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Vereinigte Arabische Emirate:Volatile Lage

Tourist standing on dune next to off-road vehicle with his driver, Wahiba Sands, Oman model released Symbolfoto PUBLICAT

An Dubais Stränden oder in der Wüste Omans - hier die Wahiba Sands - bekommen Touristen von den aktuellen Spannungen in der Region nichts mit.

(Foto: imago images/Westend61)

Am Persischen Golf ist die Stimmung nach dem Flugzeugabschuss in Teheran und Drohungen der irakischen Führung weiterhin angespannt.

Das Jahr begann auf der Arabischen Halbinsel alles andere als gewöhnlich: Der Flughafen der Wüstenmetropole Dubai, ein Drehkreuz für fast 90 Millionen Passagiere im Jahr, stand unter Wasser. Hunderte Passagiere, von denen viele weiter nach Ost- und Südostasien, Indien oder Australien fliegen wollten, mussten bis zu 15 Stunden warten, bis es weiterging. Dabei wollten vor allem die US-Bürger nur eines: schnell weg.

Der US-Drohnenanschlag auf Irans General Qassim Soleimani Anfang Januar in der irakischen Hauptstadt Bagdad versetzte die Menschen in der Region in Alarmbereitschaft. In den sozialen Netzwerken kursierte nach dessen Tod tagelang der Hashtag "Dritter Weltkrieg". Sogar im Sultanat Oman, wo man sich aus geopolitischen Fragen gerne heraushält und das deshalb auch "Schweiz des Mittleren Ostens" genannt wird, sprach man im Radio nur noch über diese eine Nachricht - und die möglichen Folgen.

Einige Tage später drohten die Al-Quds-Brigaden, die für Auslandseinsätze zuständige Elitetruppe der iranischen Revolutionsgarden, den "Verbündeten der USA" im Nahen Osten mit Vergeltung. Ganz oben auf der "Abschussliste" stünden Dubai, wo im November die Weltausstellung Expo beginnt, sowie die israelische Hafenstadt Haifa. Die Iran-Expertin Sanam Vakil vom britischen Thinktank Chatham House sieht darin eine gezielte "Eskalationskampagne Irans", wie sie der Süddeutschen Zeitung mitteilte. Auf diese Weise habe man die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien unter Druck setzen wollen, damit die wiederum beruhigend auf ihren Verbündeten in Washington einwirken. Diese Hebelwirkung setze Iran in Krisenzeiten gerne ein, so Vakil.

Eine militärische Eskalation würde dem Tourismus in Dubai schaden

Immerhin ist der Golf eine sehr verletzliche Region. Eine militärische Eskalation würde der als sicher geltenden Touristenhochburg Dubai immensen Schaden zufügen. Mehr als drei Viertel der drei Millionen Einwohner der Wirtschafts- und Handelsmetropole sind Ausländer, bei einem Krieg würden diese aus der Region wegziehen. Britische Boulevardblätter riefen ihre Landsleute sogar dazu auf, Dubai zu verlassen.

Auch deshalb setzt Abu Dhabi in den vergangenen Monaten auf Deeskalation mit Teheran. Anfangs betrieb Mohammed bin Zayed, der Kronprinz von Abu Dhabi und De-facto-Herrscher der Vereinigten Arabischen Emirate, die US-Politik des maximalen Drucks gegenüber Teheran maßgeblich mit. Doch die erratischen Ausbrüche von Präsident Donald Trump sowie dessen America-first-Denke brachten den einflussreichen Strippenzieher wohl zum Umdenken.

Zwar beruhigte sich die Lage, nachdem Trump keine weiteren Militärschläge gegen Iran angekündigt hatte, doch vor allem in Iran können regierungskritische Proteste jederzeit wieder aufflammen. Das Auswärtige Amt beschreibt die Sicherheitslage in der Region nach dem Anschlag als "volatil", sie könne sich "weiterhin sehr schnell verändern".

Was Urlauber in der Region deshalb wissen sollten: Im Gegensatz zu europäischen Fluglinien fliegen lokale Fluggesellschaften wie Emirates, Etihad, Qatar Airways oder Oman Air weiterhin über Iran und Irak. Nur wenige Fluggesellschaften haben Konsequenzen aus dem Abschuss der ukrainischen Passagiermaschine gezogen: Bahrains Gulf Air fliegt Ziele aus Europa nun über Saudi-Arabien und Ägypten an.

© SZ vom 23.01.2020
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