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Tunnel-Test:Der Tunnelblick des ADAC

Der ADAC hat 25 Tunnels in Europa getestet. Sieger ist ein deutscher Tunnel. Vollends in die Röhre schaut man dagegen in Palma de Mallorca - und nicht nur dort.

Erneut musste der Autoclub ADAC bei vielen europäischen Straßentunneln schwere Sicherheitsmängel beanstanden. Beim fünften ADAC-Tunneltest in elf Ländern seien elf von 25 Röhrensystemen mit "bedenklich" oder "mangelhaft" bewertet worden.

Sichere Röhren und ausreichende Sicherheitsmaßnahmen sind in zahlreichen Tunnels in Europa noch immer nicht ausreichend gegeben.

ADAC-Testleiter Robert Sauter bezeichnete das Testergebnis als ausgesprochen schlecht. Die Durchfallquote von 44 Prozent sei ein Ausnahmefall in der seit 1999 bestehenden Testreihe, bei der bislang 120 Tunnel in Europa getestet wurden.

"Viele Ausreißer erwischt"

Lediglich drei Mal konnte die Note "sehr gut" vergeben werden, vier der Tunnel erreichten die Note "gut", sieben ein "ausreichend". Dass das ADAC-Testergebnis so schlecht ausfiel, sei "Zufall", erklärte Sauter. "Wir haben diesmal viele Ausreißer erwischt."

Der ADAC fordert deswegen eine schnell wirksame EU-Gesetzgebung mit den Mindestanforderungen an die Sicherheit von Straßentunneln. Als zentrales Sicherheitsproblem bezeichnete der Testleiter die Einröhrigkeit zahlreicher Tunnel, woraus eine "grundsätzlich ungünstige Situation" resultiere.

Ein deutscher Sieger

Der diesjährige Testsieger ist eine deutsche Röhre: der Weserauen-Tunnel bei Porta Westfalica/Minden in Niedersachsen. Die übrigen zwei getesteten deutschen Tunnel, der Petueltunnel in München und die vierte Röhre des Elbtunnels in Hamburg, bekamen die Note "gut".

Ebenfalls als "sehr gut" wurden der spanische Tunnel Somport (ein Grenztunnel zwischen Saragossa in Spanien und Pau in Frankreich) und der Tunnel Pomy bei Yverdon in der Schweiz eingestuft.

Schlusslicht bei den Unterführungen ist der Sóllertunnel bei Palma de Mallorca, den der ADAC als "mangelhaft" wertete.

Der Weserauen-Tunnel, erst seit 2002 in Betrieb, verfügt über alles, was nach ADAC-Richtlinien einen modernen Tunnel auszeichnet: Über Querverbindungen sind die beiden Röhren miteinander verbunden, die als zusätzliche Flucht- und Rettungswege genutzt werden können.

Videokameras überwachen den Verkehr lückenlos; Pannenbuchten, Notruftelefone und Feuerlöscher sind ausreichend vorhanden. Notfälle werden automatisch erfasst und mittels geeigneter Programme gemanagt. Auch für den Fall eines Brandes ist man bestens gerüstet. Einziger Kritikpunkt: Die Notrufe sind nicht lärmgeschützt.

Gefahr in der Röhre

Der Sóllertunnel bei Palma ist dagegen ein abschreckendes Gegenbeispiel. Obwohl der Überlandtunnel ebenfalls zu den neueren Tunneln gehört, landete er mit deutlichem Abstand auf dem letzten Platz.

In der Röhre herrscht Gegenverkehr. Es gibt keine zusätzlichen Flucht- und Rettungswege, und auch auch die Beschilderung der Fluchtrichtung fehlt. Zudem wurden nahezu keine Maßnahmen für den Fall eines Brandes getroffen, nicht einmal die Feuerwehr ist für einen Einsatz im Tunnel geschult.

Fast schon nebensächlich ist die Tatsache, dass die Fahrbahnmarkierungen zu wünschen übrig lassen.

Geringes Risiko, aber katastrophale Folgen

Laut ADAC ist das Risiko, in einem Tunnel zu verunglücken, geringer als auf freier Strecke. Die Statistik belegt, dass es im Tunnel weit weniger Unfälle gibt.Witterungsverhältnisse spielen hier kaum eine Rolle, die Lichtverhältnisse bleiben gleich, und meist drosselt eine Geschwindigkeitsbegrenzung den Verkehr.

Wenn es aber im Tunnel kracht, sind die Folgen schon bei kleineren Unfällen wesentlich schwieriger zu beherrschen. Die Autofahrer können schwer ausweichen, die Rettungskräfte kommen nicht so leicht zum Unfallort.

Fängt ein Auto Feuer, kann das schnell in einer Katastrophe münden. Giftige Rauchgase und Temperaturen bis zu 1200 Grad bedrohen das Leben von Autofahrern und Rettungskräften. Nach einer ADAC-Übersicht sind in Europas Autotunneln seit 1995 87 Menschen ums Leben gekommen.

Nachdrücklich wies der ADAC auf den systematischen Boykott der Tunneltests durch die italienischen Behörden und Tunnelbetreiber hin. "Der Verdacht liegt nahe, dass die Italiener bei einer Überprüfung schlechte Ergebnisse befürchten", sagte ADAC-Vizepräsident Günter Knopf.

(sueddeutsche.de/dpa/AP/ADAC)

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