Wandern im Süden von Grönland Kurze Wanderungen und Mehrtagestouren

Wer direkt aus Europa oder aus der Hauptstadt Nuuk dorthin reist, kommt gewöhnlich mit dem Flieger. Grönland hat keine Überlandstraßen. Das mobile Leben auf dem Land endet am Ortsende. Fast alles wird durch die Luft transportiert, und so fliegen Besucher zuerst in die Siedlung Narsarsuaq. Deren Landebahn ist eine von nur zwei auf der ganzen Insel, die lang genug für große Maschinen ist.

Jede Extrawoche Vegetationszeit eröffnet den Grönländern im Sommer neue Perspektiven für ihre Versorgung.

(Foto: dpa)

Von dort geht es weiter mit Schiffen. Diese fahren von Narsarsuaq zunächst ein paar Buchten weiter zum Anleger von Igaliku, der Ortschaft, in der Grandt sein Country Hotel betreibt. Genau genommen ist dies eher eine Herberge: ein Dutzend Zimmer, Bad auf dem Flur und davor die Gastwirtschaft, die jetzt voller Wanderer ist. Die jüngsten sind gerade erwachsen, andere um die 70, unter ihnen viele Dänen, ein paar Franzosen und Niederländer. Ankömmlinge stellen ihre Stiefel im Vorraum ab und tauschen ihre Erlebnisse des Tages aus. Die beiden isländischen Köchinnen servieren Kabeljau, dampfendes Brot aus dem Ofen und Salat.

Und Grandt erzählt. Das Besondere an Igaliku sei, dass man hier Pensum und Schwierigkeit seiner Wanderungen beliebig steigern könne. Mehrtagestouren führen zu den Gletschern der Eiskappe im Inland. Deren aschgraues Schmelzwasser spült ständig enorme Mengen des an den Kanten abbrechenden Eises ins Meer. Hartgesottene Trecker können 50 Kilometer nach Qaqortoq marschieren, zum größten Ort Südgrönlands, und sind dann fünf Tage allein in der Natur. Durch das Seengebiet Vatnahverfi gegenüber dem Igaliku-Fjord kann man wochenlang mit Zelt oder von Farm zu Farm wandern. Die Bauern von Igaliku und Umgebung verleihen Pferde an Touristen und halten Schafe und Kühe. Das ist ein gutes Geschäft für die zwei Dutzend Familien des Gebiets, obwohl alle Nutztiere im arktischen Winter sechs Monate lang in den Stall müssen.

Salat wächst nun auch im Freiland

Fast alles, was die Menschen am Polarkreis zum Leben brauchen, kommt aus dem 3000 Kilometer entfernten Dänemark. Feste Schiffs- und Flugverbindungen gibt es nur nach Island und auf den europäischen Kontinent, nicht aber in die USA oder nach Kanada. So sind Lebensmittel in Grönland sündteuer, und Milch, Käse oder Fleisch aus eigener Produktion der Renner. Zugleich gibt jedes Zehntelgrad steigende Temperatur, jede Extrawoche Vegetationszeit den Bewohnern neue Perspektiven für ihre Versorgung.

Man findet keinen Grönländer, der sich über diese Entwicklung nicht freut. Kartoffeln und Rüben reifen nun besser, seit Kurzem werden Salate und Kräuter auch im Freiland angebaut. Rhabarber ist Ende Juli reif. Bei Qaqortoq und dem Ort Narsaq liegen Testfarmen, auf denen Forscher mit neuen Sorten und Anbaumethoden experimentieren. Tomaten wachsen in Treibhäusern. Draußen, in den Gärten der 1500 Bewohner Narsaqs, wiegen sich üppige Sommerstauden im Wind. Im Volksmund heißt Südgrönland nun Bananenküste. Auch Wanderer profitierten von den wärmeren Tagen und dem beständigeren Wetter.