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Ungewöhnlich Übernachten in London:Zwei Stationen zum Sport

Das bedeutet für mich, dass ich nach dem Zähneputzen in Tricias Bad ausgesperrt werde. Während Tricia, ihre Untermieter, Hund und Katzen im erleuchteten Ziegelbau verschwinden, bleibe ich alleine draußen zurück. Die Balkontür zum Garten lässt sich von außen nicht öffnen; hier ist East London, alles wird verrammelt. Für dringende Bedürfnisse hat Tricia mir eine Chemietoilette und eine Waschschüssel in den Schuppen gestellt.

Der Himmel ist nun bewölkt und leuchtet matt orange. Die Matratze ist bequem. Ferne Polizeisirenen und das Rauschen der nahen Autobahn sind das Gute-Nacht-Lied des Großstadt-Campers. Ich erwache, als der Regen auf die Zelthaut trommelt, erst zaghaft, dann immer heftiger. Wird schon halten, denke ich und schlafe wieder ein. Morgens, als die ersten Jumbos über dem Garten durchstarten, regnet es immer noch. Das Zelt hat gehalten - mehr oder weniger. Die Schaumgummimatratze zieht leider etwas Feuchtigkeit.

Die Gartentür steht zum Glück schon offen. Tricia sitzt mit den Katzen auf der roten Samtcouch vor dem Frühstücksfernsehen. Sie zeigen Bilder von Überflutungen. "Cornwall, Somerset, Yorkshire, alles steht unter Wasser. Du hast Glück gehabt!", sagt sie. London sei noch mal verschont geblieben.

"Wir sollten in diesem Land nichts mehr organisieren, das Wetter ist einfach zu schlecht", sagt Tricia. Dann geht sie in die Küche und brät Würste, Schinken und Pilze. Sie findet, der Gast müsse als Entschädigung ein gescheites englisches Frühstück bekommen.

"Upper Leytonstone", wie Tricia ihr Viertel ironisch nennt, besteht im Wesentlichen aus putzigen Backstein-Reihenhäusern mit Gärten, ein paar Kirchen und dem Epping Forest, einem schmalen Waldgebiet mit einigen Seen. Von hier ist man mit der U-Bahn nach zwei Stationen in Stratford, wo der Olympiapark steht. Um den überhaupt zu sehen, muss man erst mal durch das riesige Westfield-Einkaufszentrum. Vom dritten Stock des John-Lewis-Kaufhauses, so Tricias Tipp, habe man einen guten Überblick über die Sportstätten - und steht im Trockenen.

Abends gehen wir zuerst in Tricias Stammpub und dann zu ihrem Lieblingsinder. "Curry ist einfach unser Nationalgericht", sagt Tricia, die früher selbst mal Pubwirtin war.

Die zweite Nacht im Zelt verläuft dann völlig trocken und bis auf ein extrem lautes Hubschraubermanöver auch ohne größere Aufregung. Morgens zeigen sie im Frühstücksfernsehen erneut Überflutungen. "Du hast wieder Glück gehabt", sagt Tricia.

Aber nächste Nacht soll auch London "heavy rain" abbekommen: "Da bist du ja zum Glück schon weg."

Informationen: Campen bei Tricia kostet rund 30 Euro pro Nacht, www.campinmygarden.com

© SZ vom 19.07.2012/dd
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