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Überleben in Australien:Nicht ohne meinen Essig

Speiseessig und Damenstrumpfhosen können Leben retten im Land der giftigsten Tiere. Wie Sie Gefahren überleben, in die Sie hoffentlich nie geraten.

Berit Uhlmann

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Survival-Guide Australien

Quelle: SZ

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Speiseessig und Damenstrumpfhosen können Leben retten im Land der giftigsten Tiere. Wie Sie Gefahren überleben, in die Sie hoffentlich nie geraten.

Würfelquallen

Australien ist das Land der Gifttiere. Zu den giftigsten der Giftigen gehört die Würfelqualle (englisch: box jellyfish). Das Tier treibt von Oktober bis Mai vor den Küsten Nordaustraliens. Wenn ein Mensch in die oft meterlangen Tentakel gerät, erleidet er höllische Schmerzen und kann innerhalb weniger Minuten an Herzversagen sterben. Achtung: Auch abgerissene Tentakel sind noch gefährlich.

Sie vermeiden die Pein, wenn Sie nur an gesicherten Stränden schwimmen. Wenn Sie jegliches Risiko umgehen möchten, können Sie beim Baden und Surfen spezielle Schutzanzüge oder - wenn Sie es mögen - Damenstrumpfhosen tragen. Seltsamerweise können die Quallen das Nylongewebe nicht durchdringen.

Bei einer Berührung mit der Qualle, ist Essig - Und nichts anderes! - das Mittel der ersten Hilfe. An bewachten Stränden halten Rettungssschwimmer die saure Flüssigkeit bereit. Sie wird über eventuelle abgerissene Tentakel und die Wunden gegossen. Dies verhindert, dass weiteres Gift in den Körper des Opfers gelangt. Überwachen Sie den Herzschlag des Verletzten und führen Sie nötigenfalls eine Herzmassage durch. Rufen Sie sofort einen Krankenwagen (Notrufnummer: 000).

Foto: Great Barrier Reef Park Authority

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Giftschlangen, Skorpione, Spinnen

Die Todesotter (kleines Foto) und der Inlandtaipan (großes Foto) sind nur zwei der hochgiftigen Schlangen Australiens. Auch mehrere Giftspinnenarten sind verbreitet, Skorpione treiben ihr Unwesen - und das sind nur die bekannteren Gefahren.

Sie schützen sich vor den Tieren, indem Sie in der freien Natur oder in ebenerdigen Unterkünften keine Kleidung, Schuhe oder Handtücher auf dem Boden liegen lassen: Die Tiere könnten diese Gegenstände für einen idealen Unterschlupf halten - und verteidigen.

Schutz auf Wanderungen bieten feste, möglichst knöchelhohe Schuhe und Hosen, die in die Schuhe oder Socken gesteckt werden.

Wenn Sie trotz der Vorkehrungen gebissen oder gestochen werden, lautet der wichtigste Rat: Unternehmen Sie nichts, was nach einem Kinofilm aussieht! Das Beste, was sie tun können, ist, den Verletzten ruhig zu halten. Panik sorgt nur dafür, dass sich Gift schneller in seinem Körper ausbreitet oder weitere Komplikationen auftreten. Transportieren Sie das Opfer in ein Krankenhaus oder rufen Sie medizinische Hilfe.

Um Ruhe zu bewahren, könnten Ihnen das Wissen helfen, dass Skorpione in der Regel für Erwachsene nicht lebensgefährlich sind und dass selbst die aggresivsten Schlangen und Spinnen bei weitem nicht immer Gift verspritzen, wenn sie angreifen. Da Laien aber nicht sicher bestimmen können, wie gefährlich der Biss ist, sollten Sie einen Arzt zu Rate ziehen.

Von Maßnahmen wie Abbinden, Aussagen oder Ausbrennen der Wunde raten Mediziner ab, dies könnte die Situation noch verschlimmern. Keinesfalls sollten Sie versuchen, die Schlange oder Spinne zu fangen, um den Ärzten das corpus delicti zeigen zu können. Falls es Ihnen aber gelingt, das Aussehen des Tieres den Ärzten zu beschreiben, könnte es ihnen das Aussuchen eines Gegengiftes erleichtern.

Es gibt in Australien noch eine ganze Reihe weitere Tiere - vor allem im Meer -, die durch Berührung, Stiche oder Bisse Gift übertragen. Gehen Sie deshalb zum Arzt, sobald sie eine plötzliche, begrenzte Rötung, Schwellung oder Schmerzen an der Haut bemerken.

Fotos: GNU

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Stechende Bäume

Als ob die Gifttiere nicht reichten, gibt es in Australien auch toxische Pflanzen. Zwei Bäume und vier Sträucher gehören zur Gruppe der "stechenden" Gewächse (englisch: stinging trees, lat: Dendrocnide). Winzige Glasfasern überziehen die großen, grünen Blätter und Stängel der Pflanzen. Sie durchbohren selbst bei flüchtiger Berührung die Haut und setzen Gift frei, das starke Schmerzen verursacht. Die Gewächse sind nicht lebensgefährlich, die Schmerzen können aber im Extremfall jahrelang anhalten.

Die Pflanzen wachsen im Regenwald Australiens. Das Tückische: Ihre giftigen Fasern können auch Kleidung durchbohren. Sie schützen sich also am besten vor ihnen, indem Sie - mit Hilfe eines erfahrenen Führers - ein Bogen um die stechenden Pflanzen machen.

Foto: oh

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Haie

Sie sind ein Thema für Schlagzeilen: Die Haie vor Australiens Küsten, die Surfbretter und Menschen angreifen. Zwar wird die Gefährlichkeit der Tiere gemeinhin überschätzt, doch ist allein die Panik beim der Anblick des vielzahnigen Tieres potenziell ungesund.

Sie vermeiden die unerwünschte Begegnung am besten, wenn Sie nur an gesicherten und bewachten Strände baden. Beim Tauchen oder Schnorcheln sollten Sie eine ortskundige und erfahrene Begleitung dabei haben.

Wenn doch ein Hai auf Sie zukommt, sollten Sie Ruhe bewahren. Versuchen Sie zunächst mit ruhigen, aber kraftvollen Bewegungen wegzuschwimmen - wenn möglich nicht in der Fluchtlinie des Tieres und nicht in Richtung des offenen Meeres. Die Chancen, dass der Hai sich nicht weiter für Sie interessiert, sind hoch.

Attackiert der Hai Sie, empfehlen Überlebens-Ratgeber auf Augen und Kiemen zu schlagen, da das Tier dort am empfindlichsten ist. Für Menschen mit extrem guten Nerven findet sich auch der Rat, eine Seitenflosse zu fassen und solange mit dem Tier zu schwimmen, bis man sich abstoßen kann, oder Hilfe kommt.

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Krokodile

Leistenkrokodile von mehreren Metern Länge liegen gut getarnt in den Teichen und Tümpeln Nordaustraliens. Sie mögen phlegmatisch erscheinen, registrieren aber genau, wenn etwas vor ihren scharfen Zähnen erscheint und schlagen blitzschnell zu. Rund ein bis zwei Mal im Jahr werden Menschen in Down Under Opfer der Reptilien.

Baden Sie daher in keinen unbekannten und unbewachten Gewässern und langen Sie nicht hinein, etwa um Getränke zu kühlen.

Für den Fall eines Krokodilangriffs empfehlen Survival-Ratgeber, dem Tier kräftig auf die Schnauze zu hauen, das könnte es vertreiben oder es veranlassen, den Mund zu öffnen und seine Beute wieder freizulassen. Besser aber, Sie lassen es gar nicht erst dazu kommen.

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Im Outback

Hitze bis über 50 Grad Celsius, flirrende Sonne, weite Einsamkeit: Wer sich auf eigene Faust ins australische Outback aufmacht, sollte auf alle Notfälle vorbereitet sein. Detaillierte Karten, GPS-Empfänger, Ersatzbenzin, und -öl sowie ein zweiter Autoschlüssel und ein Erste-Hilfe-Set gehören unbedingt zur Ausrüstung.

Und das wichtigste: Sonnenschutz und ausreichend Wasser. Bei großer Hitze braucht ein Erwachsener etwa 4,5 Liter Wasser pro Tag. Nehmen Sie aber mehrere Tagesrationen zusätzlich mit, um auch noch zu trinken zu haben, wenn die Tour länger dauert. Informieren Sie vor Abreise jemanden über ihre Route und den Zeitpunkt, zu dem sie zurückkehren wollen. Im Notfall wird man Sie so leichter finden.

Urlauber, die sich verirren oder deren Wagen liegenbleibt, sollten beim Auto bleiben. Auch so finden Rettungskräfte sie leichter.

