Versailles in Florida Luftschloss im Angebot

Ein Betreiber von Feriensiedlungen wollte sich in Florida eine Art Versailles bauen. Leider war er weniger erfolgreich als der französische Sonnenkönig.

Von Karin Prummer

Es war einmal ein reicher Amerikaner, der in den Flitterwochen in das schöne alte Europa flog und sich dort in das französische Schloss Versailles verliebte. Ganz benommen kehrte er wieder zurück nach Amerika und fing an, es in Florida nachzubauen. Leider war das Geld schon aus, als gerade mal der Rohbau fertig war. Darum muss er nun verkaufen. Das Märchen ist abrupt zu Ende.

23 Bäder, 13 Schlafzimmer und eine Grotte: "Versailles" in Orlando sucht einen Käufer.

(Foto: bildextern)

Doch immerhin bleibt ein Superlativ: Die Villa ist angeblich das größte Einfamilienhaus der USA, das gerade zu haben ist. Der bisherige Besitzer heißt David Siegel, ist Mitte 70 und hat in der Immobilienbranche angeblich Milliarden verdient. Vor ein paar Jahren ehelichte er seine 30 Jahre jüngere Freundin Jacqueline, eine ehemalige Schönheitskönigin. Die beiden bekamen acht Kinder. "Wir wollten einfach ein Haus für unsere ganze Familie bauen", sagte Jacqueline Siegel vor einer Weile der US-Elternzeitschrift Playground Magazine. Irgendwie seien immer mehr Wünsche hinzugekommen, und das Haus sei dadurch immer größer geworden.

Sieben Jahre soll nun schon an ihrem "Versailles" gebaut worden sein. Es liegt in einem Vorort von Orlando in Florida am Südufer eines Sees und hat, was ein modernes Schloss so braucht: 23 Badezimmer, 13 Schlafzimmer, zehn Küchen, drei Swimmingpools, eine Garage für 20 Autos, ein Kino, eine Spielhalle, ein Baseballfeld, zwei Tennisplätze und selbstverständlich eine Grotte mit Wasserfall. Die Außenansicht und die geschwungene Einfahrt zum Haupteingang sind dem echten Versailles nachempfunden.

Ganz einig sind sich Makler nicht, was von Siegels Immobilie zu halten ist. "Ein Paradebeispiel für den Größenwahn" auf dem amerikanischen Häusermarkt, schimpfen es die einen. "Ein lebendiges Stück Kunst", loben es die anderen.

Zwar hat Siegel noch keinen Grund genannt, warum er Versailles nun loswerden will. Aber die US-Medien sind sich einig: Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat Siegels Unternehmen hart getroffen. Wie das Wall Street Journal berichtet, wurden in Siegels Firma Westgate Resorts, die Feriensiedlungen betreibt, bereits Mitarbeiter entlassen. Der Firmenchef wolle nun sein ganzes Geld zur Rettung seines Unternehmens einsetzen, heißt es. Schon seit Anfang des Jahres wird am Schloss nicht weitergebaut.

Wenn jemand in einer Immobilienkrise sein Haus verkaufen muss, ist das doppelt bitter. Die Villa gilt unter US-Luxusmaklern als Schnäppchen. Für 75 Millionen Dollar (61 Millionen Euro) ist der Rohbau zu haben. Muss nur noch jemand kommen, der deutlich mehr Geld hat, denn allein 25 Millionen wird der neue Besitzer brauchen, um aus dem Rohbau ein bezugsfertiges Schloss zu machen.

Selbst die Mitarbeiter der beauftragten Agentur Coldwell Banker waren skeptisch, ob sich da so viele melden werden, heißt es. Nun aber habe man "Anfragen aus aller Welt bekommen, mehr als wir dachten". Vielleicht liegt das ja an Details wie diesem: In der Mitte des Hauptschlafzimmers ist im Boden bereits eine Vorrichtung eingelassen. Darauf passt ein großes Bett, das sich langsam dreht, während man im Liegen durch eine Glaskuppel in den Sternen.himmel blickt.

Im Spiegelsaal von Versailles

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