Reisen in die USA:Go West

Lesezeit: 4 min

USA: Monument Valley mit den roten Felstürmen

Das Monument Valley mit seinen roten Felstürmen aus Sandstein ist Pflichtprogramm für viele USA-Reisende bei ihrem Roadtrip durch den Westen.

(Foto: Mladen Antonov/AFP)

Endlich wieder in die USA: Ab 8. November dürfen geimpfte Urlauber einreisen. Welche Regeln gelten und welche Dokumente verlangt werden - ein Überblick.

Von Eva Dignös

Eineinhalb Jahre lang war der Deutschen liebstes Fernreiseziel nahezu unerreichbar. Im März 2020 hatte der damalige US-Präsident Donald Trump wegen der Corona-Pandemie ein weitreichendes Einreiseverbot verhängt, sein Nachfolger Joe Biden bestätigte es im Januar 2021. Vor Corona flogen pro Jahr rund zwei Millionen Urlauber aus Deutschland nach New York und San Francisco, zum Grand Canyon oder in den Yellowstone-Nationalpark, nach Florida oder Kalifornien, fuhren im Mietwagen die Pazifik- oder Atlanktikküste entlang oder einmal quer durchs ganze große Land. Nun dürfen sie wieder kommen: Die US-Regierung lockert die strengen Regeln. Doch für wen und unter welchen Bedingungen? Die wichtigsten Änderungen im Überblick.

Wer wieder in die USA darf

Die Impfung ist die Eintrittskarte: Mit vollständigem Corona-Schutz dürfen Reisende aus dem Ausland von 8. November an wieder in die USA. Die neuen Regeln gelten für Ankünfte mit dem Flugzeug. Wichtiges Detail für alle, die es ganz eilig haben: Der Flieger darf frühestens am 8. November nach Mitternacht US-Ostküstenzeit in Richtung USA gestartet sein.

Akzeptiert werden nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC alle Impfstoffe, die eine Zulassung oder Notfallzulassung der US-Arzneimittelbehörde FDA oder der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekommen haben. Dies gilt derzeit für die Präparate von Biontech/Pfizer, Astra Zeneca, Moderna, Johnson&Johnson, Sinopharm und Sinovac. Kreuzimpfungen mit zwei unterschiedlichen Vakzinen aus dieser Liste werden ebenfalls anerkannt. Genesene gelten in den USA im Unterschied zu Deutschland erst nach zwei Spritzen als vollständig geimpft, sofern sie nicht das Präparat von Johnson&Johnson erhalten haben, bei dem grundsätzlich eine Spritze genügt. Die letzte erforderliche Impfung muss mindestens 14 Tage zurückliegen.

Von der Impfpflicht ausgenommen sind Kinder unter 18 Jahren. Ohne Immunisierung einreisen dürfen außerdem Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können. US-Bürger sind ebenfalls befreit.

Zusätzlich wird ein negativer Corona-Test verlangt, der maximal drei Tage alt sein darf, wenn man vollständig geimpft ist, und maximal einen Tag bei Ungeimpften, beispielsweise Kindern. Sowohl Antigen- als auch PCR-Tests werden akzeptiert. Nur Kinder unter zwei Jahren sind von der Testpflicht ausgenommen. Wer in den 90 Tagen vor seiner Abreise mit dem Coronavirus infiziert war, kann statt eines aktuellen Tests auch den Nachweis über den positiven PCR-Test aus der Zeit der Infektion sowie ein Attest über die Reisefähigkeit vorlegen. Von 6. Dezember an dürfen sämtliche Tests nur noch maximal 24 Stunden vor Abflug gemacht worden sein, wie die Seuchenschutzbehörde CDC mittlerweile in Reaktion auf die Omikronvariante angeordnet hat.

Mit Hilfe einer Checkliste auf der Webseite der US-Gesundheitsbehörde lässt sich mit wenigen Klicks überprüfen, ob der eigene Status zur Einreise berechtigt.

Welche Nachweise verlangt werden

Bei Reisen in Europa ist der Griff zum Handy mit dem EU-Impfzertifikat schon Routine. Es wird bei der Einreise in die USA ebenfalls akzeptiert, in digitaler wie in ausgedruckter Form. Anerkannt werden zudem andere Nachweise, sofern sie von offiziellen Stellen ausgestellt wurden und den vollen Namen und das Geburtsdatum enthalten sowie Informationen über die ausstellende Institution, den benutzten Impfstoff und die Daten der Injektionen. Neben ihrem Impfnachweis müssen Reisende ihre Kontaktdaten hinterlegen. 30 Tage lang sollen die Airlines sie speichern.