Die größten Gefahren drohen durch Hitze und Austrocknung. Alarmzeichen sind beschleunigter Puls, Übelkeit, Krämpfe, Unkonzentriertheit oder Verwirrung. Wer derart leidet, sollte zu einer möglichst schattigen Stelle gebracht werden und in kleinen Schlucken trinken. Wenn möglich sollte dem Wasser etwas Salz beigefügt werden; dies hilft, den Mineralhaushalt auszugleichen.

Lebensberohlich wird es, wenn hohes Fieber, extremes Herzrasen und Ohnmachten auftreten. Kühlen Sie einen derart Leidenden ab, indem Sie ihm kaltes Wasser oder ein mit Wasser getränktes Stück Stoff auf die Haut geben. Tauchen Sie ihn aber nicht aprupt in kaltes Wasser. Wenn der Betroffene wieder bei Bewusstsein ist, geben Sie ihm zu trinken. Anschließend bringen Sie ihn nach Möglichkeit zu einem Arzt.

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Buschbrände

Verheerende Buschfeuer kommen in Australien häufig vor. Um nicht in die Nähe der Flammen zu geraten, sollten Sie vor und während Fahrten in trockenem Buschland einen lokalen Radiosender einstellen und auf etwaige Warnungen achten.

Geraten Sie dennoch in ein Feuer und es ist gerade kein krokodilfreies Gewässer in der Nähe, benässen Sie wenigstens Ihre Kleidung und Haut. Tränken Sie Stoff mit Wasser und halten Ihn vor Nase und Mund, um keinen Rauch einzuatmen. Verstecken Sie sich aber nicht in Höhlen: Rauch, Hitze oder Sauerstoffmangel werden dort tödlich sein.

Einem Menschen mit Verbrennungen helfen Sie, indem Sie zunächst seine heiße Kleidung entfernen - allerdings nicht, wenn diese an der Haut klebt!

Ist die Verbrennung leicht, verschaffen Sie dem Verletzten mit kühlem Wasser Linderung - indem Sie die Stelle in Wasser tauchen oder nasse Umschläge machen. Achten Sie aber bei großflächigen Verbrennungen darauf, den Verletzten nicht zu unterkühlen.

Bei schwereren Verbrennungen, wenn die Haut Blasen wirft oder gar verkohlt ist, decken Sie die Wunde steril - notfalls auch mit einem sauberen Stück Stoff - ab und lassen sie in Ruhe. Suchen Sie sofort professionelle Hilfe!

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Kängurus

Vielleicht freuen Sie sich, wenn Sie endlich Ihr erstes Känguru in Down Under sehen. Seien Sie sich aber bewusst, dass man Ihre Begeisterung vor allem in der Region um die Hauptstadt Canberra nicht teilen wird. Canberra hat mittlerweile dreimal mehr Kängurus als Einwohner; die Beuteltiere gelten als Plage.

Wenn sie ausgehungert sind, können die rund 80 Kilogramm schweren Tiere im Extremfall auf Menschen losgehen und die Fäuste einsetzen. Lassen Sie die Kängurus daher in Ruhe und seien Sie vor allem beim Autofahren vorsichtig, um Zusammenstöße zu vermeiden.

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Kneipen

Vielleicht haben Sie in den USA beobachtet, dass man sein Glas auf den Kopf stellt, wenn man nichts trinken will. Diese Geste sollten Sie jedoch besser nicht in Australien anwenden. In einigen Lokalen kann sie als Aufforderung zum Kampf verstanden werden.

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Nützliche Informationen

Notruf: 000. Die Nummer ist von jedem Festnetztelefon aus kostenlos anwählbar. Vom Handy aus wählt man die 112. Die Notrufzentrale ruft dann auf dem Mobiltelefon zurück.

Deutsche Botschaft in Canberra: Telefon: 0061-2-6270 1911 Internet: www.canberra.diplo.de. Bereitschaftsdienst der Botschaft für Notfälle außerhalb der Öffnungszeiten: 0061 - 417 497 503

24-Stunden-Hotline zum Kreditkarten sperren: 0049-116-116.

Reiseinformationen des Auswärtigen Amtes: www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/LaenderReiseinformationen.jsp

Zentrum für Reisemedizin: www.crm.de

Foto: Reuters

(sueddeutsche.de)

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