Urlaub im Herbst:Impfpass, Quarantäne, 2 G? Was jetzt beim Reisen gilt

Türkei: Nachweispflicht für Kinder erst ab zwölf Jahren

Im Herbst noch mal auf Reisen gehen - das sind schöne Aussichten. Aber vor allem Familien mit kleinen Kindern müssen einiges beachten.

(Foto: Andreas Arnold/dpa-tmn)

Doch noch mal weg, bevor es Winter wird? Die Pandemie ist nicht vorbei, trotzdem ist es deutlich leichter geworden, Urlaubspläne zu schmieden. Aber wie ist der aktuelle Stand bei Reisemöglichkeiten und -regeln? Ein Überblick.

Von Eva Dignös

Wohin kann man reisen - und wohin nicht?

In Europa macht kein Land mehr wegen Corona komplett dicht - aber es gibt auch keines, das die Einreise ganz ohne Einschränkungen gestattet. Davon betroffen sind vor allem ungeimpfte Urlauber: Sie müssen in aller Regel ein negatives Testergebnis vorlegen. Mit vollständigem Impfschutz reist es sich unkomplizierter, lediglich Island und Großbritannien verlangen auch hier zusätzlich einen Test.

Einmal angekommen, geht es vielerorts wieder unbeschwerter zu, Masken- und Abstandspflichten wurden gelockert. Dänemark beispielsweise hat sämtliche Corona-Beschränkungen aufgehoben, auch in den Niederlanden gibt es kaum noch Einschränkungen. Einen strengeren Kurs fährt man hingegen seit einigen Wochen in Frankreich und Italien. Fürs Restaurant oder Museum, für den Zug, die Fähre oder die Seilbahn muss dort die Bescheinigung eines der drei "G" vorgelegt werden. Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss sich regelmäßig testen lassen. Das kann bei einem mehrtägigen Urlaub nicht nur lästig, sondern auch teuer werden.

Für Fernreisen in die Sonne sind die Möglichkeiten nach wie vor begrenzt, aber auch hier stehen die Zeichen auf Öffnung, vor allem für Geimpfte. Urlaub machen kann man derzeit beispielsweise in der Dominikanischen Republik, in Mexiko, auf Mauritius, in Südafrika oder Namibia. Thailand lässt ab 1. November geimpfte Touristen aus bestimmten Ländern, darunter Deutschland, einreisen, die USA lockern ihren Einreisestopp ab 8. November. Oft ist zusätzlich zur Impfung allerdings ein Test erforderlich.

Wo gibt es Informationen über die Einreisebedingungen?

Das Reisen wird zwar leichter, am Flickenteppich der Auflagen und Regeln aber hat sich nichts geändert. Einen guten Überblick bekommt man in den Reisehinweisen auf der Webseite des Auswärtigen Amts, dort gibt es meist auch weiterführende Links auf die Informationsseiten der jeweiligen Staaten und auf die Online-Portale für die Einreiseanmeldung, die viele Länder verlangen. Wichtig für Last-Minute-Reisende: Für eine Reihe von Fernreisezielen ist ein PCR-Test erforderlich, der maximal 72 Stunden alt sein darf und nach dem Wegfall der kostenlosen Tests in Deutschland nicht immer ganz so leicht kurzfristig zu organisieren ist.

Welche Dokumente braucht man?

Das digitale Covid-Zertifikat der EU setzt sich zunehmend durch. Es dient als Nachweis für Impfung, Genesung oder Test. Der QR-Code wird aufs Handy geladen, entweder in die Covpass-App des Robert-Koch-Instituts oder in die Corona-Warn-App. Mittlerweile können dort auch mehrere Zertifikate gespeichert werden, zum Beispiel für die ganze Familie. Zur Sicherheit sollte man sie trotzdem auch in ausgedruckter Form dabeihaben, vor allem in Ländern wie Frankreich und Italien, wo der Nachweis für viele Aktivitäten erforderlich ist - für den Fall, dass das Handy verloren geht oder gestohlen wurde. In Deutschland wird das Dokument von Impfzentren, Ärzten und Apotheken ausgestellt. Das gelbe Impfheftchen ist nicht nur deutlich unpraktischer in der Handhabung - es wird auch nicht mehr überall als Nachweis akzeptiert.

