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Urlaubskasse:Prassen unter Palmen

Menschen neigen dazu, im Urlaub mehr Geld auszugeben als im Alltag. Wieso eigentlich? Drei Erfahrungen.

Um zu veranschaulichen, wie es mit dem Geldausgeben im Urlaub läuft, bittet Martin Lohmann darum, sich gedanklich in einen Pool im Wellnesshotel zu versetzen. "Stellen Sie sich vor, Sie schwimmen zur Poolbar, wo ein Orangensaft für 4,50 Euro angeboten wird", sagt der Wirtschaftspsychologe. "Im Supermarkt zu Hause würden Sie zu diesem Preis nie einen Saft kaufen, aber im Urlaub tun Sie es."

An sich selbst, an Freunden oder an der Familie lässt sich jedes Jahr feststellen, dass das Geld im Urlaub irgendwie schneller verschwindet als im Alltag. Hier noch ein Eis an der Uferpromenade, dort noch ein Souvenir aus dem Museumsshop. Gefühlt wird in Palma oder an der Algarve aus jedem Geizkragen ein Prasser auf Zeit. Es gibt zwar keine konkreten Zahlen, die belegen, dass Menschen im Urlaub finanziell in die Vollen gehen. Doch den Eindruck teilt Lohmann, Professor für Wirtschaftspsychologie an der Leuphana Universität Lüneburg. "Es ist ja eigentlich auch logisch", findet er. "Wenn ich schon mal da bin und viel Geld für den Transport und die Unterkunft bezahlt habe, dann will ich auch vor Ort nicht knausern."

Mehr als 50 Millionen Deutsche fahren Jahr für Jahr in den Urlaub. Für Lohmann verhalten sich die meisten dabei "qualitätsorientiert". Das heißt: Preisvergleich ja, Geiz nein. Der günstigere Flug dürfe es gerne sein, das billigste Hotel lieber nicht. Doch woran liegt es, dass Menschen im Urlaub für kleine Dinge irrational viel Geld ausgeben und den Saft für 4,50 Euro schlürfen? "Dafür sind Einflüsse von innen und von außen verantwortlich", sagt der Psychologe. Zum einen sei der Urlaub für viele die Zeit, in der man das Gefühl hat, man wolle und dürfe sich etwas gönnen. Zum anderen trage auch das angenehme Umfeld mit Sommer, Sonne und Strand zur Spendierlaune bei.

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Quelle: SZ-Grafik

Wer sich wohlfühlt, gibt gerne ein bisschen mehr aus, um das Glück perfekt zu machen. Darüber hinaus haben Forscher der Wirtschaftshochschule INSEAD im französischen Fontainebleau vor einigen Jahren herausgefunden, dass Reisende großzügiger sind, wenn sie hohe Summen im Portemonnaie mit sich herumtragen. Das passiert insbesondere dann, wenn auf fremden Geldscheinen sehr große Zahlen stehen - wie zum Beispiel in Vietnam oder Thailand.

Geht es nach Lohmann, dann dürfen Menschen in den Ferien ruhig ein bisschen großzügiger sein als sonst. "Übertriebene Vorsicht schadet dem Urlaub", sagt er. Die Erkenntnis, dass man doch etwas zu spendabel mit sich selbst war, komme im Fall der Fälle meist von selbst, nämlich dann, wenn das Loch in der Urlaubskasse größer wird. Drei Erfahrungen mit dem lieben Geld in einer fremden Welt: