Vereinigte Arabische Emirate Der vergoldete Volkspalast

Die Front des Hauses ist insgesamt einen Kilometer lang.

(Foto: Foto: Emirates Palace)

Seit jeher Paradiese abgetrotzt

Sowas gibt es in Deutschland nicht, sagt Willy Optekamp und erinnert sich an den Koblenzer Hauptbahnhof, der seit Jahren umgebaut wird. Pleiten und endloser Streit um Konzepte und Kompetenzen. Der Westen hat nicht verstanden, was hier geschieht. Wir fühlen uns den Arabern überlegen, ärgern uns, dass sie auf dem Öl sitzen. Aber es steht schon in der Bibel, die Ärmsten werden die Reichsten sein. Die Perlenhändler am Golf waren lange vor dem Ölboom reich. Seit jeher haben die Araber der kargen Landschaft ihrer Halbinsel Paradiese abgewonnen.

Es ist ein sehr europäischer Blick, sich über die Luxuswelten in der Wüste lustig zu machen. Eine Welt ohne Arme und Arbeitslose mag uns verdächtig vorkommen. Die Kehrseite ist bekannt: Die Herrschaft der Familienclans, die Frauen in Burkas, die harten Bestrafungen für indische und ostasiatische Gastarbeiter, wenn sie gegen die Gesetze verstoßen, kollidieren mit den Prinzipien der geschriebenen Grundgesetze in westlichen Demokratien. Vielleicht wäre ein Anfang im Dialog zwischen Okzident und Orient gemacht, wenn der Westen von seinem Podest der Überlegenheit im Namen der Aufklärung herunter käme, die, wie wir wissen, ihre finstere Dialektik hat.

Die Gäste werden von einer eigens gecasteten Modelgarde empfangen, erzählt Willy Optekamp unter der großen Kuppel der Empfangshalle. Insgesamt 34 Mädchen aus allen Kontinenten, darunter auch eine Deutsche im Dirndl, stehen den Anreisenden vom Check-in bis zum Betreten ihres Zimmers zur Seite. Wir haben, erklärt Optekamp, dreihundert der siebenhundert Standards, die ein Leading Hotel ausmachen, erhöht. Wir wollen das alte Grandhotel wieder aufleben lassen. Für jeden Handgriff des Gastes eine Hilfe. Wünsche werden von den Augen abgelesen.

Visitenkarten genutzt

Allerdings nicht, wenn den Herren angesichts von Willys weiblichem Empfangskomitee die Augen übergehen. Einige der Mädchen haben bereits ihr Rückflugticket in der Tasche. Sie haben Visitenkarten entgegengenommen und diese auch genutzt.

Willy Optekamp hat 18.000 flamingofarbene Rosen als Eröffnungsschmuck geordert. Christoffle hat noch nicht geliefert. Keine Bestecke, keine Gläser, und in Kürze sind Hunderte von Vips zu Gast. Auch das Mobiliar in den Konferenzzentren entspricht nicht der Vorstellung des Chefs. Probleme, die man nicht lösen kann, muss man ausklammern, ist Optekamps Devise. Die Gäste müssen erst einmal mit herkömmlichem Besteck auskommen oder mit Stäbchen. Davon sind genug da.

Wovon träumt man, wenn man in einem solchen Gebäude übernachtet? Von Sheherazade, von Märchen aus 1001 Nacht? Von der eigenen Ölquelle? Von Butlern, die an einem herumzupfen, einen baden und dann die Krawatte gerade rücken? Man kann hier im Traum und in der Wirklichkeit in eine Welt starten, die es eigentlich nicht gibt, und bei der Abreise wieder in der normalen landen. Sehr hart.