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Unesco:Die Neuzugänge auf der Welterbe-Liste

Wüsten, Vulkaninseln, Gebäudekomplexe: Das Unesco-Welterbe ist gewachsen. Welche 21 Orte hinzugekommen sind - und wo das Erbe der Menschheit in Gefahr ist.

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Persisches Qanat-Bewässerungssystem im Iran

Quelle: dpa

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21 neue Orte und Institutionen stehen auf der Landkarte des Unesco-Welterbes. Damit gibt es weltweit 1052 kulturell oder landschaftlich einzigartige Stätten in 165 Ländern. Das sind die "Neulinge":

Qanat-Bewässerungssystem, Iran

Gleich zwei neue Welterbestätten liegen im Iran. Eines ist das persische Qanat-Bewässerungssystem, das zum Beispiel in den Bagh-e Shahzadeh-Gärten in Mahan (im Bild) genutzt wird. Mit Hilfe unterirdischer Kanäle wird dabei Wasser in Wüstenregionen transportiert. Die Technik ist mehrere tausend Jahre alt.

Lut Desert in Iran

Quelle: dpa

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Wüste von Lut, Iran

Heißer geht es nicht: In der Lut-Wüste (im Bild), von der Unesco nun zum Weltnaturerbe erklärt, wurde vor einigen Jahren mit 70,7 Grad Celsius die höchste Temperatur in einer Wüste gemessen. Gerade einmal 50 Millimeter Regen fallen im Jahr. Menschen leben nur in den Bergen südlich der Lut: Zu extrem sind die Bedingungen in der größten Wüste im Iran.

Ebenfalls in der Wüste, nämlich mitten in der Sahara, liegt eine weitere Welterbestätte:

Natur- und Kulturlandschaft des Ennedi-Massivs, Tschad

In dem Sandsteinkomplex wurden prähistorische Felsbilder aus der frühen Eisenzeit gefunden: Sie zeigen Männer mit Lanze und Schild auf der Jagd.

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Quelle: AP

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Stećci - Mittelalterliche Grabsteine

Mehr als 58 000 dieser mittelalterlichen Grabsteine gibt es in den Balkanländern, die meisten davon in der Herzegowina, in Südbosnien und Dalmatien. Sie stammen aus dem 14. und 15. Jahrhundert und sind verziert mit Ritterfiguren und Jagdszenen, außerdem tragen sie Inschriften in der alten bosnischen Schrift "Bosancica".

Im Bild: Stećci im bosnischen Stolac, einem der Hauptfundorte.

Archipelago of Revillagigedo included in UNESCO World Heritage li

Quelle: dpa

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Revillagigedo-Inselgruppe, Mexiko

Die vier nahezu unbewohnten Vulkaninseln im Pazifik (im Bild), auf denen sich lediglich eine Marinebasis befindet, liegen etwa 400 Kilometer von der mexikanischen Westküste entfernt. Sie gelten als "kleines Galapagos": Sowohl zu Land als auch zu Wasser gibt es eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt.

Noch zwei weitere Meeres-Ökosysteme wurde von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärt:

Meeres-Nationalpark Sanganeb-Atoll und Meeres-Nationalpark Dungonab-Bucht, Sudan

Die Korallenriffe liegen im Roten Meer und sind laut Unesco einzigartig und schützenswert wegen ihrer vielfältigen Tierwelt, darunter Haie, Schildkröten und Mantarochen.

Le Corbusier buildings included in UNESCO World Heritage list

Quelle: dpa

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Das architektonische Werk von Le Corbusier

Im dritten Anlauf schafften es auch die Gebäude des schweizerisch-französischen Architekten Charles-Édouard Jeanneret-Gris (1887-1965), besser bekannt als Le Corbusier, als "Zeugnis der Globalisierung der Moderne" auf die Welterbe-Liste (im Bild die Cité de Refuge in Paris, die Le Corbusier für die Heilsarmee baute). Sieben Länder hatten sich gemeinsam beworben, darunter auch Deutschland mit zwei Häusern der Weißenhof-Siedlung in Stuttgart.

Alle 41 Welterbestätten in Deutschland sehen Sie hier auf einer interaktiven Karte.

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Quelle: AFP

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Marschland Al-Ahwar, Irak

Das Sumpfland an Euphrat und Tigris ließ Diktator Saddam Hussein trockenlegen, nach seinem Sturz wurde es geflutet. Allmählich entsteht wieder das Ökosystem, in dem vor 5000 Jahren die Hochkultur der Sumerer ihren Anfang nahm.

Gibraltar Caves inscribed into UNESCO's World Herit

Quelle: dpa

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Neandertal-Höhlen in Gibraltar

Über mehrere Jahrtausende soll der Homo neanderthalensis in den Höhlen gelebt haben, die heute knapp über dem Wasserspiegel des Mittelmeers liegen, vor denen sich damals aber eine bewaldete Küstenlandschaft erstreckte. Felsritzungen datierte man auf ein Alter von mindestens 39 000 Jahren, Werkzeugfunde sind 24 000 bis 28 000 Jahre alt. Die Höhlen gelten als eine Art letzte Zuflucht der Neandertaler: Forscher fanden Relikte, die darauf hindeuten, dass dort auch noch Neandertaler lebten, als sich andernorts in Europa längst der Homo sapiens durchgesetzt hatte.

People walk inside the Tholos de El Romeral dolmen at Antequera Dolmens Site in Antequera

Quelle: REUTERS

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Dolmenstätten von Antequera, Spanien

Gigantische Steinblöcke, passgenau aneinandergefügt: Die in drei Hügeln verborgenen Grabkammern und Verbindungsgänge im andalusischen Antequera sind ein beeindruckendes Zeugnis prähistorischer Baukunst (im Bild). Dolmen nennt man solche aus Steinblöcken errichteten Bauwerke. Die "Dolmen de Menga" und "Dolmen de Viera" sind wahrscheinlich etwa 5000 Jahre alt, "Tholos de El Romeral" etwas jünger.

Auch Ausgrabungen in Griechenland erhielten den Welterbe-Status:

Archäologische Stätte von Philippi, Griechenland

Seinen Namen erhielt Philippi von Philipp II. von Makedonien, dem Vater Alexanders des Großen. Die antiken Ruinen, die dort zu sehen sind, stammen allerdings aus römischer Zeit, darunter eine Akropolis, ein Forum mit einigen Häusern und ein Theater. Der Apostel Paulus gründete in Philippi um das Jahr 50 eine christliche Gemeinde, die erste in Europa. Die Überreste mehrerer frühchristlicher Basiliken sind noch zu erkennen.

Historic City of Ani near Kars

Quelle: dpa

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Archäologische Stätte von Ani, Türkei

Der Ort im Grenzgebiet zwischen der Türkei und Armenien war einst die Hauptstadt Armeniens und ein wichtiger Knotenpunkt auf der Seidenstraße. Bis zu 100 000 Menschen sollen in Ani gelebt haben. Seit 300 Jahren ist der Ort verlassen, geblieben sind einige wichtige Zeugnisse armenischer Architektur, vor allem Kirchen. Tausend sollen es früher einmal gewesen sein. Das größte Gebäude ist heute die Kathedrale der heiligen Jungfrau, eine Kreuzkuppelkirche, die um das Jahr 1000 nach Christus erbaut wurde.

Khangchendzonga-Nationalpark in Indien

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Kangchendzönga-Nationalpark, Bundesstaat Sikkim, Indien

Zu Füßen des mit 8586 Metern dritthöchsten Bergs der Erde erstreckt sich ein Nationalpark (im Bild), in dem unter anderem fünf verschiedene Bergziegenarten leben. Der Berg selbst wird von den Ureinwohnern Sikkims als heilig verehrt. Die Region um den Kangchendzönga ist deshalb nach Angaben der Unesco nicht nur wegen ihrer landschaftlichen Schönheit ein Welterbe, sondern auch wegen ihrer Bedeutung für die kulturelle Identität ihrer Bewohner.

Noch eine weitere Stätte in Indien wurde zum Welterbe erklärt:

Ausgrabungsstätte von Nalanda Mahavihara, Bundesstaat Bihar, Indien

Im indischen Nalanda lernten und lehrten einst bis zu 10 000 Studenten und tausend Professoren: Die Hochschule, die dort im fünften Jahrhundert gegründet wurde, war nicht nur die größte buddhistische Universität, sondern wohl der bedeutendste Bildungsort der gesamten antiken Welt. Auf einem zwölf Hektar großen Gelände standen zahlreiche Klöster und Tempel, von denen heute nur noch Ruinen zu sehen sind: Im 12. Jahrhundert wurde Nalanda im Zuge islamischer Eroberungszüge zerstört.

Ensemble der Moderne in Pampulha

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Ensemble der Moderne in Pampulha, Brasilien

Architekt Oscar Niemeyer entwarf in den 40 Jahren in der Stadt Belo Horizonte ein Kultur- und Freizeitzentrum an einem künstlich angelegten See. Neben einer Kirche, die dem Heiligen Franziskus von Assisi gewidmet ist (im Bild), entstanden ein Yachthafen und ein Museum. Das Ensemble gilt als wegweisend für die moderne Architektur.

