Unübersetzbare Wörter:Warum denn drum herumreden?

Das Gefühl, barfuß auf Zehenspitzen über warmen Sand zu laufen - in acht Buchstaben. Auf Reisen lernen Urlauber Wörter, von denen sie im Deutschen nur träumen können. Eine kleine Auswahl.

Von Irene Helmes

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Quelle: Jessy Asmus

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Beginnen wir die Sprachweltreise mit etwas besonders Angenehmem. Ein kaltes Getränk - und viele verstehen darunter am liebsten Bier - schmeckt bekanntlich am besten bei schönem Wetter. Für diese Erkenntnis muss man beileibe nicht bis nach Norwegen fahren - für das perfekte Wort schon.

"Utepils" bedeutet direkt übersetzt "Draußenpils". Entscheidend ist, was in diesen drei Silben mitschwingt - das einfache, tiefe Glücksgefühl nämlich, an einem sonnigen Tag, womöglich nach einem langen kalten Winter, das erste Bierchen im Freien zu öffnen und genüsslich zu leeren.

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Quelle: SZ

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Ein herrlicher Genuss, so ein "utepils". Wer dieses Glück nicht selbst hat, kann sich aber direkt ein Wort aus dem Neu-Hebräischen zueigen machen: "firgun". Dieses wird auf das jiddische "farginen" zurückgeführt. Die Idee ist, jemandem nicht nur einfach etwas zu gönnen, sondern dabei ehrliche und selbstlose Freude zu fühlen - gerade so, als würde einem das Erfreuliche gerade selbst passieren. Der britische Guardian hat "firgun" gar als nächste Lebensphilosophie nach dem dänischen Gemütlichkeitstrend "hygge" empfohlen.

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Quelle: Jessy Asmus

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Auf Reisen immer ein Thema, aber deutlich weniger zur Nachahmung empfohlen als "firgun" ist dieses hawaiianische Konzept. Denn es beschreibt die Angewohnheit, nach dem Weg zu fragen und sich die folgende Wegbeschreibung auch anzuhören - dann aber beim Weiterlaufen alles direkt wieder zu vergessen.

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Auch wer kein "Akihi"-Problem hat, kennt dieses Gefühl beim Reisen. Aber es in ein Wort zu packen? "Dépaysement" bedeutet eine Art Verlorenheit, Desorientiertheit durch die Entfernung von daheim. Eine leichte Verwirrung, weil die gewohnte Umgebung fehlt. Weil nicht ganz klar ist, was man an diesem fremden Ort zu erwarten hat. Wichtig: Das muss weder gut noch schlecht sein. Dazu passen auch einige der Übersetzungen, die Wörterbücher für das Deutsche vorschlagen: Fremdheit, Umstellung, aber auch (willkommene) Abwechslung. Auf Französisch passt das alles in elf Buchstaben.

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Gut zu wissen beim Strandurlaub: So heißt in dieser Bantu-Sprache der namibischen Region Kavango das Gefühl, barfuß auf Zehenspitzen über warmen Sand zu laufen.

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Essen und Reisen gehören einfach zusammen. Glücklicher als der gesündeste Proviant oder das feinste Sternelokal macht dabei manchmal "fyllekäk". Auch wenn nur Schweden den Begriff verwenden, seine Bedeutung passt global. Gewissermaßen ist es das, was vor dem deutschen "Kater-Essen" kommt. Gemeint ist nämlich alles, was erst sein ganzes Geschmacksfeuerwerk entfaltet, wenn man es in angetrunkenem Zustand nachts auf dem Heimweg futtert. Je nach Reiseziel bieten sich hier unterschiedlichste Spezialitäten an - frittiert, gegrillt oder überbacken wird bekanntlich fast überall irgendetwas.

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Um diesem Konzept gerecht zu werden, das weit über direkte Übersetzungen wie "Nachtisch" hinausgeht, reicht dagegen kein hastig heruntergeschlungenes "fyllekäk". Für "sobremesa" muss man sich vielmehr Zeit für die gute Sitte des gemeinsamen Speisens um einen Tisch herum nehmen. Denn erst dadurch ergibt sich die Gelegenheit, nach dem eigentlichen Essen dort noch weiter beisammenzusitzen, zu plauschen und den Abend zu genießen. Liegt im Spanien-Urlaub nahe, aber natürlich auch sonst.

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Unbedingt auf Reisen zu meiden sind dagegen Männer beziehungsweise Frauen mit diesem japanischen Beinamen. Denn ihre besondere Eigenschaft ist es, Regen zu bringen, wo auch immer sie auftauchen. Eigentlich war das im japanischen Sagenschatz eine gute Sache - Bauern zum Beispiel freuten sich über die Regengeister. Wer seinen Urlaub aber nicht damit verbringt, die Felder einheimischer Gastgeber zu bestellen, kann auf solche Gefährten sicher verzichten. Immerhin: Umgekehrt kann man nach einem "hare otoko" beziehungsweise einer "hare onna" Ausschau halten - denn die bringen angeblich schönes Wetter.

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Quelle: Jessy Asmus

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Wer sich unbeliebt machen möchte, der kann sich "tingo" angewöhnen. Die Einwohner der Osterinsel beschreiben damit in ihrer Sprache - wie sie selbst auch Rapanui genannt - die (Un-)Sitte, bei Besuchen im Zuhause eines anderen nach und nach so viele Dinge auszuleihen oder vielmehr mitgehen zu lassen, bis dieser gar nichts mehr hat. Gerade in Zeiten von Sharing Accomodations, Homestays und Couchsurfing eine recht fiese Sache ...

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Quelle: Jessy Asmus

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Reisen soll neue Perspektiven eröffnen - insofern sollte man "dapjeongneo" lieber lassen. Das bedeutet nämlich, dass man bereits überzeugt ist, die richtige und zwar einzig richtige Antwort zu kennen, bevor man überhaupt die dazugehörige Frage gestellt hat. Der Gesprächspartner soll nur das bestätigen, was man eh schon im Kopf hatte; er muss nur das aussprechen, was als Antwort bereits feststand. Keine gute Idee also, wenn man wirklich etwas von Land und Leuten lernen möchte.

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Quelle: Jessy Asmus

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Zum Schluss stattdessen noch eine Lektion in positivem Denken. Was auch immer auf einer Reise schiefgehen mag - Chaos beim Fliegen, ein hässliches Zimmer, schlechtes Wetter, Krach mit dem nervigen Reisepartner - wenn nichts mehr geht, dann geht "sisu". Anstatt zu jammern und zu verzweifeln, kann man sich an diese schöne finnische Philosophie halten. Denn sie besagt: Selbst wenn du fix und fertig bist und meinst, du kannst nicht mehr, raff dich trotzdem auf, glaube an dich und du wirst sehen, es wird schon. Denn das ist "sisu".

Da muss es doch noch mehr geben? Stimmt. Einige weitere besonders schöne Wörter, die im Deutschen fehlen, haben wir schon vor einiger Zeit hier gesammelt.

© SZ.de/kaeb/sks
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