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Reisen im Lockdown:Was ist erlaubt, was ist verboten?

Flug über Palmen

Für Flugpassagiere gelten nun neue Regeln - egal wo sie im Urlaub waren.

(Foto: Gene J. Puskar/dpa)

Erstmals in der Pandemie gilt eine Testpflicht für alle Flugpassagiere, die nach Deutschland reisen. Welche Regeln bestehen nun für den Urlaub im In- und Ausland? Die wichtigsten Fragen und Antworten

Von Eva Dignös und Irene Helmes

Der Corona-Lockdown in Deutschland geht in eine weitere Verlängerung bis 18. April. Gereist werden soll nach wie vor nur, wenn es unbedingt notwendig ist. Die Balearen hingegen wurden am 14. März von der Liste der Risikogebiete gestrichen, Test und Quarantäne nach der Rückkehr waren dadurch zunächst nicht mehr erforderlich. Die heftige Debatte darüber hat nun zu einer allgemeinen Testpflicht für alle geführt, die nach Deutschland fliegen - egal aus welchem Land sie kommen. Worauf müssen sich Urlauber einstellen? Und wie sieht es mit Buchungen für die kommenden Monate aus?

Was bedeutet die angekündigte Testpflicht für Auslandsreisen?

Ist es in Ordnung, dass Deutsche in den Urlaub nach Mallorca fliegen, ohne Test und Quarantäne nach der Rückkehr, während Ferien in Deutschland unmöglich sind? Die Frage stellte sich wegen des Zusammenhangs zwischen Inzidenzwert und Reisewarnung: Fällt die Zahl der Ansteckungen pro Woche auf unter 50 je 100 000 Einwohner, so wie zuletzt auf den Balearen in Spanien, ist eine Region kein Risikogebiet mehr. Die Reisewarnung wird aufgehoben, Test und Quarantäne bei der Heimkehr waren nach bisheriger Regelung nicht mehr notwendig. Mit Blick auf den Buchungsboom für Mallorca hat die Bundesregierung nun Tests von Passagieren vor dem Heimflug verpflichtend gemacht. Und zwar nicht nur ab Palma, sondern generell bei Flügen aus dem Ausland.

Nun müssen alle Personen, die mit dem Flugzeug einreisen wollen, der Airline noch vor dem Start im Ausland einen negativen Corona-Test vorlegen - ansonsten dürfen sie nicht mitgenommen werden. Ausgenommen sind Kinder bis fünf Jahre sowie die Crews. Die Regelung ist seit 30. März in Kraft und zunächst bis zum 12. Mai 2021 befristet.

Das bedeutet auch eine leichtere Kontrolle von Ergebnissen. Denn während Einreisende aus Nicht-Risikogebieten bislang ganz ungetestet blieben, durften sich Heimkehrer aus Risikogebieten nach ihrer Rückkehr bis zu 48 Stunden Zeit lassen für ihren Test. Ob er tatsächlich gemacht wurde, ließ sich nur schwer nachvollziehen.

Warum Flugreisen - und wie müssen die Tests ablaufen?

Die neue Einreiseverordnung zielt konkret auf Flugpassagiere ab. Mit einer Testung bereits vor dem Abflug werde "die Wahrscheinlichkeit gesenkt, dass infizierte Personen reisen und andere während des Fluges anstecken können bzw. einen zusätzlichen Eintrag von SARS-CoV-2 Infektionen nach Deutschland verursachen", hieß es im Entwurf des Gesundheitsministeriums. "Gerade während Flugreisen" kämen Menschen "mit anderen Personen aus der ganzen Welt in Kontakt". Diese träfen etwa innerhalb von Flughafengebäuden und in "teils auch beengten schlecht belüfteten Räumlichkeiten" aufeinander. Grundsätzlich müssen Reisende die Testkosten selbst tragen - und sich im Falle eines positiven Ergebnisses nach den jeweils geltenden Vorschriften vor Ort selbstverantwortlich und ebenfalls auf eigene Kosten in Isolation begeben.

Gemacht werden können laut Bundesgesundheitsministerium PCR-Labortests oder Schnelltests mit bestimmten Mindestanforderungen bei zugelassenen Stellen. Die Bescheinigung darf man auf Papier oder in digitaler Form vorlegen, der Abstrich darf höchstens 48 Stunden vor der Einreise nach Deutschland genommen worden sein.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft gab vor Inkrafttreten zu Bedenken, nicht an allen Destinationen der Welt stünden ausreichende Testkapazitäten und Testinfrastrukturen zur Verfügung. Man habe der Regierung vorgeschlagen, das Problem könne ohne Abstriche beim Infektionsschutz gelöst werden, indem sich in Ausnahmefällen Reisende nach Ankunft in Deutschland sofort noch am Zielflughafen testen lassen. Damit könne verhindert werden, dass Reisende im Ausland stranden.

