Turm zu Babel

Wie könnte es aussehen? Selbstverständlich liefern sich die Stararchitekten der Welt einen erbitterten Wettbewerb um dieses Prestigeprojekt. Ein Entwurf sieht die vollständige Überwindung des Konzepts "Turm" durch einen Flachbau mit 77 Quadratkilometern Grundfläche und nur sieben Metern Höhe vor. Doch die Traditionalisten setzen sich durch: Als Vorbild dient das Gemälde von Pieter Bruegel dem Älteren aus dem Jahr 1563. Die fehlenden Stockwerke werden unter Anleitung eines internationalen Kunsthistorikerteams ergänzt.

Das Besondere: Da das Original bekanntlich niemals fertiggestellt wurde, findet der zweite Anlauf ganz ohne den Erwartungsdruck statt, der sonst auf städtebaulichen Großvorhaben lastet. Von spektakulären Verzögerungen wie bei gewissen Flughäfen oder Konzerthäusern keine Spur. Der Rohbau ist elf Monate vor Plan fertig, die Eröffnungsfeier findet nach einer entspannten letzten Projektphase pünktlich statt.

Wer würde hinfahren? Übersetzer, Dolmetscher und Sprachwissenschaftler aus aller Welt - schließlich wollen sie endlich den Ort sehen, dem sie angeblich ihren Job zu verdanken haben. Von Irene Helmes

Bild: Illustration: Yinfinity 20. Mai 2015, 12:492015-05-20 12:49:57 © Süddeutsche.de/dd