Wandern auf Teneriffa Ländlicher Tourismus boomt

Bei Carlos Quemada bleibt der Großteil der Ernte im Hotel. Frische Früchte, Gemüse und Marmeladen sind für seine Gäste. Die Weintrauben liefert er an Bodegas am Ort. Er blickt optimistisch in die Zukunft. "Einheimische und ausländische Gäste nehmen unser Angebot an", sagt er. "Turismo rural", der ländliche Tourismus, habe sich als Alternative zu den Bettenburgen herumgesprochen. Bergsportler schätzen zudem die gute Ausgangslage des Hotels für Radtouren oder Wanderungen. Etwa auf den 3718 Meter hohen Teide.

So technisch einfach der höchste Berg Spaniens in rund dreieinhalb Stunden zu besteigen ist, so tückisch kann er werden. Der Teide wächst als perfekter Kegel 1700 Meter hoch aus der Caldera Las Cañadas, einem 17 Kilometer langen Vulkankessel auf etwa 2000 Höhenmetern. Die Wolkendecke staut sich unterm Kesselrand wie an einer Glasplatte. Darüber, in stechender Höhensonne und stürmischem Wind, ist es surreal wüst wie auf dem Mond. Der Untergrund, den Humboldt als Sand beschrieb, besteht aus Schichten feinen Bimsgesteins. In den Händen liegt es leicht wie Schaum, unter den Wanderstiefeln knirscht es. Dann wird der Weg fester und steiler.

Hotel-Handtücher gegen eisigen Wind

Schneeflächen, von Sonne und Wind zu Eisplatten geschliffen, sind ohne Grödel nur mit Mühe zu überwinden. 170 Meter unterhalb des Gipfels, an der Bergstation der Seilbahn Teleférico del Teide, ist für die meisten Wanderer Schluss. Zum Schutz des Welterbes dürfen nur 200 Menschen pro Tag mit einer Genehmigung der Parkverwaltung hinauf, und wenn es zu vereist ist, niemand. Dafür transportiert die Seilbahn pro Stunde bis zu 300 Besucher von der Caldera auf eine Aussichtsplattform. Viele tragen nur Shorts und Flip-Flops. Manche schützen sich allein mit Hotel-Handtüchern gegen den Wind und Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Bis zum Refugio de Altavista gelangt niemand in diesem Aufzug. Wer in der Selbstversorgerhütte auf 3260 Metern Höhe übernachtet, darf ebenfalls auf den Teide-Gipfel, vorausgesetzt, er schafft es zwischen sechs und neun Uhr früh. Artemio Lorenzo passt auf, dass niemand verschläft. Der 58-Jährige mit dem wettergegerbten Gesicht ist einer von vier Hüttenwarten. Die größte Kälte, die er hier oben je erlebt habe, betrug minus 18 Grad, erzählt er. Und obwohl er schon seit sieben Jahren in der Wüstenei des Teide arbeitet, wird sie ihm nie langweilig. "Am schönsten finde ich es, wenn ich allein hier oben bin. Das Licht, die Sterne, die ganze Atmosphäre."

Massentourismus? Da steht er drüber.

Teneriffa SZ Karte Teneriffa SZ Karte

(Foto: SZ Grafik)
Informationen Teneriffa

Anreise: Flüge ab/bis Deutschland ab ca. 230 Euro.

Unterkunft: Refugio de Altavista, Stockbett ab 20 Euro, reservieren unterinfo@refugioaltavista.com oder Tel.: 0034/922 01 04 40.

Reisearrangement: Achttägige, geführte Inselüberschreitung auf den Spuren Humboldts mit Teide, p. P. ab 975 Euro ohne Anreise, buchbar beim DAV Summit Club, Am Perlacher Forst 186, 81545 München, www.dav-summit-club.de, Tel.: 089/64 24 01 96.