Zahlreiche Reiseanbieter und Fluglinien wollen ihren Kundinnen und Kunden eigene Test-Services anbieten. Nach der Ministerpräsidentenkonferenz vom 22. März hatten Fluggesellschaften bereits zugesagt, Mallorca-Urlauber noch vor ihrem Heimflug testen zu lassen. In Palma etwa teilte die Flughafengesellschaft Aena am 24. März mit, dass ein Testzentrum am Flughafen einsatzbereit sei. Angeboten werden dort PCR-Tests und Antigentests. Das Ergebnis der PCR-Tests, die etwa 70 Euro kosten, solle schon 30 Minuten bis eineinhalb Stunden später vorliegen.

Werden Auslandsreisen womöglich bald ganz verboten?

Auch weitere Einschränkungen wurden zuletzt diskutiert. Die Bundesregierung ließ prüfen, ob Reisen in beliebte Urlaubsgebiete im Ausland vorübergehend ganz unterbunden werden könnten.

Gegen solche Maßnahmen gibt es aber "erhebliche juristische Bedenken", wie auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einräumte. Ein pauschales Reiseverbot berührt Grundrechte und wäre schwer zu rechtfertigen angesichts der Tatsache, dass etwa auf Mallorca aktuell ein geringeres Infektionsrisiko besteht als in Deutschland: Staatliche Eingriffe müssen verhältnismäßig bleiben.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sagte am Donnerstag, es handle sich um "keine einfache Abwägung". Nötig sei eine sehr sorgfältige Prüfung eines möglichen Verbots, zumal es "sehr wichtig" sei, "dass die Dinge, die von uns auf den Weg gebracht werden, nachher auch umgesetzt werden können". Eine Reaktivierung der weltweiten Reisewarnung des Auswärtigen Amts für Urlaubsreisen hält Maas nicht für sinnvoll: "Wir können nicht dauerhaft eine Reisewarnung für die ganze Welt aussprechen". Das System der Reisehinweise solle Orientierung geben, doch "letztlich müssen die Menschen selber entscheiden, ob sie reisen, und wenn ja, wohin sie reisen".

Am 29. März erklärte ein Regierungssprecher, eine über die aktuellen Bestimmungen "hinausgehende rechtliche Regelung" sei "zum jetzigen Zeitpunkt nicht geplant". Der von der Kanzlerin erteilter Prüfauftrag zur möglichen Unterbindung touristischer Reisen gelte derzeit formal als abgeschlossen. Es bleibt momentan also bei Maßnahmen, die das Reisen so erschweren, dass man lieber zu Hause bleibt - wie die allgemeine Testpflicht beim Heimflug.

Welche Auslandsreisen sind derzeit möglich?

Abgesehen von den Baleareninseln und Regionen in Kroatien, die kein Risikogebiet mehr sind, gibt es in Europa derzeit kaum Urlaubsoptionen. Vielerorts gelten noch deutlich strengere Lockdown-Regeln. In Österreich müssen Touristen in Quarantäne, in Frankreich gibt es Ausgangssperren. Dänemark lässt Ausländer ohne Wohnsitz im Land gar nicht einreisen. Auch viele Fernreiseziele sind nach wie vor nicht oder nur unter strikten Auflagen erreichbar. Was aktuell in welchem Land gilt, steht in den Reisehinweisen des Auswärtigen Amts.

Welche Bedeutung hat die Ausweisung als Virusvariantengebiet, Hochinzidenzgebiet oder Risikogebiet noch, wenn alle Flugheimkehrer getestet werden?

Schon vor der Testpflicht für alle Flugpassagiere gab es abgestufte Einreisebeschränkungen bei der Rückkehr nach Deutschland - vor allem, wenn es sich um Länder handelt, in denen hochansteckende Virusvarianten grassieren. Reisende aus Ländern, die von den Mutanten besonders betroffen sind, dürfen seit 30. Januar nicht mehr ins Land, die Liste wird laufend aktualisiert. Die Einreisesperre gilt nicht für deutsche Staatsbürger und Personen mit Aufenthaltsrecht in Deutschland: Sie dürfen heimkehren, fielen aber schon bisher unter verschärfte Testauflagen und mussten an der Grenze ein maximal 48 Stunden altes negatives Testergebnis vorweisen. Diese Einreisebeschränkungen betreffen jedoch neben den Luft- auch Land- und Seegrenzen. Kontrolliert wird an den Grenzübergängen und in Form von Stichproben im Rahmen der grenznahen Schleierfahndung: Autofahrer müssen damit rechnen, angehalten und aufgefordert zu werden, sich auszuweisen und ihr Testergebnis zu präsentieren.

Auch wenn man zuvor in einem Hochinzidenzgebiet war, also einem Staat, in dem der Inzidenzwert bei mehr als 200 liegt, muss der Test grundsätzlich bereits vor der Einreise erfolgen, und zwar ebenfalls unabhängig vom Beförderungsmittel. Die Liste der betroffenen Länder wird ebenfalls vom Robert-Koch-Institut veröffentlicht.

