Urlaub in Mittelmeerländern:Spaß am Strand? Verboten!

Strandburg bauen, Stehenbleiben oder Sex im Sand - hier nicht! Urlaub am Mittelmeer müssen Touristen in einigen Orten ganz schön ernst nehmen. Ein kleiner Überblick.

Von Katja Schnitzler

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Child walks toward the shore of the Malagueta beach at the Mediterranean Sea in Malaga

Quelle: Jon Nazca/Reuters

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Den Urlaub in Ländern am Mittelmeer stellen sich die meisten tiefenentspannt vor. Weil aber etliche Touristen vor ihnen ganz locker die Grenzen des Anstandes überschritten haben, wehren sich Städte und Gemeinden mit Verboten. Wie man die umgeht? Wir haben da so unsere Vermutungen.

Was ist verboten?

Pinkeln, zumindest ins Wasser. Nein, nicht nur im Pool: Die Gemeinde Lepe im Südwesten Spaniens hat das Wildpieseln im Meer untersagt. Wer das ignoriert oder es einfach nicht mehr aushält, muss bis zu 750 Euro Geldstrafe zahlen. Stadträtin María de los Ángeles Lorenzo sagt: "Wir wollen die Menschen für die Probleme der Umwelt sensibilisieren." Schön, falls die Umwelt in Lepe keine größeren Probleme hat als Menschen, die Wasser im Wasser lassen.

Wen trifft das Verbot?

Urlauber mit schwacher Blase und großem Durst in der Sommerhitze.

Was machen sie nun?

Weiter in die Wellen pinkeln. Und behaupten, der große Fisch neben ihnen sei's gewesen.

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Quelle: AFP

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Was ist verboten?

Im Badeort Torrox an der Costa del Sol in Málaga hatte man sich lange genug über einsame Handtücher und Sonnenschirme sowie leere Liegestühle geärgert, die den anderen die besten Plätze wegnahmen. Vielleicht kamen nach dem Mittagsschläfchen die Besitzer für ein Stündchen vorbeigeschlendert. Vielleicht auch nicht. Nun ist das "Reservieren" streng untersagt und alle herrenlosen Dinge werden eingesammelt.

Wen trifft das Verbot?

Nun, hm, tja: Deutsche.

Was machen sie nun?

Im Schichtwechsel den besten Platz am Strand bewachen. Vor Sonnenaufgang wieder an Ort und Stelle sein. Rings um den Platz scharfkantige Muschelschalen ausstreuen.

A fullmoon rises over the Temple of Poseidon, the ancient Greek god of the seas, in Cape Sounion, east of Athens

Quelle: Costas Baltas/Reuters

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Was ist verboten?

Steine von antiken Stätten in Griechenland und der Türkei mitzunehmen. Also Hände weg von Säulen, Statuen und dem ganz normalen Kieselsteinchen. Wer auf Nummer sicher gehen will, pult vor Verlassen der Stätte den Split aus den Schuhsohlen. Wer sich damit erst recht verdächtig macht, wird wohl die Nacht in einer Polizeistation verbringen - oder solange, wie es dauert, bis staatliche Archäologen festgestellt haben: Dieser Stein des Anstoßes ist nur Rollsplit. War der Stein echt, droht ein längerer Aufenthalt als gedacht.

Wen trifft das Verbot?

Geizige Souvenirsammler.

Was machen sie nun?

"Karlheinz was here" in die Säule des jahrtausendealten Tempels ritzen. Und sich dann mit einem Social-Media-Foto selbst überführen.

Kuriose Verbote in Touristenorten

Quelle: dpa

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Was ist verboten?

Am Trevi-Brunnen in Rom ist vor allem der Aufenthalt im Trevi-Brunnen untersagt, was Planschen, Waten und Sprünge einschließt. Doch selbst an seinem Rand dürfen sich müde Städtetouristen nicht mehr niederlassen, sie werden von trillerpfeifenden Polizisten verscheucht. Das kann kurzzeitig das Gehör kosten, ein Bad schädigt die Urlaubskasse dauerhaft mit bis zu 500 Euro. Wie Rom hat auch Florenz etwas gegen Picknicker - offiziell wegen Vandalismus. Aber dass etliche Urlauber ihr Geld nicht in den nahen Touristenfallen lassen wollen, könnte erschwerend hinzukommen. Nun sollen die Kirchenplätze - wie auch auf Capri - zur Mittagszeit nass gespritzt werden, damit sich niemand mehr dort niederlässt und isst. Im strengen Florenz wird dennoch mit Essen gespielt: Es sind abwaschbare Graffiti auf Joghurt-Basis aufgetaucht, die sich an Touristen mit den Worten wenden: "Sei vorsichtig! Wenn du bei illegalen Straßenhändlern kaufst, könntest du bis zu 7000 Euro Strafen zahlen."

Wen trifft das Verbot?

Hungrige, Müde und alle, die Anita Ekberg in "La Dolce Vita" im Trevi-Brunnen gesehen haben.

Was machen sie nun?

Im Stehen essen.

