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Ende der Reise:Jedem seinen Vogel

Knapp die Hälfte der heimischen Vögel gefährdet - Großer Brachvogel

Ausdauernder Flieger mit langem Schnabel: der Große Brachvogel.

(Foto: Hubert Link/dpa)

Muss es wirklich der Kranich sein? Vielleicht wäre ein anderer Vogel als Lufthansa-Logo viel passender.

Von Eva Dignös

Es ist schon in Ordnung, sich als Fluggesellschaft mit einem Kranich zu schmücken. Schließlich handelt es sich um echte Langstreckenflieger, die mit ihren zwei Metern Spannweite auch mal 2000 Kilometer am Stück schaffen, wenn es im Herbst in die Winterquartiere am Mittelmeer geht. Ausdrucksstark balzen können Kraniche auch, mit ausgebreiteten Schwingen und lautem Trompeten. Keine ganz unwichtige Fähigkeit, wenn es während einer Pandemie um staatliche Finanzspritzen geht.

Seit mehr als 100 Jahren gibt es das berühmte Logo, das auf dem Leitwerk der Lufthansa-Maschinen prangt, entworfen vom Grafiker Otto Firle für das Vorgängerunternehmen Deutsche Luft-Reederei. Pure Dynamik, den schlanken Hals nach oben gereckt, die Schwingen weit gespreizt, als wäre der Vogel direkt dem Windkanal entflogen.

Doch es gibt da noch ein Federvieh, das als Airline-Signet geeignet wäre, untermauert von brandaktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen: Beim Großen Brachvogel, einem langschnabeligen Bewohner des Wattenmeers, entdeckte ein Team des Forschungs- und Technologiezentrums Westküste der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel erstaunliche innere Werte. Die Wissenschaftler setzten 23 Tieren GPS-Sender ins braungefleckte Federkleid, um Informationen zu Position, Flughöhe und Fluggeschwindigkeit zu sammeln. Im April und Mai sind die Tiere nämlich auf der Langstrecke unterwegs in ihre mehrere Tausend Kilometer entfernten Brutgebiete in den Hochmooren im Westen Russlands.

Jetzt möchte man meinen, dass ein vernünftiger Vogel so eine anstrengende Reise in Angriff nimmt, wenn die Witterung günstig ist, schließlich hat man am Ziel eine herausfordernde Aufgabe. Auf zwei Wochen mehr oder weniger sollte es da nicht ankommen. Doch ganz gleich, ob Sonne, Regen oder Sturm von vorn: Die Tiere brachen so pünktlich und zuverlässig auf, als stünde der Check-in-Termin im Kalender. Und noch viel erstaunlicher: Sie kamen auch pünktlich an. Selbst auf Gegenwind pfeift der Brachvogel, steigt einfach ein bisschen höher hinauf und segelt im Jet-Stream dahin. Ein echtes Vorbild, eines Airline-Logos würdig.

Wobei ein Flugkünstler - ob pünktlich oder windschnittig - ohnehin nur falsche Erwartungen weckt. Ein Stubenküken, nicht im Freien aufgewachsen, sondern im Zimmer durchgefüttert, wäre derzeit wohl die passendere Wahl.

© SZ/mai
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