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Venedig:Riesen mit gefährlichem Tiefgang

Trotzdem will die Stadt viel Geld ausgeben für den Ausbau. 260 Millionen Euro soll das Ausbaggern der Fahrrinnen kosten, wie aus Papieren des Senats von Venedig hervorgeht, den die Umweltgruppe einsehen konnte. Die Stadtverwaltung hält diesen Aufwand für notwendig, um den Hafen für den Tourismus und den Frachtverkehr attraktiver zu machen und nicht den Anschluss an andere europäische Hafenstädte zu verlieren.

Umweltschützer und alteingesessene Venezianer sind entsetzt, dass die ohnehin vom Hochwasser geplagte Stadt weiteren Gefahren ausgesetzt werden soll. Denn durch die vergrößerten Fahrrinnen, argumentieren Kritiker der Ausbaupläne, fließe bei entsprechender Strömung zu viel Wasser in die Lagune. Die modernen Kreuzfahrtschiffe schlagen nicht unbedingt hohe Wellen, aber sie verdrängen mit ihrem Tiefgang von mehr als zehn Metern große Wassermassen, die in die schmalen Kanäle drücken und Schlamm aufwirbeln, so dass Häuser beschädigt werden.

Millionen-Vertrag mit Coca-Cola

Die Hafenbehörde weist die Befürchtungen zurück. Ihre Wunderwaffe gegen steigende Pegelstände heißt "Moses". Ab 2014 sollen hydraulische Fluttore am Laguneneingang die Wassermassen fernhalten. Nicht alle Experten glauben, dass dies funktioniert. Denn wenn "Moses" zum Einsatz kommt, sitzen alle Schiffe fest - und die Reisepläne der Kreuzfahrtriesen sind so eng kalkuliert, dass die Schiffe oft nur wenige Stunden in einem Hafen liegen, Verspätungen werden teuer. Die Barriere werde wohl nur dann geschlossen, wenn besonders dramatisches Hochwasser drohe, befürchtet Luigi D'Alpaos von der Universität Padua.

Zudem ist die Finanzierung des Staudamms nach wie vor nicht gesichert. Das Schleusensystem wird die Stadt mehr als 650 Millionen Euro kosten. Dieses Geld fehlt, um für die Erhaltung von Kirchen und Häusern zu sorgen. Bürgermeister Massimo Cacciari versucht bereits, mit Sponsoren-Geschäften Geld einzutreiben.

Venedig hat einen Millionen-Vertrag mit Coca-Cola ausgehandelt: In den nächsten fünf Jahren kann der US-Konzern 60 Getränke- und Snackautomaten in der Touristenstadt aufstellen. Dafür pumpt der Sponsor 2,1 Millionen Euro in die Lagunenstadt. Für die Kritiker ist das aber nur ein weiterer Beleg für die schleichende Verschandelung der Stadt.

© SZ vom 08.09.2009/af
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