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Urlaub auf dem Mittelmeer:In der Kreuzfahrt-Blase

Kreuzfahrt: Aida Cruises will im Mai in Griechenland starten

So separiert wie auf dem Schiff wird man künftig bei Kreuzfahrten auch auf Landausflügen sein - aus Angst vor dem Eintragen von Infektionen.

(Foto: Andrea Warnecke/dpa)

Die Reedereien drängen auf eine Öffnung der Häfen. Gleichzeitig versuchen sie, die Passagiere völlig abzuschotten, von der Anreise über den Museumsbesuch bis hin zum exklusiv gepachteten Strand.

Von Hans Gasser

In Genua einschlafen und nach einer Nacht auf See in Barcelona aufwachen, auf eigene Faust auf die Ramblas und zu Gaudís Kirche, im Restaurant Fisch essen und auf der Terrasse einen Wermut trinken, bevor es abends wieder weitergeht nach Frankreich? Diese Art von Kreuzfahrt wird vorerst noch ein Traum bleiben, auch wenn viele Reedereien zurzeit öffentlichkeitswirksam von ihren Plänen zum Neustart der Mittelmeer-Kreuzfahrten berichten. Denn wie viel davon verwirklicht werden kann, hängt natürlich von der Pandemielage ab, vor allem von der Öffnung der Häfen für länderübergreifende Kreuzfahrten.

Deshalb gibt es zur Stunde nur ein konkretes neues Ziel im Mittelmeer, auf das sich mehrere Kreuzfahrtgesellschaften stürzen: Griechenland. Nachdem der griechische Premier eine Öffnung des Landes und der Häfen für Mitte Mai angekündigt hatte, legten etwa Tui Cruises und Aida sofort Kreuzfahrten auf, mit Stationen wie Kreta, Rhodos, Korfu und Piräus. Der Buchungsstart sei "vielversprechend" gewesen, sagt Tui-Sprecherin Godja Sönnichsen, auch wenn viele Stammgäste noch abwarteten. Und Hansjörg Kunze, Sprecher von Aida, spricht von "einem langsamen, verantwortungsvollen Neustart".

Nach großem Aufbruch klingt das noch nicht, was verständlich ist. Denn auch Griechenland ist noch Risikogebiet, nach der Rückkehr muss man mindestens fünf Tage in Quarantäne. Hinzu kommen bei den meisten Reedereien PCR-Tests vor Reiseantritt, bei manchen wird auch noch ein Antigentest kurz vor Abflug oder im Kreuzfahrtterminal verlangt. Davon sind Geimpfte bisher nicht ausgenommen. Die Angst vor positiven Tests und den gesundheitlichen wie den finanziellen Folgen versuchen die Reedereien abzumildern, indem sie ihren potentiellen Kunden eine Zusatz-Pandemie-Versicherung anbieten, die für entgangene Reisen, Quarantäneaufenthalte oder Behandlung aufkommt.

Ohnehin scheint es derzeit bei der Anpreisung der Kreuzfahrten weniger um das Erlebnis, als vielmehr um das Sicherheitsgefühl zu gehen, das man den Passagieren vermitteln möchte. So verweist man auf ausgefeilte Hygienekonzepte, die sich schon bei den im Winter und auch jetzt noch laufenden Kreuzfahrten auf den Kanarischen Inseln bewährt hätten. Tui Cruises lässt die Crew testen und in eine 14-tägige Quarantäne vor Dienstantritt gehen. Von den Gästen verlangt man einen PCR-Test und kurz vor Abflug noch einen Antigentest. Und legt viel Wert darauf, dass die Passagiere vom Charterflug über das Schiff bis hin zum Landausflug unter sich bleiben. "Bubble-Prinzip" nennt sich das, Urlaub in der Sicherheitsblase.

Die ersten Griechenland-Fahrten werden bisher noch als "Blaue Reisen" ohne Landausflüge angeboten. Solche würden aber kurzfristig buchbar sein, so Sönnichsen, man stimme die Ausflüge noch mit den griechischen Behörden ab. Auf dem Schiff wird täglich in der Borddiskothek Temperatur gemessen statt getanzt, die Maskenpflicht gilt auch beim Promenieren an Deck, und eigene "Crowd-Control"-Mitarbeiter machten Passagiere höflich darauf aufmerksam, sich nicht zu nahe zu kommen, sagt Sönnichsen. Die Schiffe fahren mit einer Auslastung von höchstens 60 Prozent, es sei also genügend Platz.