Wer mit dem Flieger in den Urlaub abhebt, sollte sich auf etwas längere Wartezeiten am Flughafen einstellen. Beim Check-in werden nun nicht mehr nur Pass und Personalausweis geprüft, sondern auch Impf- und Testnachweise. Spätestens zwei Stunden vor Abflug sollte man am Flughafen sein, lautet die Empfehlung am Münchner Airport.

Wie sind die Regeln in Deutschland?

Grundsätzlich funktioniert Urlaub in Deutschland nach dem 3-G-Prinzip: In der Unterkunft muss nachgewiesen werden, dass man geimpft, genesen oder getestet ist. Klingt einfach, im Detail kann es dann allerdings doch etwas komplizierter werden. So können die Bundesländer je nach Infektionslage zusätzliche Einschränkungen anordnen. Oder sie bieten Gastronomen und Hotels die 2-G-Option: Nur Geimpfte und Genesene dürfen hinein, dafür entfallen Abstandsregeln und Maskenpflichten. Einen Überblick über die Regeln in den einzelnen Bundesländern gibt es auf der Webseite tourismus-wegweiser.de, je nach Impfstatus der Mitreisenden empfiehlt sich zusätzlich ein Anruf in der gebuchten Unterkunft.

Was müssen Familien beachten?

Kinder unter zwölf Jahren können noch gar nicht geimpft werden. In Deutschland gelten für sie deshalb Ausnahmen von den 2-G- und 3-G-Regeln: Kinder unter sechs Jahren brauchen keinerlei Nachweis, auch Schulkinder, die im Klassenzimmer regelmäßig einen Selbsttest machen müssen, kommen mit ihrem Schülerausweis in der Regel überall hinein. Bei einer Auslandsreise kommen Eltern an einem genauen Blick auf die Regeln im Wunsch-Urlaubsland nicht vorbei: Hier gibt es große Unterschiede. So brauchen in Italien Kinder ab sechs Jahren für die Einreise einen Test. Im Land selbst gilt die Testpflicht beispielsweise für den Restaurantbesuch erst ab zwölf Jahren. In Spanien oder Griechenland dagegen wird der Einreise-Test erst ab zwölf Jahren verlangt.

Auch die Quarantäneregeln bei der Rückkehr nach Deutschland sind nach wie vor in Kraft: Nach einem Aufenthalt in einem Hochrisikogebiet, beispielsweise Ägypten oder der Türkei, müssen Kinder in Quarantäne, auch wenn ihre Eltern geimpft und damit von den Auflagen befreit sind. Lediglich vom Test vor der Einreise werden Kinder unter zwölf Jahren ausgenommen - und dürfen ihre Isolation außerdem ohne den Nachweis eines negativen Tests automatisch nach fünf Tagen beenden. Einziges Schlupfloch aus der Quarantäne ist der Nachweis, dass das Kind in den vergangenen sechs Monaten eine Corona-Infektion durchgemacht hat.

3 G, 2 G: Was planen die Reiseveranstalter?

Die Zahl der Veranstalter wächst, die Reisen nur für geimpfte und genesene Kunden anbieten: Nun kündigte auch Dertour an, dass für fast die Hälfte der in den kommenden Monaten geplanten Gruppenreisen das Prinzip "2 G" angewendet wird. Man wolle "Kunden, die sich in einer 2-G-Gruppe wohler fühlen, die gewünschte Sicherheit geben", begründete Sven Schikarsky, Produktchef der DER Touristik, diesen Schritt. Der Studienreiseveranstalter Studiosus nimmt seit 1. Oktober nur noch geimpfte und genesene Reisende mit und begründet die Maßnahme mit Zutrittsbeschränkungen für Ungeimpfte in vielen Ländern. Man wolle den Gästen auf diese Weise "eine reibungslose Urlaubsreise gewährleisten". Auch die Gruppenreiseveranstalter Gebeco, Lernidee und Wikinger Reisen setzen künftig auf 2 G, ebenso immer mehr Kreuzfahrt-Reedereien.

Bislang sind es vor allem kleinere Anbieter mit einer vergleichsweise klar umrissenen Zielgruppe: eher ältere Kunden, wenig Familien. Bei den großen Pauschalreiseveranstaltern können mit Ausnahme von Alltours - in den konzerneigenen Allsun-Hotels gilt 2 G - auch Ungeimpfte buchen, wenn sie sich für die Reise testen lassen.

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