Wichtig bei der Rückkehr nach Deutschland: Die Bundesregierung hat die USA wegen hoher Infektionszahlen im August als Hochrisikogebiet eingestuft. Obligatorisch ist deshalb vor dem Rückflug die Online-Registrierung unter www.einreiseanmeldung.de, außerdem muss eines der drei G - geimpft, getestet, genesen - nachgewiesen werden. Mit Impf- oder Genesungsausweis entgeht man der eigentlich geltenden Quarantänepflicht, ansonsten endet sie frühestens nach fünf Tagen.

Wie die Airlines und Reiseveranstalter reagieren

Kaum hatten die ersten Informationen über die Aufhebung des "Travel ban" im September die Runde gemacht, lagen schon die ersten Werbemails von Fluggesellschaften im E-Mail-Postfach. Offenbar eine gute Strategie: Die Nachfrage nach Flügen in die USA habe sich mehr als verdoppelt, hieß es in den Tagen danach bei Condor, die Lufthansa meldete ein Plus von 40 Prozent. Auch beim auf Nordamerika spezialisierten Reiseveranstalter Canusa Touristik registriert man deutlich mehr Interesse: "Wir hatten nach Bekanntgabe der Öffnung innerhalb eines Tages so viele Anfragen wie normalerweise in zwei Wochen", sagt Geschäftsführer Tilo Krause-Dünow. Die hohe Nachfrage hänge sicher auch mit der Tatsache zusammen, dass viele Fernziele noch nicht wieder erreichbar sind: "Das hilft." Die Mehrheit der Kunden wolle nicht sofort reisen, sondern plane mit Vorlauf: Der Schwerpunkt liege auf Reisen ab April kommenden Jahres, gefragt seien vor allem Wohnmobil-Urlaub und Rundreisen mit dem Auto.

Camper und Mietwagen sind derzeit allerdings deutlich teurer als vor der Pandemie, wie eine Angebotsanalyse der Portale "Billiger-Mietwagen.de", "CamperDays" und "Holidu" ergab. Ein Auto kostet demnach im Dezember im Schnitt fast 50 Prozent mehr als noch vor zwei Jahren, beim Wohnmobil sind es 40 Prozent mehr. Auch für den kommenden Sommer prognostiziert die Analyse höhere Preise. Sie enthält aber auch eine gute Nachricht: Unterkünfte seien nur unwesentlich teurer geworden.

Airlines und Reiseveranstalter hoffen auf die Wiederbelebung eines Geschäfts, das weitgehend am Boden liegt, schließlich fielen nicht nur Urlaubs-, sondern auch Geschäftsreisen 18 Monate lang aus. Noch werden weit weniger Flugverbindungen angeboten als vor Beginn der Pandemie. Bei Condor plant man aber bereits die Aufstockung: Von 8. November an soll es in der Woche fünf Direktverbindungen von Frankfurt nach New York geben. Bei der Lufthansa verweist man auf aktuell 200 Verbindungen pro Woche zwischen Europa und den USA. Das Angebot könne "im Bedarfsfall auch kurzfristig noch erweitert werden".

Was sich nicht ändert

Impfausweis, Pass - aber war da nicht noch etwas? Für die visafreie Einreise in die USA brauchen Urlauber eine ESTA-Reisegenehmigung, daran hat sich auch durch die Corona-Regeln nichts geändert. Sie muss bis spätestens 72 Stunden vor Abflug online beantragt werden. Auf der offiziellen Webseite https://esta.cbp.dhs.gov kostet das 14 Dollar pro Anmeldung. Wer stattdessen schnell das Stichwort "Esta" googelt und irgendeine der zahlreichen angebotenen Seiten nutzt, zahlt möglicherweise deutlich mehr: Es gibt viele private Anbieter, die in der Regel auch nicht mehr tun, als die eingegebenen Daten zu übermitteln - dafür aber eine hohe Servicegebühr verlangen.

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Aerial view of Le Morn Brabant., 12.10.2020, Copyright: xGoodOlgax Panthermedia23014117

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