Bloß kein Kontakt zu anderen: In Apulien wird ein ganzer Strand reserviert, damit die Passagiere einen Badetag einlegen können

Ganz ähnlich wird es auch bei MSC und Aida gehandhabt, die Crews werden getestet und vor Dienstantritt in Quarantäne geschickt. MSC bietet derzeit als einzige Reederei Kreuzfahrten in Italien an, mit einem Abstecher nach Malta, man will das Angebot aber ziemlich schnell ausbauen. Von 1. Mai an werde es eine zusätzliche Italien-Kreuzfahrt geben, die von Genua aus Häfen in Sizilien und Apulien anlaufe, sagt MSC-Deutschland-Geschäftsführer Christian Hein. Ab Juni soll es von Venedig, Triest und Bari aus zu den griechischen Inseln gehen, unter strengen Schutzvorkehrungen: "Bei den Landausflügen bleiben die Gäste unter sich, Fahrer und Reiseführer sind getestet, Museen und Restaurants werden exklusiv gebucht für unsere Gäste", so Hein. In Tarent habe man sogar einen ganzen Strand reserviert, wo die Gäste einen Tag lang baden könnten. Das Blasen-Konzept des Schiffs wird also wegen Corona auch aufs Land verlegt; bisher kannte man das nur aus den USA, wo die Reedereien eigene Inseln in der Karibik gepachtet haben.

Ausbüchsen hingegen ist nicht möglich: "In Rom oder Syrakus alleine die Stadt anschauen, das geht zurzeit aber leider nicht", so Hein. Das Ansteckungsrisiko sei zu groß. MSC verlangt keinen PCR-Test, stattdessen zwei Antigentests: einen am Terminal vor Beginn der Reise und einen auf dem Schiff in der Mitte der Kreuzfahrt. Den Gästen werde eine Zusatzversicherung für 25 Euro angeboten. In Abstimmung mit den jeweiligen Ländern kämen positiv Getestete zuerst im Schiff und dann an Land in Quarantäne.

Kreuzfahrten ab Deutschland dürfen erst angeboten werden, wenn auch Hotels wieder öffnen

Wie schnell die deutsche Kreuzfahrtbranche, die vor der Pandemie von Rekord zu Rekord geeilt ist, wieder Fahrt aufnimmt, hängt vor allem auch von der Lage in Deutschland und insbesondere von der Öffnung der Häfen für Kreuzfahrtschiffe ab. "Das ist für uns enorm wichtig", sagt Aida-Sprecher Hansjörg Kunze. "Die Einstellung der Regierung zum Tourismus ist für uns immer noch befremdlich, obwohl wir sehr gute Sicherheitskonzepte haben." Generell gilt, dass Kreuzfahrten ab Deutschland erst wieder angeboten werden können, wenn das Beherbergungsverbot fällt und auch die Hotels wieder öffnen dürfen.

Für diesen Fall würde Aida, die derzeit nur zwei von 14 Schiffen in Betrieb hat, schnell aufstocken und Reisen anbieten: "Die Nachfrage für den späteren Sommer und Herbst ist gut", so Kunze, "allerdings buchen die Gäste sehr kurzfristig, was wir in der Kreuzfahrtbranche bisher nicht so kannten." Bei der Auslastung des Schiffs, das seit Mitte März auf den Kanarischen Inseln kreuzt, nähere man sich langsam den maximal vorgesehenen 50 Prozent. MSC spricht für seine Italien-Malta-Kreuzfahrten, die bereits seit August 2020 stattfinden, von einer Auslastung zwischen 50 und maximal 70 Prozent.

MSC ist bezüglich Deutschland verhalten optimistisch und will ab 19. Juni drei Schiffe in Hamburg, Warnemünde und Kiel starten lassen zu Kreuzfahrten nach Norwegen und in die baltischen Länder. Auch Tui Cruises geht davon aus, dass man im Sommer Kreuzfahrten von deutschen Häfen aus anbieten wird können.

Die Nachfrage sei gut, so MSC-Mann Christian Hein, man merke aber, dass die Menschen noch auf eine Initialzündung zum Reisen warteten. "Die wird wohl erst kommen, wenn die Politik das Signal dazu gibt."

© SZ/mai
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