USA Musik und Soul Food

Andreas Werner wuchtet einen Verstärker auf die Bühne, im Champy's, einer Musikkneipe, wie sie typisch ist für die Südstaaten der USA: ein Blockhaus mit rostigem Blechdach, drinnen Tische und Stühle aus Resopal und jede Menge Konzertplakate an den Wänden. Zu essen gibt es Soul Food: Okra, Katzenwels, Shrimps - Hauptsache frittiert. Das Publikum besteht aus Weißen und Schwarzen, in den Südstaaten ist das bis heute ungewöhnlich.

Andreas Werner kommt aus der Schweiz. Seit sieben Jahren lebt und arbeitet er als Musiker und Produzent in Muscle Shoals. "Weil man Südstaatenmusik nur hier authentisch machen kann. Und weil ich in der Schweiz nie davon leben könnte, hier dagegen schon."

Mit seinen angrenzenden Nachbarstädten Tuscumbia und Sheffield hat Muscle Shoals rund 30 000 Einwohner, knapp 40 000 Menschen leben in Florence am anderen Ufer des Tennessee River. Aber es gibt ein Dutzend Musikkneipen und ebenso viele Studios. Pro Kopf dürfte kein Ort in den USA mehr Musiker aufweisen als Muscle Shoals. Auch weil die Country-Metropole Nashville gerade mal zweieinhalb Autostunden entfernt ist.

Lilafarbener Anzug, Stiefel aus Krokodilleder: Das ist Junior Lowe

Das Konzert. Andreas Werners Band ist illuster: David Hood spielt am Bass. Und am Piano wechseln sich Spooner Oldham und Donnie Fritts ab. Als Hit-Schreiber und Studiomusiker haben sie unter anderem für Bob Dylan, Joe Cocker und Dolly Parton gearbeitet. Das Band-Konzept ist simpel: Jeder spielt zwei, drei eigene Songs und begleitet die anderen bei deren Liedern. Ein Mann mit strähnigen blonden Haaren steigt auf die Bühne, linkisch und verlegen. Er heißt Russell Medford, ist von Beruf Juwelier - und Hobbymusiker.

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"Typisch Muscle Shoals", kommentiert Bill Lawson, ein Mittfünfziger: bärtig, schwarzhaarig, füllig. Auch Bill Lawson ist Musikproduzent, ihm gehören die Wishbone Studios in Muscle Shoals. Dass die Gegend so viele Musiker hervorbringt, hat für ihn einen simplen Grund: Armut. "Musik war und ist billige Unterhaltung. In meiner Jugend haben wir uns jedes Wochenende bei jemandem getroffen. Es gab etwas zu essen, und dann haben alle ihre Instrumente ausgepackt und zusammen gespielt, Schwarze und Weiße. Etwas anderes hatten wir nicht."

Bill Lawson hält sich an einem Bier fest. Neben ihm eine Erscheinung: ein hagerer Mann in einem lilafarbenen Anzug, Cowboystiefel aus Krokodilleder an den Füßen und einen Stetson auf dem Kopf. Albert Lowe, den alle nur Junior nennen. Junior Lowe ist der legendärste unter den Musikern aus Muscle Shoals: Er hat mit fast allen Rock- und Soul-Größen seiner Zeit gespielt. Und er ist der unzugänglichste. Er lebt auf einer Farm außerhalb der Stadt, wie ein Eremit.

In den späten 50er-Jahren hat Junior Lowe die Clubs in und um Muscle Shoals unsicher gemacht. Die schwarzen und die weißen Clubs. Zusammen mit seinem Jugendfreund Percy Sledge, der später mit "When a man loves a woman" einen Welthit laden sollte. Auf seinen Streifzügen hat Junior Lowe den Sound des schwarzen Amerikas aufgesogen. Und Percy Sledge den des weißen. Während die Welt um sie herum in Aufruhr geriet.