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Unterwegs auf dem Mekong:Wo das Leben im Fluss ist

Vom vietnamesischen Ho-Chi-Minh-Stadt bis hinauf zu den Tempelanlagen von Angkor Wat in Kambodscha - eine Reise durchs Mekong-Delta.

Er entspringt in China, fließt über fast 5000 Kilometer durch Burma, Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam, bevor er südlich von Saigon, dem heutigen Ho-Chi-Minh-Stadt, in das Südchinesische Meer mündet: der Mekong.

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Auf dem Mekong durch Vietnam und Kambodscha

Er ist zwar nicht Asiens längster Strom, aber Asiens schönster. Er fließt durch abwechslungsreiche Landschaft, vorbei an Bergen und Hügeln, Urwäldern und Reisfeldern, Tempeln und Pagoden.

Zum Ende hin wird er besonders spannend. Dort teilt er sich in viele Arme und bildet das Mekong-Delta. Dies ist Ausgangspunkt einer Reihe von Flusskreuzfahrten - man kann Tagestouren von Saigon aus unternehmen oder mehrtägige Touren bis hinauf nach Kambodscha buchen.

Den Mekong in voller Länge zu befahren, ist dagegen nicht möglich: Die Sambor-Wasserfälle in Kambodscha sind für Schiffe unpassierbar.

Praktischerweise zweigt aber der Tonle-Sap-Fluss auf Höhe der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh vom Mekong ab, und dieser Nebenfluss ist schiffbar bis vor die Haustür des weltgrößten Tempelkomplexes namens Angkor.

Eine solche Schiffstour dauert eine Woche, und sie ist besonders spannend, weil sie touristische Höhepunkte genauso wie Abstecher in das weitgehend unentdeckte Landleben Südostasiens bietet.

Anders als auf dem Nil, wo mehr als 100 Kreuzfahrtschiffe schippern, geht es auf dem Mekong beschaulich zu. Denn auf seinem Unterlauf sind gerade mal zwei größere Dampfer unterwegs, die "Tonle Pandaw" und die "Mekong Pandaw" für 66 beziehungsweise 64 Passagiere. Ein drittes Schiff ist gerade im Bau.

Die Dampfer haben drei Geschosse plus ein Sonnendeck und sind im Kolonialstil eingerichtet. Die asiatische Crew spricht Englisch und ist ein Musterbeispiel an Freundlichkeit. Wer eine Reise flussaufwärts bucht, besteigt das Schiff im vietnamesischen My Tho, 60 Kilometer südlich von Saigon. Jeden Tag legt der Dampfer für Landausflüge an, dazwischen pflügt er gemütlich durch den Mekong.

Die Fahrt geht vorbei an Mangrovenwäldern und Reisfeldern, an Dörfern und Fabriken, hin und wieder kommt eine Badestelle in Sicht, wo Kinder plantschen, während ihre Mütter im Flusswasser Wäsche, Geschirr oder ihre Haare waschen. Immer wieder wird das Ufer von kleinen Wasserarmen zerschnitten, über die wackelige, kleine Stege führen. Straßen und Autos gibt es kaum, Hauptverkehrsweg ist der Fluss.

Entsprechend viel ist auf dem Wasser los: Mal knattert ein kleines Motorboot vorbei, mal paddelt jemand - mit dem typisch vietnamesischen Spitzhut auf dem Kopf - mit dem Kanu von einem Ufer zum anderen. Oft sieht man auch Sampans, die traditionellen Frachtboote aus Holz, deren Bug mit einem Gesicht bemalt ist. Sampans werden zum Fischen benutzt, aber auch zum Transport von Obst und Gemüse, von Holz und Keramik.

In der Nähe größerer Städte ist es am lebhaftesten. Zum Beispiel in Cai Be, wo die großen Flusskreuzfahrtschiffe Station machen, aber auch Reisende, die von Saigon aus für ein, zwei Tage das Delta erkunden. Cai Be ist von Kanälen durchzogen, hat viele Gärten, ein paar Tempel, eine Kirche und kaum Straßen. Hauptattraktion ist der schwimmende Markt, wo die Bauern aus dem Umland ihre Ware direkt vom Sampan an ihre Kundschaft verkaufen, die wiederum direkt mit dem Boot vorbeikommt.

Fische und quiekende Schweine, Kokosnüsse und Mangos wechseln mitten auf dem Wasser den Besitzer. Der größte und von Touristen meistbesuchte schwimmende Markt im Delta ist der in Cai Rang.

Geschäftiges Treiben herrscht auch in Chau Doc. Die Stadt an der Grenze zu Kambodscha wird beherrscht von einem riesigen Marktviertel direkt am Fähranleger, wo sich Verkaufsstände, Garküchen und mobile Dienstleister aneinander reihen. Man kann getrocknete Fische und geschälte Pampelmusen bekommen, Fleischbällchen und Froschschenkel knabbern, Gewürzen und exotische Kräuter kaufen.

Der Grenzübergang auf dem Mekong ist wenig spektakulär. Am Ufer eine Baracke mit vietnamesischer Flagge und eine Hütte mit dem kambodschanischen Wappen, dazwischen ein Streifen Niemandsland. Der Kreuzfahrtdampfer bleibt in der Flussmitte vor Anker liegen, während nacheinander die vietnamesischen und die kambodschanischen Zöllner anlegen.

Diese brauchen Stunden für das Stempeln der Pässe, was sich im verschlossenen Speisesaal abspielt. Die Passagiere brauchen nicht persönlich zu erscheinen - das würde die eingespielte Prozedur, die großzügige Bewirtung der Amtspersonen, nur stören.

Hinter der Grenze stehen weniger Dörfer und Häuser am Ufer als in Vietnam. Die Landschaft ist weniger zersiedelt, und die Häuser, die mit Schnitzereien gestaltet sind, fügen sich gut in die Natur ein.

Auch auf dem Wasser ist in Kambodscha weniger los als in Vietnam. Erst kurz vor Phnom Penh wird es betriebsamer. Die Millionenstadt ist die größte Siedlung am Strom. Die Uferpromenade wird geprägt von Pagoden und Palästen, dazwischen Stuckvillen aus der französischen Kolonialzeit. Doch nicht der Königspalast überragt alle anderen Gebäude, sondern ein klotziger Neubau, der das Kasino beherbergt.

Kambodscha

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