Bei der Rückkehr aus einem "normalen" Risikogebiet war bisher die digitale Einreiseanmeldung Pflicht sowie ein Test bei der Rückkehr, entweder unmittelbar vor oder direkt nach der Heimreise. Diese Wahlmöglichkeit entfällt nun. Weiterhin bleibt aber relevant: Für Risikogebiete spricht das Auswärtige Amt immer auch eine Reisewarnung aus. Sie ermöglicht Pauschalurlaubern den kostenlosen Reiserücktritt, denn bei "unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umständen" am Urlaubsort, die bei der Buchung noch nicht absehbar waren und eine "Durchführung der Pauschalreise oder die Beförderung von Personen an den Bestimmungsort erheblich beeinträchtigen", dürfen sie vom Vertrag zurücktreten, ohne die sonst üblichen Stornogebühren bezahlen zu müssen. Auch wenn der Veranstalter die Reise absagt, muss er das Geld erstatten. Individualreisende haben diese Möglichkeit in der Regel nicht.

Wer nicht im Home-Office arbeiten kann, bekommt nach einer freiwilligen Reise ins Risikogebiet in dieser Zeit übrigens kein Gehalt. Die Details von Einreise- und Quarantäneverordnungen gestalten die Bundesländer in eigener Regie. Dabei gibt es durchaus Unterschiede. So haben Reisende bislang nach einem Aufenthalt in einem Risikogebiet in Nordrhein-Westfalen die Wahl zwischen Test und Quarantäne, in den übrigen Bundesländern besteht in der Regel neben dem Test zusätzlich die Pflicht zu einer mindestens fünftägigen Selbstisolierung.

Darf man im derzeitigen Lockdown innerhalb Deutschlands reisen?

Reisen per se ist - das war auch bislang schon so - nicht verboten, aber weiterhin ausdrücklich nicht erwünscht. Schon seit Anfang November bitten Bund und Länder darum, "von nicht zwingend notwendigen Reisen im Inland und auch ins Ausland abzusehen". In Deutschland dürfen deshalb Übernachtungsangebote weiterhin nur "für notwendige und ausdrücklich nicht touristische Zwecke zur Verfügung gestellt" werden. Damit sind allenfalls Geschäftsreisen gestattet.

Kann ein schon gebuchter Urlaub in Deutschland kostenlos storniert werden?

Solange die Hotels Touristen nicht aufnehmen dürfen, sind in Deutschland Reisende auf der sicheren Seite. Kann ein Hotelier oder Ferienhausvermieter die Unterkunft aufgrund behördlicher Auflagen gar nicht zur Verfügung stellen, muss der Gast nach deutschem Recht dafür auch nichts bezahlen. Er darf kostenlos von der Buchung zurücktreten und Anzahlungen zurückfordern. Urlauber sollten sich auf die "Unmöglichkeit der Leistung" berufen, heißt es beim Verbraucherzentrale Bundesverband.

Bei Pauschalreisen greift die entsprechende europäische Reiserichtlinie: Wenn sie nicht wie geplant realisiert werden können oder vom Veranstalter abgesagt werden, bekommt der Kunde sein Geld zurück - und zwar binnen 14 Tagen. Gutscheine können angeboten, müssen aber nicht akzeptiert werden.

Darf man Verwandte besuchen?

Das Treffen mit Oma und Opa ist möglich, das Großfamilienfest mit Onkel, Tante und Großcousine nicht: Verwandtenbesuche sind nur sehr eingeschränkt gestattet. Die Mitglieder von zwei Haushalten dürfen sich treffen, insgesamt maximal fünf Personen plus Kinder bis 14 Jahre - außer, es gibt wegen hoher Inzidenzen noch strengere Kontaktbeschränkungen. Paare mit zwei Wohnungen gelten als ein Haushalt.

Wie sieht es mit Reisen in den kommenden Monaten aus?

Wann und wohin im Frühjahr und Sommer wieder gereist werden darf, wird davon abhängen, ob es gelingt, die Zahl der neuen Infektionen zu senken. Der lange gebuchte Pfingsturlaub im Mai kann trotzdem jetzt noch nicht kostenlos storniert werden. Die Beschränkungen für Reisen in Deutschland sind vorerst bis 18. April befristet und Angst vor Corona reicht als Rücktrittsgrund nicht aus. Wie es danach weitergeht, hängt von der Infektionslage ab. Urlauber, die bereits sicher sind, dass sie nicht reisen wollen, sollten ihren Gastgeber kontaktieren: Vielleicht lässt sich der Hotelier darauf ein, den Aufenthalt zu verschieben. Verpflichtet dazu ist er nicht.

Wer jetzt bucht, sollte auf möglichst flexible Stornobedingungen achten. Viele Anbieter gestatten mittlerweile den kurzfristigen Reiserücktritt, um auf diese Weise Kunden zu gewinnen, manche verlangen dafür allerdings einen Aufpreis.

Die Reiserücktrittskostenversicherung bietet keinen Schutz. Sie übernimmt zwar Stornogebühren, wenn eine Reise nicht angetreten werden kann. Gezahlt wird aber nur bei plötzlichen Erkrankungen, Todesfällen in der engeren Verwandtschaft, bei unerwarteter Arbeitslosigkeit oder schweren Vermögensschäden - und selbst dann nicht immer: Manche Versicherungen schließen Leistungen bei "Schäden, Erkrankungen und Tod infolge von Pandemien".

© SZ/dpa/Reuters/bica
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