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Vorurteile über Kreuzfahrten:Massenabfertigung im schwimmenden Clubhotel?

Kreuzfahrten Vorurteile

Die Taxischlange wartet schon auf die zahlungskräftigen Passagiere.

(Foto: Popp)

Muss man auf dem Kreuzfahrtschiff immer mit der Masse mitlaufen? Und haben Ruhebedürftige eine Chance, den Animateuren zu entkommen?

Vorurteil 6: "Kreuzfahrten sind nichts für Individualtouristen, sondern Massenabfertigung."

Das Konzept an sich spricht gegen Individualtourismus, schließlich sind die Rahmenbedingungen sehr eng gesteckt: Hunderte Urlauber müssen zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten sein - und alle zufrieden gestellt werden.

Eigene Erfahrung: Überzeugte Rucksacktouristen werden sich schwer in die Gruppe Mountainbiker einreihen, die dem Scout bergauf und -ab auf teuren Hightech-Rädern mit buntem Reederei-Logo folgt und sie werden ebenso ungern mit 30 Mitreisenden in einem Bus auf "Das Beste von..."-Tour gehen. Massentouristische Aspekte lassen sich bei einer Kreuzfahrt nicht umgehen. Wenn ein oder mehrere Schiffe in einem Hafen anlegen, warten häufig bereits lange Taxischlangen auf die Kunden. Tausende Passagiere strömen gleichzeitig in die Orte.

Dort gilt aber: Jeder kann seinen Ausflug individuell gestalten, geführte Touren sind nicht verpflichtend. Ab und an gelingt es so tatsächlich, auf eigene Faust einen kleinen Fischerort zu entdecken, ohne dabei auf mitreisende Kreuzfahrer zu treffen.

Das Bordleben hingegen ist auf die enormen Kontingente ausgerichtet und standardisiert. In den Kabinen dominiert schlichtes Design. Die Buffetrestaurants servieren statt einheimischer Spezialitäten internationale Küche. Immerhin: Neben den aus Clubhotels bekannten Pommes und Spaghetti gibt es kulinarisch abwechslungsreichere Speisen - von asiatischen Meeresfrüchtesalaten und Currys über Churrasco bis zu mexikanischen Burritos.

Vorurteil 7: "Die Schiffe sind wie Clubhotels, man muss ständig aufdringliche Animateure abwimmeln."

Kreuzfahrtschiffe sind - egal ob Luxusdampfer mit älteren Gästen oder Partyschiff im Mittelmeer - tatsächlich schwimmende Clubhotels. Wer die einsame Poolliege sucht, um dem Meeresrauschen zu lauschen, wird enttäuscht. Allerdings gibt es auf einigen Decks ruhigere Bereiche, in denen keine Animateure zum Volleyball, Dart oder Cocktailmixen rufen.

Eigene Erfahrung an Bord: Grundsätzlich gilt für alle Angebote: Jeder kann, keiner muss mitmachen. Die Mehrzahl der Reisenden sucht und schätzt das "Clubgefühl", angefangen mit gemeinsamen Aktivitäten bis zum unvermeidlichen Clubsong und -tanz. Ansonsten reicht ein "Nein, danke", um wieder seine Ruhe zu haben.