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Wandern auf der Sorrentiner Halbinsel:Vom Massentourismus verschont

St. Agata auf der Sorrentiner Halbinsel bildet das westliche Tor zur Amalfi-Küste. Doch abgesehen vom Hauptort Sorrent - ein Sehnsuchtsziel aller Italienreisenden, seit es die Engländer im 18. Jahrhundert entdeckt haben - blieb die gleichnamige Halbinsel vom Massentourismus weitgehend verschont. Unter den Kalkgipfeln der Monti Lattari dehnt sich fruchtbares Bauernland aus, mit mittelalterlichen Wachtürmen und hübschen Dörfern, die durch ehemalige Maultierpfade verbunden sind. Touristen können in Pensionen oder Agriturismo-Betrieben übernachten.

AMALFI-KÜSTE - "LAND WO DIE ZITRONEN BLÜHEN"

Der Blick auf die Amalfi-Küste in Italien ist pittoresk, vielleicht zu pittoresk. Im Sommer wimmelt es hier nur so vor Touristen. Einsamer und ruhiger ist hingegen das Hinterland.

(Foto: DPA)

Anstelle protziger Geländewagen kurven hier alte Fiat Pandas und die motorisierten Ape-Dreiräder mit Ladefläche durch die Gassen. Um die Wohnhäuser breiten sich Äcker und Gärten aus wie Flickenteppiche. An den Straßenrändern bieten Kleinbauern an, was auf den Feldern gedeiht: Artischocken, Tomaten, Auberginen, zu Bündeln gebundener Knoblauch und Zitronen. Letztere dienen vor allem zur Erzeugung von Limoncello. In den nahen Touristenzentren wird der klebrige Zitronenlikör zu Apothekenpreisen verkauft.

Die Jesuiten kultivierten hier erstmals im 16. Jahrhundert Zitronen", sagt Claudio Pollio. Das ummauerte Anwesen des Mittvierzigers liegt hinter einem Sträßchen, das von Massa Lubrense nach Marina della Lobra führt. Die Zitronenbäume wachsen hier unter fünf Meter hohen Gerüsten aus Kastanienholz. Nach dem Stroh, mit dem sie früher zum Schutz vor Hagel und Kälte bedeckt wurden, heißen die Gerüste Pagliarelle. Heute werden stattdessen Nylonnetze gespannt. Natürlich sei er dabei öfters heruntergefallen, sagt Pollio achselzuckend.

Er hat in Neapel Agrarwissenschaften studiert, fährt jedoch nur noch selten in die Stadt, weil ihm dort das Leben zu hektisch ist. Seine Zitronen, Wein und Olivenöl produziert der Bauer nach Biorichtlinien. "Früher hat hier noch der Ärmste 50 Liter Olivenöl unter seinem Bett gehortet. Heute kaufen die Leute das gepanschte Zeug im Supermarkt." Über einige Nachbarn, die ihre Olivengärten verwildern lassen, schüttelt Claudio Pollio verärgert den Kopf. "Die ganz Schlauen graben die Bäume aus und verkaufen sie in den Norden. Aber was soll ein 500-jähriger Olivenbaum dort in einem manikürten Garten?"