Überfüllter Strand in Benidorm, Spanien, am 22. Juli 2015

Quelle: David Ramos/Getty

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Was ist verboten?

Das spanische Benidorm sieht mit seinen Hotelhochhäusern am Strand aus wie ein Pauschaltouristen-Klischee - trotzdem steigt die Menschenzahl jeden Sommer von 70 000 auf eineinhalb Millionen. Da wird ein freies Fleckchen Sand zum raren Gut, das geschützt werden muss. Daher: Strandtennis und andere "störende" Sportarten - verboten! Übernachten am Meer - verboten! Sich selbst oder Küchengeräte mit Seife und Shampoo im Meer reinigen - verboten!

Wen trifft das Verbot?

Schwitzende Strandtennis-Spieler ohne Hotelzimmer mit Akku-Schaumschläger.

Was machen sie nun?

Die Nacht durch.

A couple embraces during a party held on the night of the San Juan bonfire on the beach of Playa de Poniente in Gijon

Quelle: REUTERS

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Was ist verboten?

Wilde Partys im Hochpromille-Bereich machen nicht nur Mallorca zu schaffen. Auch im katalanischen Tossa de Mar muss es heiß hergegangen sein, so dass mittlerweile strikt untersagt ist, am Strand Sex zu haben. Und Junggesellen-Abschiede müssen auch woanders gefeiert werden.

Wen trifft das Verbot?

One-Night-Stands, die sich ihr Hotelzimmer mit Freunden teilen, und Junggesellen, die auf Junggesellinnen treffen.

Was machen sie nun?

Wehmütig noch einen "Sex on the Beach" bestellen.

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Quelle: AFP

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Was ist verboten?

Burgen bauen, zumindest aus Sand. Orte wie Sylt berufen sich darauf, dass dem Strand wegen der Burgenbauer noch mehr Sand weggespült wird und andere Urlauber in die Löcher stolpern. Auf Teneriffa hingegen ist man offen und ehrlich: Aus "ästhetischen Gründen" dürfen an einigen Stränden keine größeren Sandskulpturen gebaut werden. Noch ehrlicher wäre: Die Amateurgebilde sind so hässlich, dass das Meer sie viel zu langsam wegspült. Am Strand von Ostia bei Rom darf man zwar Burgen bauen, sich dafür aber nicht immer an die Ruderboote anlehnen, die am Strand stehen. Sind die etwa so instabil wie manche Sandburg? Am wenigsten Spaß versteht aber Santander in Nordspanien: Hier darf man nicht nur nicht reiten, nicht Ball spielen und nicht surfen, auch Musik hören ist verboten - und essen. Wahrscheinlich wird dieser Katalog bald noch um Hinlegen und Schwimmen erweitert.

Wen trifft das Verbot?

In Santander: alle. Ansonsten vor allem Väter, die ihre Eisenbahn zuhause lassen mussten und nun dem Kind "ein bisschen" mit der Sandburg helfen wollen. Das artet zum Konkurrenzkampf mit dem Angeber vom Handtuch gegenüber aus. Wenn es dunkel wird, bauen die Väter immer noch an ihrem größten, schönsten, höchsten Schloss aus Sand.

Was machen sie nun?

In Santander: sich andere Strände weit außerhalb suchen. Ansonsten stehen zur Auswahl Kraulwettbewerb, Liegestützwettstreit oder Bodyboard-Wettkampf (dafür reichen auch kleine Wellen).

Scaffoldings are seen during the restoration of the Rialto Bridge on the Grand Canal in Venice lagoon

Quelle: REUTERS

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Was ist verboten?

Stehenbleiben und die Aussicht bewundern. Oder ein Selfie machen. Auf Schildern werden Touristen im meist völlig überfüllten Venedig darauf hingewiesen, dass sie auf Brücken nicht anhalten dürfen. Sonst treiben die Menschen-Staus die Einheimischen in den Wahnsinn.

Wen trifft das Verbot?

Touristen.

Was machen sie nun?

Stehenbleiben und ein Selfie. Wer achtet schon auf Hinweisschilder?

A participant gestures while running in the 'Half-Naked Marathon' at Olympic Forest park in Beijing

Quelle: REUTERS

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Was ist verboten?

Oben ohne durch Städte Italiens spazieren oder sich halbnackt im Park sonnen.

Wen trifft das Verbot?

Frauen. Und ja, auch Männer.

Was machen sie nun?

Das Hemd aufknöpfen.

Touristen in Urlaubsstädten - Barcelona

Quelle: dpa

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Was ist verboten?

An allen Stränden der Welt: Müll einfach liegenlassen. Mensch, Leute, wie das aussieht!

Wen trifft das Verbot?

Vom-Winde-Verwehte, Ich-bin-hier-ja-nur-im-Urlaub-Touristen und Sturzbetrunkene.

Was machen sie nun?

Nach drei Tagen beschließen, dass sie nächstes Jahr woanders hinfahren. Mensch, Leute, wie es hier aussieht!

© SZ.de/mit Material von dpa/ihe/dd
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