Und noch ein Yachthafen ist nun Welterbe - er ist allerdings schon etwas älter:

Marinewerft "Nelson's Dockyard", Antigua

In der von der Natur geformten Bucht auf der Karibikinsel Antigua sind Schiffe sicher, selbst wenn ein Hurrikan tobt. Von 1671 an nutzten britische Seefahrer den Hafen, im Lauf der Jahrzehnte wurde er zu einem wichtigen Marinestützpunkt ausgebaut. In Nelson's Dockyard sind restaurierte Werkstätten, Wohn- und Lagerhäuser aus dem 18. Jahrhundert zu sehen, auch die mächtigen Steinsäulen einer Werft stehen noch. Die Anlage, gelegen im Nelson's Dockyard National Park, wird nach wie vor als Yachthafen genutzt.

Felsmalereien der Kulturlandschaft am Hua Shan in China

Quelle: dpa

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Felsmalereien der Kulturlandschaft am Hua Shan und am Fluss Zuo Jiang

Insgesamt 50 Welterbestätten gibt es nun in China: Das Welterbe-Komitee setzte auf seiner Sitzung zwei neue Orte auf die Liste. Die Felsmalereien am Hua Shan (Bild) entstanden vor 2000 Jahren an steilen Felswänden und wurden vom Volk der Luoyue angefertigt.

Zweite neue Welterbestätte in China ist das Shennongjia-Waldgebiet in der chinesischen Provinz Hubei mit den größten Urwäldern Chinas, in denen seltene Arten wie Leopard, Kragenbär oder Chinesischer Riesensalamander leben.

Westliches Tian-Shan-Gebirge in Usbekistan

Quelle: dpa

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Westliches Tian-Shan-Gebirge, Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan

Der grenzüberschreitende Gebirgszug (im Bild) zählt weltweit zu den sieben größten Gebirgsketten. Wiesen und Feuchtgebiete sind in der abwechslungsreichen Landschaft ebenso zu finden wie Gletscher und Steppen. Die Ernennung zum Welterbe soll auch die Zusammenarbeit der drei Anrainerstaaten beim Naturschutz unterstützen.

Deutlich kleiner ist die Fläche eines weiteren neuen Weltnaturerbes:

Schutzgebiet Mistaken Point, Kanada

Der 17 Kilometer lange Küstenstreifen im äußersten Südosten von Neufundland ist eine bedeutende Fossilien-Fundstätte. Die Steilküste entstand, als vor mehr als 500 Millionen Jahren Landmasse vom Meeresgrund noch oben drückte. In dem Gestein sind sogenannten Makrofossilien zu sehen - die ersten ihrer Art, nachdem die Erde zuvor nur von Mikroorganismen bevölkert war.

Nan Mandol in Mikronesien

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Nan Madol, Mikronesien

Das erste Welterbe für den Inselstaat im Pazifik: Auf mehr als 90 künstlichen Inseln sind die Überreste einer zwischen 1200 und 1500 errichteten Palast- und Tempelanlage zu sehen. Es handelte sich um ein zeremonielles Zentrum und zeugt laut Unesco von den hochentwickelten sozialen und religiösen Bräuchen der Inselgesellschaft. Nan Madol hat allerdings nicht nur einen Platz auf der Welterbe-Landkarte, sondern wurde zugleich wegen des schlechten Zustands der historischen Bauwerke in die Liste der gefährdeten Stätten aufgenommen.

UNESCO threatens Venice to be placed on list of endangered herita

Quelle: dpa

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Welterbe in Gefahr

Denn die Welterbe-Kommission der Unesco nimmt nicht nur neue Stätten in die Liste einzigartiger Kultur- und Naturdenkmäler auf, sondern prüft auch, ob der Titel noch zu Recht getragen wird oder ob Beschädigung und Zerstörung drohen. Neben Nan Mandol in Mikronesien wurden sieben Stätten in die Liste des gefährdeten Welterbes aufgenommen: die Altstädte von Djenne in Mali, das historische Zentrum von Shakhrisyabz in Usbekistan und alle fünf Welterbestätten in Libyen.

Ein besonderes Auge hat die Unesco außerdem auf Venedig (im Bild) geworfen: Sowohl die Stadt als auch die Lagune seien in ihrer Einzigartigkeit bedroht, heißt es in einem Beschluss. Große Kreuzfahrtschiffe sollten die Lagunenstadt deshalb nicht mehr direkt anlaufen dürfen, auch der Verkehr mit kleineren Schiffen müsse eingeschränkt werden. Das Welterbekomitee forderte die Stadt auf, eine nachhaltige Tourismusstrategie zu entwickeln, wenn sie ihren Status als Welterbe nicht verlieren wolle.

© SZ.de/kaeb/feko

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