Unruhen in ÄgyptenVeranstalter sagen auch Badereisen ab

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Nachdem das Auswärtige Amt den Reisehinweis für Ägypten verschärft hat, ziehen die deutschen Veranstalter Konsequenzen.

Der Deutsche ReiseVerband (DRV) erklärte, viele Veranstalter hätten beschlossen, ihre Reiseverträge mit Abreisen bis Mitte Februar zu kündigen. Betroffen sind unter anderem Kunden der Touristikkonzerne Tui, Thomas Cook sowie Rewe mit seinen Veranstaltern ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg.

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Bei den Unruhen in Ägypten stehen sich nicht nur Demonstranten und die Staatsmacht gegenüber. Die Polizei hat andere Interessen als die Armee - und nicht alle Ägypter hoffen auf ElBaradei. Ein Überblick.

Touristen, die einen Pauschalurlaub im Land der Pyramiden bereits gebucht hatten, haben nun keinen Anspruch mehr darauf, dorthin geflogen zu werden. "Die Veranstalter müssen allerdings den vollen Reisepreis zurückzahlen, wenn sie den Reisevertrag kündigen", erklärte Paul Degott, Fachanwalt für Reiserecht in Hannover.

"In Anbetracht der Situation können wir nicht sicherstellen, dass es für unsere Gäste nicht zu Leistungseinschränkungen kommt", erklärte der Leiter des Tui-Krisenstabs, Ulrich Heuer. Aktuell sei die Situation in den Tourismusregionen am Roten Meer aber nach wie vor ruhig und die Versorgung der Urlauber gewährleistet. Deutsche, die sich derzeit am Roten Meer befänden, müssten daher ihren Urlaub nicht abbrechen. Ähnlich äußerte sich der Konzern Thomas Cook, der erklärte, dass derzeit die Versorgung der Gäste in den Hotels uneingeschränkt möglich sei. Umbuchungen seien bei vielen Reiseveranstaltern bis Ende Februar möglich, teilte der DRV mit.

Das Auswärtige Amt hatte zuvor von Reisen nach ganz Ägypten dringend abgeraten. Das schließe ausdrücklich die Touristengebiete am Roten Meer ein und gelte auch, wenn dort die Lage derzeit ruhig sei, erklärte Außenminister Guido Westerwelle.

Dabei machte der Außenminister für die Urlauberzentren weniger Sicherheitsbedenken geltend, als Probleme mit der Logistik. Die Entwicklung in Ägypten sei schwer vorhersehbar, auch wenn die Lage in den Urlaubsregionen derzeit ruhig sei, sagte Westerwelle. Nach einem Aufruf zu einem landesweiten Generalstreik könne es aber auch dort zu Versorgungsengpässen kommen. Allen Reisenden empfiehlt das Auswärtige Amt landesweit dringend, "Menschenansammlungen und Demonstrationen weiträumig zu meiden" und die seit dem 28. Januar verhängte nächtliche Ausgangssperre zu beachten.

Bei dem Hinweis handelt es sich nicht um eine formale Reisewarnung, in deren Folge deutsche Staatsbürger zur Ausreise aufgefordert und in Sicherheit gebracht werden müssten, betonte eine Sprecherin des Ministeriums. Vielmehr sei dies eine nochmalige "Anpassung der Reisehinweise".

Abgestuftes Warnsystem

Das Auswärtige Amt praktiziert ein abgestuftes System von Reise- oder Sicherheitshinweisen. Vor dem Hintergrund der Unruhen in Ägypten hatte es am vergangen Freitag zunächst geheißen, von "nicht unbedingt notwendigen Reisen" nach Kairo, Alexandria und Suez sollte Abstand genommen werden. Am Wochenende wurde der Hinweis auch auf urbane Zentren im Landesinneren und im Nildelta ausgeweitet, nunmehr auf das ganze Land.

Eine offizielle Reisewarnung für Länder oder Landesteile als höchste Stufe wird ausgesprochen, wenn "eine akute Gefahr für Leib und Leben besteht", hieß es aus dem Auswärtigen Amt.

Zudem erklärte das Auswärtige Amt, dass es in engem Kontakt mit den deutschen Fluggesellschaften stehe, damit zusätzliche Kapazitäten für Flüge aus Kairo, Alexandria und anderen Städten bereitgestellt werden könnten. Die Lufthansa habe auf ihrer Internetseite eine Sondertelefonnummer veröffentlicht, unter der ausschließlich Flüge ab Kairo gebucht werden könnten ( 0049-30-50570341). Bei Air Berlin könnten bis 9. Februar freie Plätze auf Flügen von Scharm el-Scheich, Hurghada und Marsa Alam nach Deutschland gebucht werden ( 0049-1805-737 800). Dem österreichischen Außenministerium zufolge begann das Land damit, seine Staatsbürger aus Ägypten auszufliegen. In zwei Sondermaschinen seien auch Deutsche mitgeflogen, hieß es. Für dringende Notfälle sei der Kristenstab des Auswärtigen Amtes rund um die Uhr erreichbar ( 0049-30-5000 3000).

Vorzeitig den Urlaub beenden

Wer das Land verlassen will, kann in vielen Fällen sofort nach Hause fliegen. In den Touristenorten am Roten Meer gebe es derzeit ausreichend Kapazitäten im Flugverkehr, erklärt das Auswärtige Amt. Viele Veranstalter wie Neckermann/Thomas Cook, Rewe und Alltours verlangen keine Gebühr für einen vorgezogenen Rückflug. Bei FTI hängt dies davon ab, ob es freie Plätze in den Maschinen gebe und diese nicht wesentlich teurer seien als die gebuchten Tickets. Manche Veranstalter wie Rewe und Alltours erstatten ihren Kunden auch die Hotelkosten für entgangenen Urlaubstage. Thomas Cook will von Fall zu Fall entscheiden, und FTI erklärte, Rückzahlungen hingen von der Kulanz des jeweiligen Hotels ab.

Hotlines der Reiseveranstalter

Die Veranstalter bieten ihren Kunden Hotlines an, unter denen sie Fragen beantworten ( Tui: 0511/567 80 00, Thomas Cook und Neckermann: 06171/65 65 190, Rewe-Touristik: 02203/42 800, FTI: 0800/25 25 444). Auch die V erbraucherzentrale Berlin hat eine solche Auskunftsnummer eingerichtet. Unter 030/21 48 51 80 werden am Mittwoch und Donnerstag (2./3. Februar) von 10.00 bis 12.00 Uhr Fragen beantwortet.

Aktuell sind dem Deutschen Reiseverband zufolte mehrere tausend deutsche Urlauber in dem Land. Allein 3100 Touristen des Veranstalters Rewe Touristik (ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg) befinden sich in den Ferienorten Hurghada, Scharm el-Scheich, Marsa Alam und Luxor. Tui hat derzeit 7000 Gäste in Ägypten.

Der Tourismus ist eine der wichtigsten Einnahmequellen Ägyptens. 2009 besuchten 12,5 Millionen Urlauber das Land, das dadurch Erlöse in Höhe von knapp elf Milliarden Dollar erzielte.

© Reuters/dpa/tmn/AP/AFP/dd - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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