Verkehr in Florenz:Eine Linie teilt die Kunststadt

Lesezeit: 3 min

In Florenz herrscht also dicke Luft, und das auch nicht erst seit gestern. Als der Marquis de Sade hier 1775 eintraf, stellte er fest, dass die Einwohner "mager und blass" seien und wegen der "ganzjährigen schlechten Luft" zur Schwindsucht neigten.

Verkehr in Florenz: Motorroller knattern durch die Innenstadt von Florenz.

Motorroller knattern durch die Innenstadt von Florenz.

(Foto: Foto: iStock)

Die Schwindsucht hat man heute im Griff, die schlechte Luft nicht. Das liegt am Zusammenspiel einer verhängnisvollen Tal-Kessel-Lage mit einem chaotischen Verkehrsaufkommen, das jeder Tourist am eigenen Leib spürt, wenn er die Stadt am Arno besucht.

Um Linderung zu schaffen, hat die Kommune bereits vor einigen Jahren eine Innenstadtzone eingerichtet, in die eigentlich nur Anwohner und Pendler mit Sondergenehmigungen für den Weg zum Arbeitsplatz fahren dürfen.

Doch die Ausnahmen waren bald die Regel, und zusätzlich wird die Stadt immer stärker vom Strom der knatternden Mopeds und Motorräder belästigt.

Außerdem geht es nicht nur um die Luft, sondern schlicht ums Geld: Nach einer Untersuchung der Region Toskana gehen im Jahr 100000 Arbeitsstunden durch Verkehrsprobleme wie Stau und Parkplatzsuche verloren.

Drei große Straßenbahnverbindungen (zwei zu Vororten wie Scandicci sowie zum Flughafen, eine im Zentrum selbst) sollen nun Abhilfe schaffen. Vorausgesetzt, die Florentiner stimmen zu. Das Ergebnis dieser von Oppositionsgruppen nach einer Sammlung von 15000 Unterschriften erzwungenen Volksbefragung ist als "beratendes Referendum" einerseits nicht bindend, andererseits aber kaum zu übergehen.

Bürgermeister Leonardo Domenici warnt bereits: Dies sei ein Zusammenstoß zwischen Reformern und Ewiggestrigen, zwischen denen, "die etwas verändern wollen und denen, die sich dem Status quo ausliefern".

Pro und contra Tram: Wer glaubt, dass in diesem Referendum die Verhältnisse ganz klar sind, der vergisst, wo er sich befindet. Mit "Ja" stimmt in Florenz, wer dagegen ist. Genauer gesagt dafür, dass die Linienstrecke durch das historische Zentrum aufgehoben wird. Und wer für die Tram ist, muss "Nein" sagen. Es ist durchaus verwirrend. In Florenz, schrieb der Schriftsteller Curzio Malaparte einmal, seien eben "Sonderbarkeiten aller Art zu Hause".

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB