert vom Naturpark Zillertaler Alpen. Seit es dort Müllbeutel-Stationen gibt, wurden pro Saison etwa 10 000 Säckchen gezogen, mit denen Abfall vom Berg gebracht werden kann. Mehr Mülleimer am Berg aufzustellen, bringt laut Seifert nichts. Diese würden schnell überquellen oder von Tieren geleert werden.

Nur ein paar Hundert Jahre, und die Aludose ist zersetzt

Dann landete der Müll doch wieder im Wald oder zwischen Felsen. Besonders oberhalb der Baumgrenze, wo es kalt ist und die Humusschicht fehlt, zersetzt sich Müll nur langsam. Eine Aludose würde, so man sie nicht wegräumt, Hunderte, eine Glasflasche Tausende Jahre überdauern. Ein Zigarettenstummel ist zwar schon nach ein paar Jahren aufgelöst, dafür hat er das Potenzial, 50 Liter Grundwasser zu vergiften. Auf Tafeln und Bierdeckeln informieren die Alpenvereine darüber.

Und sie setzen bei den Bergsteigern der Zukunft an: In den Zillertaler Alpen erhalten Kinder ein Rätselbuch, das ihr Umweltbewusstsein und damit auch das der Eltern schärfen soll. Dabei haben echte Bergsteiger ohnehin schon viel gelernt. Früher seien Müllsammelaktionen nach der Wandersaison üblich gewesen, sagt Thomas Bucher, Pressesprecher des Deutschen Alpenvereins. "Inzwischen machen das nur noch ein paar Sektionen, weil das Müllproblem nicht mehr so groß ist."

Also alles sauber in den Bergen? Nicht ganz.

Weggeworfener organischer Abfall und Papiertaschentücher sind nach wie vor ein Problem. Verrottet ja eh, denken viele - allerdings dauert das. Ein Taschentuch liegt fünf Jahre herum. Wer also am Berg ein dringendes Bedürfnis verspürt, sollte entweder dünnes Klopapier verwenden oder einen kleinen Beutel dabei haben und, wie es Hundehalter im Optimalfall auch tun, Hinterlassenschaften wie auch Hygieneabfälle einpacken. Auch Brotzeitreste sollte man nicht am Berg lassen.

Ausflügler müllen fröhlich weiter

Orangen- und Bananenschalen benötigen zum Verrotten bis zu drei Jahre, zudem sind sie oft gespritzt. Vor allem ist es eine ästhetische Frage: Weder Ei- noch Obstschalen sind schön anzusehen. Auch deswegen läuft in fünf österreichischen Regionen das Projekt "Alpen Littering": Bis Ende des Jahres wird untersucht, was weggeworfen wird. Im Frühjahr 2018 soll ein Handbuch Ideen aufzeigen, wie Müll weiter reduziert werden kann. Und das ist besonders entlang einfacher Routen mit beliebten Hütten oder rund um Bergstationen nötig.

Hier, so beklagen die Vereine, liege nach wie vor viel Müll, hinterlassen von Ausflugsgästen, die den Berg als Vergnügungspark betrachten. Dann sieht es dort so aus wie in den 1960er-Jahren - nur, dass das Glas nicht fein säuberlich zerstoßen wird.

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