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Vulkan-Nationalpark in Neuseeland:Zum Schicksalsberg von Mordor

Neuseeland Ludwig See in der Vulkanlandschaft des Tongariro Nationalparks

Mindestens sieben bis acht Stunden dauert es, den Tongariro Nationalpark zu Fuß zu durchqueren - vorbei an leuchtend blauen Kraterseen und Geysiren, stets den 2287 Meter hohen Feuerberg Tongariro im Blick.

Der Tongariro-Nationalpark spielt im Film "Herr der Ringe" das düstere Reich Mordor - der echte Feuerberg ist noch sehenswerter.

Für zwei Schritte nach oben rutscht man auf dem Vulkangeröll unweigerlich einen bergab. Zäh lässt sich der Abstecher auf den Ngauruhoe an, doch der makellos blaue Himmel über dem Tongariro Nationalpark hat eine klare Botschaft parat: Jetzt oder nie!

Der 2287 Meter hohe Feuerberg ist das Sahnehäubchen auf der wohl schönsten Tageswanderung Neuseelands. Sieben bis neun Stunden Gehzeit, 19,4 Kilometer Länge, mindestens 800 Höhenmeter - das sind die Eckdaten der "Tongariro Alpine Crossing", die einen einzigartigen vulkanischen Mikrokosmos im Zentrum der Nordinsel erschließt.

Wer vom Nordende des Tracks losmarschiert, muss zwar mehr Höhenmeter investieren, bekommt aber dafür das große Finale zum Schluss serviert. Dampfsäulen aus den Te Maari-Kratern und den heißen Quellen von Ketetahi ziehen den Wanderern voran - ein Signal, dass die Urkräfte, die diesen Teil der Erde geformt haben, von Ruhestand nichts halten. Nur einer kleinen Rempelei zwischen der Indisch-Australischen Platte und der Pazifischen Platte 75 Kilometer unter der Erdoberfläche bedarf es, damit einer der Vulkane am pazifikumspannenden "Ring of Fire" zum Leben erwacht.

2012 war es im Herzen der Nordinsel soweit. Wie aus dem Nichts spuckte der Tongariro eine Wolke aus Asche und Schwefeldämpfen aus und sorgte für Panik auf den Wanderwegen. Gesteinsbomben durchlöcherten das Dach der Ketetahi-Schutzhütte, die man nach zweistündigem Aufstieg erreicht. Heute wird sie nur mehr als Unterstand genutzt.

Tongariro brannte der Region vor zwei Millionen Jahren die ersten Feuermale auf. Längst ist der "Vater der Vulkane" erodiert, seine Wut findet in einem Wirrwarr von Kratern, Rissen und Fumarolen sein Ventil. Im Gegensatz dazu stellt der Ngauruhoe, der die Skyline auf dem Vulkanplateau beherrscht, einen nahezu perfekten Kegel zur Schau. "Nar-aa-ho-ii" - so wird die Schönheit ausgesprochen - befeuerte auch die Phantasie der Maoris.

Einst, so heißt es in einer Legende der Ureinwohner, wollte der Priester Ngatoro-i-rangi den Anspruch seines Stammes auf das Gebiet um den Lake Taupo mit einer Besteigung der Tongariro-Berge untermauern. Nur die Sklavin Auruhoe sollte ihn auf den Gipfel begleiten. Als der im Tal zurückgebliebene Tross das ihnen auferlegte Fastengebot missachtete, geriet der Vulkangott Ruaumoko in Rage und schickte einen verheerenden Schneesturm über das Land. Die Götter der sagenumwobenen Urheimat Hawaiki setzten zwei Feuerdämonen in Marsch, die dem Priester zu Hilfe eilten.

Wo immer sie auftauchten, begann die Erde zu brodeln. So entstanden die Vulkaninsel White Island, die Geysire von Rotorua und die Feuerberge von Tongariro. Mit heißem Dampf, den sie an die Oberfläche bliesen, retteten die Dämonen Ngatoro-i-rangi vor dem Erfrierungstod. Er opferte ihnen dafür Auruhoe. Seither trägt der mit 7000 Jahren jüngste der Tongariro-Vulkane ihren Namen.

Rostrot, schokoladenbraun, basaltgrau und pechschwarz sind die Farben der vulkanischen Hochebene. Ein Land wie geschaffen für Peter Jackson, der um die Jahrtausendwende einen möglichst trostlosen Schauplatz für den Showdown seiner "Der Herr der Ringe"-Filmtrilogie suchte. Tricktechnisch aufgemotzt wurde der Ngauruhoe zum "Schicksalsberg" - zum Mount Doom, in den der Hobbit Frodo den Ring wirft, um Mittelerde vor der Versklavung durch den dunklen Herrscher Sauron zu bewahren.

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